Der Wochen KURIER zu Gast bei Falkner Jürgen Lutzenberger

Wie eine Wanderfalken-Dame in Egelhofen die Schulbank drückt

Falkendame Jürgen Lutzenberger Egelhofen
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Die Falkendame fühlt sich auf der Faust von Jürgen Lutzenberger sichtlich wohl.
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Die Falkendame fühlt sich auf der Faust von Jürgen Lutzenberger sichtlich wohl.
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Die Falkendame fühlt sich auf der Faust von Jürgen Lutzenberger sichtlich wohl.
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Im Vordergrund der Falke auf einem Übungsflug, im Hintergrund ein Krähenschwarm
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Jürgen Lutzenberger schwingt die Beute-Attrappe und lockt durch einen Pfiff.
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Die Schülerin fliegt schon gekonnt auf die Beute-Attrappe zu
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Als Belohnung für den gezielten Flug auf die Beute-Attrappe gibt es einen Leckerbissen.
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Die Falkendame fühlt sich auf der Faust von Jürgen Lutzenberger sichtlich wohl.

Egelhofen – Jürgen Lutzenberger (46) aus Egelhofen ist Falkner aus Leidenschaft und bildet regelmäßig junge Greifvögel für die Beizjagd aus. Der Wochen KURIER hat ihn zu Hause besucht und ihm bei den Übungen mit seiner jüngsten Schülerin über die Schulter geschaut. Die junge Wanderfalken-Dame hat noch keinen Namen. Dieser wird traditionell erst vergeben, sobald die gefiederte Jägerin ihre erste Krähe gefangen hat. 

sich allerdings erst ein Dreivierteljahr später, nach der Mauser. Danach bekommen Falken ihr erstes „Alterskleid“, wie es in korrekter Falkner-Sprache heißt. Die Federn sind dann kräftiger und die charakteristische Farbgebung des Gefieders wird sichtbar. Lutzenberger hat seinen neuen Zögling von einem befreundeten Falkner aus der Steiermark bekommen, der selbst Falken züchtet. Auf die Frage, was für ihn den Reiz an der Beizjagd ausmache, muss der Egelhofener lachen. „Ich bin damit aufgewachsen und kann mir ein Leben ohne Greifvögel nicht vorstellen. Die Zusammenarbeit mit dem Tier ist einfach faszinierend“, schwärmt Jürgen Lutzenberger.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

Der Weg zum fertig ausgebildeten Falken ist ein langer. In den ersten 55 Tagen hat der Greifvogel in der Regel keinen Menschenkontakt. Die Aufzucht erfolgt zunächst ausschließlich durch die Elterntiere. Falken sind in dieser Beziehung äußerst progressiv und die Weibchen haben – anders als bei manchen Menschen – keinerlei Grund zur Beanstandung in Sachen Emanzipation. Denn der frisch gebackene Papa kümmert sich mindestens genauso hingebungsvoll um die Brut wie die Mutter.

Ist der Jungvogel ausgewachsen, wird er erstmals aus der elterlichen Voliere geholt. Damit das Tier nicht in Panik gerät, setzt man ihm eine Falkenhaube auf. Die Scheuklappen schützen den Vogel vor einer etwaigen Reiz­überflutung. Dann befestigt der Falkner einen Lederriemen am Bein, sodass er den Falken dort festhalten kann. In seinem neuen Zuhause wird er meistens zunächst auf einen Pflock gesetzt und mithilfe des Lederriemens befestigt. Bei Dämmerung wird die Haube entfernt und der Falke kann sich langsam an seine neue Umgebung gewöhnen.

Anfangs frisst der Neuankömmling in der Regel noch zaghaft. Doch je länger er in seinem neuen Zuhause ist, desto größer wird der Appetit. Viele Falkner reichen ein Stück Taube oder Wachtel als erste Mahlzeit. Dann beginnt der Falkner mit dem Abtragen. Das Wort ist unbedingt wörtlich zu nehmen, denn anders als beim Hund wird der Falke nicht abgerichtet, sondern auf der Faust umhergetragen, während ihm gleichzeitig immer wieder Futter angeboten wird. Dies stärkt die Verbindung zum Menschen und der Falke lernt mit Methoden der klassischen Konditionierung, dass sein Halter die Quelle zum Sattwerden ist. Allein dies sei die Motivation, beim Menschen zu bleiben, erklärt Lutzenberger. So manchem Ehemann tradierter Beziehungsmodelle mag das vielleicht bekannt vorkommen.

Auf zum ersten Freiflug

Sobald der Falke richtig aus der Faust frisst, wird das Futter ausschließlich über die Beute-Attrappe gereicht. Diese besteht aus einem Federspiel, also einer Halterung mit einer langen Schnur, an deren Ende sich das Gefieder eines jagbaren Vogels befindet. Diese schwingt der Falkner frei in der Luft und simuliert einen fliegenden Flattermann. Den Abstand kann der Lehrmeister kontinuierlich vergrößern. Die Voraussetzung für den ersten, richtigen Freiflug ist, dass der Falke aus weiter Entfernung sicher auf die schwingende Beute-Attrappe fliegt. Dann schon folgen die ersten Jagdversuche. Jürgen Lutzenberger lässt ausschließlich auf Krähen jagen. „Man muss dem Vogel gute Chancen bieten“, erklärt er und deutet in einen Krähenschwarm, der es sich in einer Baumkrone gemütlich gemacht hat. „Irgendwann springt der Falke darauf an und kriegt den Dreh raus.“ Der Falke müsse mit der Zeit lernen, wie und aus welchem Winkel er seine Beute anjagt.

Falken sind Bisstöter und töten mit einem intuitiven Biss ins Genick. Die Natur hat es glücklicherweise so eingerichtet, dass die Opfer nicht lange leiden müssen. Nach dem erfolgreichen Erlegen wird die Beute gerupft und verzehrt.

Antiquierte Tradition oder doch noch zeitgemäß?

Gegen Behauptungen, die Beizjagd sei eine antiquierte Tradition, weiß Lutzenberger die Falknerei vehement zu verteidigen. Er sei oft im Einsatz zur Vergrämung von Krähen, die insbesondere in der Landwirtschaft oft große Schäden anrichten. Sie hacken Fahrsilos auf, picken Löcher in die Folien von abgepackten Ballen, die auf dem Feld zwischengelagert werden, oder klauen Saat aus den Feldern. Nicht selten wird Lutzenberger von verantwortlichen Jägern um Hilfe gebeten und ist mit seinen Falken zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Doch auch ein Falkner muss sich – wie herkömmliche Jäger auch – an Jagd-und Schonzeiten halten. Krähen jagen darf man nach dem Bayerischen Jagdgesetz zwischen 16. Juli und 15. März.

Melanie Springer-Restle

Rubriklistenbild: © Springer-Restle

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