Energiezukunft in Bürgerhand

Freuten sich über das rege Besucherinteresse bei der Informationsveranstaltung zur Gründung einer Energiegenossenschaft Türkheim im Gasthof Rosenbräu (von links): Andreas Steinhauer, Bernd Haarer - beide vom Energieteam Türkheim, Jürgen Münzer, Hermann Kerler und Bürgermeister Sebastian Seemüller. Foto: Breuninger

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nfoveranstaltung zur Gründung einer Energie-Genossenschaft Türkheim Türkheim (mb): Bürgermeister Sebastian Seemüller hatte am vergangenen Donnerstag interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einen aufschlussreichen Informationsabend rund um das Thema »Gründung einer Energie-Genossenschaft Türkheim« in den Gasthof Rosenbräu eingeladen. »Auch in Türkheim möchten wir unseren Beitrag zur Energiewende betragen«, sagte Bürgermeister Seemüller zum Auftakt der Veranstaltung. Der größte schlafende Riese sei die Energieeinsparung, so Seemüller. Hier komme die Idee einer Genossenschaft ins Spiel unter dem Motto »Zusammen stark sein« und dies nicht nur aus finanziellen Interessen heraus sondern auch der Umweltschutz sollte im Vordergrund stehen. Als Fachmänner in Sachen »Energie-Genossenschaften« und Photovoltaik hatte er Hermann Kerler (Aufsichtsratsvorsitzender der Dorfenergie e.G., Vorstand der Raiffaisenbank Pfaffenhausen und Vorstand des Vereins ProNah) sowie Jürgen Münzer (Technischer Leiter der Öko-Haus GmbH in Eppishausen) eingeladen. Unsere Region bietet zahlreiche Standortvorteile, wie ein großer Waldbestand (Holznutzung), große landwirtschaftliche Flächen für Energiepflanzen, Solaranlagen oder Windkraftanlagen sowie große Dachflächen für die solare Nutzung und verfügt über einen Maschinenpark und die Logistik durch die Landwirtschaft. Am Beispiel Dorfenergie Eppishausen stellte Hermann Kerler eine Energie-Genossenschaft in der Region vor. Es gehe hier um eine regionale, dezentrale und umweltfreundliche Energieerzeugung mit der Sonne: unsere unerschöpfliche Energiequelle und die Wertschöpfung in der Region, informierte Kerler. Die Gründung einer Energie-Genossenschaft brächte ebenfalls verschiedene Vorteile: Teilhabe der Bürger auf breiter Basis, demokratische Struktur (ein Kopf entspricht einer Stimme), hohe Akzeptanz der Projekte und regionale Wertschöpfung. In der vorgestellten Energie-Genossenschaft seien vorrangig Mitglieder, die ihren Sitz oder Wohnsitz in der Kommune hätten und es gebe eine Kündigungssperrfrist bis 2015, danach sei eine Kündigung jährlich zum Schluss eines Geschäftsjahres möglich, berichtete Hermann Kerler. Bei einer Genossenschaft wären Kapitalveränderungen wesentlich flexibler durchführbar als bei der KG oder GmbH, nämlich ohne Mitwirkung eines Notars. Als weitere Vorteile führte er die Beschränkung Haftung auf das Gesellschaftsvermögen und keine Nachschusspflicht für die Mitglieder an. Ziele der Genossenschaft seien unter anderen: die Stärkung der Dorfgemeinschaft, eine Wertschöpfung vor Ort zu erzielen, die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden und Initiativen, die Akzeptanz der Erneuerbaren Energien fördern durch eine gemeinsame Teilhabe am Ertrag, die Initiierung neuer Projekte, die Entwicklung neuer Ideen, das Anstreben von kreativen Lösungen und last but not least - eine 100-prozentige regenerative Energieerzeugung vor Ort zu verwirklichen. Natürlich interessierten sich die Zuhörer auch für den finanziellen Aspekt einer Energie-Genossenschaft. Bei der Dorfenergie e.G. halte sich dieser in Grenzen, so Kerler, denn ein Geschäftsanteil betrage 500 Euro und ist sofort nach Aufnahme einzuzahlen. Ein Mitglied muss sich mindestens mit einem Geschäftsanteil beteiligen, somit können auch Privatpersonen Anteile an der Genossenschaft erwerben. Bürger, die über keine geeigneten Dachflächen verfügen oder sich keine eigenen Anlagen leisten wollen oder können, haben die Möglichkeit in Photovoltaik zu investieren. Die Dorfenergie e.G. betreibt derzeit vier Photovoltaikanlagen: Bauhof und Fundushalle Eppishausen mit 130 Kilowatt Peak, Vereinshaus Haselbach mit 17 Kilowatt Peak, Turnhalle der Mittelschule Kirchheim mit 23 Kilowatt Peak und die fünfte - die Freiflächenanlage Deponie Derndorf mit 426 Kilowatt Peak soll im ersten Halbjahr 2012 errichtet werden. Jürgen Münzer, Technischer Leiter der Öko-Haus GmbH in Eppishausen, stellte anhand von Grafiken anschaulich die Notwendigkeit einer Umsteuerung zur Energiegewinnung aus ökologischer und ökonomischer Sicht dar: Umweltschäden durch konventionelle Energieträger inklusiv der Problematik der Endlagerung sowie die Endlichkeit von Öl, Kohle, Gas und Uran - dem gegenüber stehe die unerschöpfliche Solarenergie. »Photovoltaik ist somit unverzichtbar im weltweiten Energiemix«, so Jürgen Münzer. Eine Stunde Sonneneinstrahlung würde mehr als den kompletten Jahresenergie-Weltverbrauch abdecken. Der Anteil von Photovoltaik an der Stromerzeugung betrug 2011 in Bayern sechs Prozent und deutschlandweit drei Prozent. Doch worauf kommt es bei einer rentablen Photovoltaikanlage an? Vor allem auf eine saubere und ordentliche Montage, die Verwendung von langlebigen Qualitätsprodukten mit deutschen oder europäischen Garantiegebern und eine ständige Begleitung der Anlage durch Fernüberwachung und Wartung. Auch sollten man sich vorab über Erfahrung und Referenzen der beteiligten Firmen informieren, regte der Fachmann an. Mit begeistertem Applaus bedankten sich die zahlreichen Zuhörer bei den Referenten und trugen sich in die bereitgelegte Liste für weitere Informationen und eventuelle Bereitstellung von Dachflächen ein. Weitere Informationen zum Thema Energie-Genossenschaften gibt es im Internet unter www.kommunal-erneuerbar.de, www.unendlich-viel-energie.de und www.dorfenergie-eg.de. »Die Energiewende lebt vom Mitmachen - in Türkheim und auf der ganzen Welt«, gab der Türkheimer Rathauschef zum Abschluss des äußerst informativen Abends zu bedenken.

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