Eine Medaille für viele Scherben

Besondere Auszeichnung für Unterallgäuer Ex-Kreisheimatpfleger Peter Hartmann

Professor Dr. Bernd Päffgen (links) und Gisela Mahnkopf (rechts) überreichten dem ehemaligen Kreisheimatpfleger Peter Hartmann (Mitte) die Rainer-Christlein-Medaille.
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Professor Dr. Bernd Päffgen (links) und Gisela Mahnkopf (rechts) überreichten dem ehemaligen Kreisheimatpfleger Peter Hartmann (Mitte) die Rainer-Christlein-Medaille.
  • Melanie Springer-Restle
    VonMelanie Springer-Restle
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Mindelheim - Das Sprichwort „Scherben bringen Glück“ bewahrheitete sich letzte Woche für den ehemaligen Kreisheimatpfleger Peter Hartmann im Rahmen der Bayerischen Archäologie-Tagung, die nach 15 Jahren wieder einmal in Mindelheim stattfand. Für seinen Entdeckergeist, der auch historisch bedeutsame Scherben ans Tageslicht brachte, erhielt Peter Hartmann die Rainer-Christlein-Medaille.

Die Medaille erinnert an Rainer Christlein (1940–1983), den Gründer der Gesellschaft für Archäologie in Bayern und Leiter der Abteilung Bodendenkmalpflege im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Die Gesellschaft für Archäologie vergibt die Medaille seit 2009 als würdigende Auszeichnung für besondere „organisatorische, mäzenatische, öffentlichkeitswirksame, publizistische und wissenschaftliche Leistungen von Persönlichkeiten“ in der Bayerischen Landesarchäologie.

Im Rahmen der Bayerischen Archäologie-Tagung, die am vergangenen Wochenende in Mindelheim stattfand (siehe oben), wurde Peter Hartmann für seine Verdienste ausgezeichnet.

Professor Dr. Bernd Päffgen präsentierte den Besuchern ein langes Porträt über den ehemaligen Kreisheimatpfleger. Besonders hervorgehoben wurde die große Grabung in Kirchhaslach, die Hartmann federführend begleitete und den Landkreis um bedeutsame mittelalterliche Funde bereicherte.

Doch Hartmanns größte Errungenschaft war das Auffinden und Erschließen von zwei Standorten der bisher unbekannten Glashütten im Hochfirst bei Erisried. Hierzu hat das Landratsamt seinerzeit eine eigene Broschüre herausgegeben, die auch online als pdf erhältlich ist unter www.landratsamt-unterallgaeu.de/fileadmin/eigene_dateien/LRA/Aktuelles/Ausstellungen/Broschuere_Glas.pdf

Alles fing mit einem Spaziergang an, den Hartmann 2014 auf einem Höhenzug bei Saulengrain mit seiner Frau unternahm. „Ich sah einen mir bislang noch unbekannten Acker östlich von Erisried. Diesen suchte ich zusammen mit meiner Frau sofort auf und wir staunten: Aus dem durchnässten Acker strahlten uns kleine und größere Glasfragmente in verschiedenen Farben an“, beschreibt Hartmann in der Broschüre.

Am Anfang ist immer die Neugierde

Hartmann durchsuchte alles an Veröffentlichungen über Erisried, sprach mit Einheimischen und Experten und lenkte das Interesse der Forscher auf den Standort Erisried. Diese stellten fest: In Erisried wurde nicht nur im 18. Jahrhundert, sondern bereits im 16. und 17. Jahrhundert Glas hergestellt. Die Forscher stellten ferner das erste Tellerglas in Bayern fest und gewannen die Erkenntnis, dass im 18. Jahrhundert in Erisried vorwiegend Flaschen produziert wurden.

Auch Landrat Weirather lobte Hartmanns zahlreiche Einsätze. Er half bei der Beantwortung der Frage, wie es einst rund um das Örtchen Erisried aussah und wie die Menschen dort gelebt haben. Die Geschichte sei ein wichtiger Teil der Unterallgäuer. Deshalb sei Heimatpflege identitätsstiftend, so Weirather damals.

Für seinen Entdeckergeist und seine historischen Errungenschaften erhielt Hartmann von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. die gläserne Rainer-Christlein-Medaille – am Stück und nicht als Scherbenhaufen.

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