Schüler hoffen auf Voting-Stimmen aus der Heimat

Von EU-Kommission nominiert: Mindelheimer Technikerschule winkt große Auszeichnung

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Wie lange und kräftig muss ein Radler für eine Kilowattstunde in die Pedale treten? Unter anderem mit diesem Beispiel veranschaulichten Mindelheimer Schüler in England den Energieverbrauch. Nun ist das Projekt von der EU-Kommission für eine besondere Auszeichnung nominiert.

Mindelheim – Mit ihrem Engagement, Schülern und Lehrern Klimaschutz und Energieverbrauch zu veranschaulichen, hat es die Mindelheimer Berufsschule schon mehrfach in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geschafft. Nun hat sogar die EU-Kommission angebissen: Kürzlich erhielten die Verantwortlichen der Technikerschule zu ihrem Englandprojekt eine E-Mail aus Brüssel. Darin wurde erklärt, das Vorzeigeprojekt sei nominiert für einen der „VET Excellence Awards“. Am Samstag ist der Votingzeitraum gestartet, Mitte November will die EU-Kommission die Gewinner bekanntgeben.

Nominiert ist die Technikerschule in der Kategorie „European Funding for Excellence Awards – Erasmus+; green dimension” – also konkret für ihren Einsatz für den Umweltschutz im Rahmen von „Erasmus+“, dem Bildungsförderprogramm der Europäischen Union. Damit belohnt die EU die Erfolge der Mindelheimer im Rahmen ihres Englandaustauschs, der letztes Jahr schon zum fünften Mal stattgefunden hatte.

Sonderangebot

Die Basis dafür legt die Mindelheimer Einrichtung schon während des laufenden Schuljahres: Durch Fächer wie Kraft- und Arbeitsmaschinen, regenerative Energien, spezifischen Englischunterricht und Exkursionen erhalten die Technikerschüler für Maschinenbautechnik ein breitgefächertes Bildungsangebot, „das es an vergleichbaren Einrichtungen in puncto Energieeffizienz und erneuerbare Energien so eher nicht gibt“, erklärt Karl Geller, Umweltbeauftragter der Berufsschule Mindelheim und Projektkoordinator Klimaschule. Die Schüler, die am Ende des Schuljahres eine 15-tägige Englandreise mitmachen, setzen sich zudem ein komplettes Schuljahr selbst im Englischunterricht eine Stunde pro Woche mit Energieeffizienz und regenerativen Energieformen in der Fremdsprache auseinander. Dabei lernen sie bereits, Vorträge zu halten – und das sogar in fachspezifischem Englisch.

Angekommen an der Partnerschule Cheshire College South and West in Crewe, gut eine Stunde südlich von Manchester gelegen, gibt es für die Mindelheimer Schüler nochmal einen einwöchigen Intensivkurs und Exkursionen, unter anderem in eine Baumwollspinnerei. Ziel dabei: Die Auseinandersetzung mit technischem Englisch sowie „alten“ Techniken, etwa am Beispiel einer Dampfmaschine.

Höhepunkt des deutsch-englischen Wissensaustauschs sind dann die drei sogenannten „Energy Days“, bei denen die Mindelheimer Schüler in Kleingruppen selbst ausgearbeitete Projekte an „Wissensstationen“ präsentieren. Die gleichaltrigen Briten erhalten dort unter anderem Informationen zu Energieeffizienz- und Nachhaltigkeitsthemen wie dem ökologischen Fußabdruck, der Mobilität, der Ernährung und Nahrungsmittelproduktion, der energieeffizienten Beleuchtung sowie zu Solaranlagen und Passivhäusern – und das mit einfachen Mitteln. „Da entwickeln die Schüler oft ganz hervorragende Ideen“, lobt Geller, der auch um den Profit der Gastgeber weiß: „Die englischen Schüler sind häufig extrem dankbar, weil sie ein solches Angebot in ihren Bildungsgängen zum ersten Mal bekommen.“

Austausch mit Effekt

Aus den Erfahrungsberichten zu ihren Stationen, die die Mindelheimer Schüler zum Abschluss ihrer Reise präsentieren, hätten sich laut Geller sogar schon langfristige Wirkungen ergeben. Unter anderem habe die Schule selbst Energiesparmaßnahmen eingeleitet. Und auch das Thema „Energie“ werde inzwischen von vielen englischen Schülern – rund 300 wollen mittlerweile jährlich vom Mindelheimer Wissen profitieren – mit anderen Augen gesehen.

Karl Geller hofft auch auf Nachahmer. Fast jede Schule könne das Projekt so oder ähnlich umsetzen, womit am Ende auch „viele UN-Nachhaltigkeitsziele partnerschaftlich erfüllbar wären“. Auch Steuergelder würden hier im Gegensatz zum „Party-Erasmus“ sinnvoll investiert, sagt Geller.

Ob das Engagement aus Mindelheim europaweit honoriert wird, entscheidet zu 50 Prozent ein Voting, das im Internet unter ec.europa.eu/social/vocational-skills-week/nominees_en bereits gestartet ist sowie zum gleichen Anteil eine Jury der EU-Kommission. Drei Projekte stehen im Bereich Nachhaltigkeit zur Wahl. Am 13. November soll der Sieger bekanntgegeben werden.

Um das Abstimmungsprozedere zu vereinfachen, hat die Berufsschule Mindelheim auf ihrer Homepage die einzelnen Schritte erklärt. Zur Anleitung geht´s hier.

Marco Tobisch

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