»Mitmachen ausdrücklich erwünscht«

Erlebnispfad „Buntspecht & Co“ in den Wäldern Bad Wörishofens eröffnet

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Ohne die Hauptakteure, wäre der Erlebnispfad nicht zustande gekommen (v. links): Claudia Sachon (Stamm-Kneipp-Verein), Andreas Honner (Stadtgärtnermeister), Leo Rasch (2. Vorsitzender der Kreisgruppe Unterallgäu/ Memmingen vom Landesbund für Vogelschutz (LBV)), Alexander Siebierski (1. Vorsitzender der Ortsgruppe Bad Wörishofen des BUND Naturschutz), Bürgermeister Paul Gruschka, Michael Scharpf (Verschönerungsverein), Robert Mecklinger (LBV Vogellehrpfade), Zweiter Bürgermeister Stefan Welzel, Michael Stoiber (Lokale Aktionsgruppe Kneipp­land Unterallgäu), Ethelbert Babl (LEADER-Koordinator im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten) und Kurdirektorin Petra Nocker. Im Hintergrund ist einer der insgesamt sechs Vogelschaukästen auf der Erlebnisroute zu sehen.

Bad Wörishofen – Spazieren gehen und dabei die Vogelwelt entdecken: Das kann man ab sofort bei der interaktiven Erlebnisroute „Buntspecht & Co“, das ein Gemeinschaftsprojekt von dem BUND Naturschutz der Ortsgruppe Bad Wörishofen, dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V., dem Verschönerungsverein Bad Wörishofen, dem Bayerischen Staatsforsten und dem Kur- und Tourismusbetrieb Bad Wörishofen ist. Im Waldgebiet zwischen der Therme und dem Freibad Sonnenbüchl warten auf einer Länge von 3,65 Kilometern 16 verschiedene Erlebnisstationen darauf, ausprobiert und angeschaut zu werden. Sie vermitteln Informationen über die heimische Flora und Fauna.

Der junge Buntspecht Kneippsi begleitet die Wanderer auf ihrem Weg von Station zu Station. Kinder, die ein gutes Erinnerungsvermögen haben, können währenddessen einen Tanz erlernen, denn bei den neun interaktiven Stationen ist das Maskottchen jeweils mit einem Tanzschritt abgebildet. Den kompletten Kneippsi-Tanz führten rund 30 Kindergartenkinder unter der Leitung von Claudia Sachon von der Jazz-Tanz-Gruppe des Stamm-Kneipp-Vereins Bad Wörishofen zu einem eigens komponierten Lied von Klaus-Jürgen Herrmannsdörfer, Leiter der Musikschule Bad Wörishofen, bei der Eröffnung des Erlebnispfades im Freibad Sonnenbüchl auf. Bei dem Tanz wird der ganze Körper bewegt.

Beim Haltepunkt „Vogelhochzeit“ kann man selbst in die Rolle der Braut und des Bräutigams schlüpfen, indem man sich hinter der Fotowand stellt und durch ein Guckloch schaut. Kindergartenkinder sangen dort das gleichnamige Lied, welches die Kindergärten mit je zwei selbstgebastelten Figuren verbildlicht haben. Dabei hat jeder Kindergarten aus Bad Wörishofen und seinen Stadtteilen zwei Strophen bekommen. Insgesamt 16 Figuren, die bei der Vogelhochzeit auftreten, stehen nun in einem Schaukasten.

Mitmachen erwünscht

Die Route sei für Kinder gemacht, sagte Kurdirektorin Petra Nocker; und das hat man auch bei der Eröffnung gesehen, denn der Ansturm auf den Erlebnispfad war mit insgesamt 360 Menschen, darunter die meisten Kinder, recht groß. Auch Stadtgärtnermeister Andreas Honner, der die Route mit geplant hat, war von dieser Menge überrascht und Bürgermeister Paul Gruschka fand es „sagenhaft“, wie viele gekommen sind. Bei dem Erlebnispfad ist „Mitmachen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht“, sagte Gruschka. Bei den Stationen lernen Erwachsene wie Kinder unter anderem etwas über die Lebensräume der Vögel, wie man sie richtig füttert und ihnen einen Nistkasten baut. Auch ein Insektenhotel gibt es sowie einen Bienenschaukasten. „Die Kenntnisse gehen uns verloren heutzutage“, bemängelte Gruschka. „Wer kennt noch Namen von Bäumen oder Pilzen? Wer kennt Vögel noch am Gesang?“

Die Vogelschaukästen, die der Verschönerungsverein spendete, möblierte Robert Mecklinger. Er ist beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) für Vogellehrpfade verantwortlich und entwarf die Vögel aus Ton selber, modellierte sie und stellte sie zusammen mit einer naturnahen Dekoration aus. Mit einem Singstift, den man sich für 20 Euro Pfand im Kurhaus ausleihen kann, kann man die einzelnen Vogelgezwitscher an den Schaukästen abrufen. 26.000 Euro haben die sechs Vogelschaukästen gekostet, 13.000 Euro sponserte der Verschönerungsverein, die andere Hälfte wurde durch das LEADER-Förderprogramm finanziert. Damit brachte sich der Verschönerungsverein als größte Einzelspende in das Projekt mit ein.

Vorbild Kempten

Der BUND Naturschutz hat das Projekt „Erlebnispfad“ genutzt, um seinen Infopavillon mit zu verwirklichen. Die Idee dazu hatte Alexander Siebierski bereits vor sieben Jahren in Kempten, denn dort stehe bereits am Schwabelsberger Weiher bei Thingers ein Infopavillon, das von Müttern mit Kindern gut angenommen werde, wie Siebierski erzählte. Noch ist der Infopavillon im Stadtwald im „Entwurfsstatus“. Erst in den nächsten Wochen wird es mit einer Tafel der beteiligten Vereine komplementiert, berichtete Siebierski. Der Infopavillon ist mit 13.000 Euro zum größten Teil eigenfinanziert, 9.000 Euro wurden vom LEADER beigesteuert. Doch bis man mit dem Bau beginnen konnte, hat es drei Jahre gedauert, denn es fehlte bis jetzt immer die nötige Förderung. Der erste Förderantrag bei der Unterallgäu Aktiv GmbH wurde abgelehnt. Dann habe man es über die Stadt probiert, berichtete Siebierski, doch auch da war man nicht erfolgreich. Erst jetzt, im Zuge des Erlebnispfades, konnte der BUND Naturschutz sein bedachtes Informationszentrum realisieren.

Insgesamt hat der Erlebnispfad 98.000 Euro gekostet, von denen die Hälfte durch das LEADER-Programm gefördert wurde. Auch Sponsoren wie die Genossenschaftsbank Unterallgäu eG, die Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim, die Hubertus-Apotheke, das Café MöhrenPik, das Flores Naturstudio und private Zuwendungen haben zur Errichtung des Pfades beigetragen. Vor zwei Jahren beriet man sich in der Bauausschusssitzung zum Erlebnispfad, die Planungen um die Idee von Andreas Honner begannen. Eine Kneipp­anlage ist auf dem Weg noch vorgesehen. „Die Stadt kann stolz sein, was heute eingeweiht wird“, sagte ­Ethelbert Babl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten abschließend.

Die 3,65 Kilometer lange Route kann man auch im Bereich des Freibades durch eine Schlaufe abkürzen, sodass der kleinere Teil nur noch 1,6 Kilometer lang ist und der größere 2,25 Kilometer. 

Julia Böcken

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