Ninjas, Aliens und ein Velociraptor im Filmhaus Huber

Streifzug durchs 23. Cine-Maniacs Filmfestival

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Wer Spannung und Vielfalt beim Türkheimer Filmfestival geboten haben wollte, musste auch reichlich Ausdauer beweisen. Bis um halb 4 Uhr morgens kamen die Zuschauer hier auf ihre Kosten.

Türkheim – Wo kann man acht Stunden am Stück im Kino sitzen und sich – gestärkt mit Popcorn, Kaffee und Energy-Drinks – das Beste und Schrägste ansehen, was die Filmszene zu bieten hat? In Türkheim und zwar beim Cine-Maniacs Filmfestival.

Schon zum 23. Mal hatte Kai Erfurt zum Filmfest der besonderen Art geladen. 24 Kurz- und drei Hauptfilme deckten die ganze Bandbreite der Filmkunst ab. In letzter Zeit scheinen die Filmemacher jedoch leichte Beziehungsprobleme zu haben, sei es in „Bitter Kisses“, „#selfie“, „Ohne Dich“ oder „Netflix and Chill“: Es wird geschlagen, gemordet und eine Jungfrau dem beliebten Streamingdienst geopfert. Und in „Der Horror in meinem Leben“ mischt sich sogar der Sensenmann in eine kaputte Partnerschaft ein.

„Guantanamo Baby“ zeigt derweil, wie schlimm das Leben sein kann, wenn der eigene Gefängniswärter auch noch „Mama“ heißt. Um einen etwas anderen Beziehungskonflikt geht es beim nur 24 Sekunden langen „OMNIBUSSSSSS“. Den hat Kuesti Fraun nämlich dem Busfahrer gewidmet, der ihn vor vielen Jahren einfach hat stehen lassen.

Was passiert, wenn man das „Trolley-Problem“ (Darf man Menschenleben opfern, um andere zu retten?) und das erste Asimovsche Gesetz („Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.“) kombiniert, zeigt „Zoe“. Der Kurzfilm von Leif Brönnle basiert auf einer ähnlichen Idee wie die Türkheimer Produktion „BETA“, setzt diese aber aus einem vollkommen anderen – ebenso spannenden – Blickwinkel um. Apropos „BETA“: Annika Kähler, die letztes Jahr die Hauptrolle in dem actionreichen Kurzfilm gespielt hat, stand dieses Jahr Kai Erfurt bei der Moderation zur Seite.

Für Cine-Maniacs reisen die Filmfans zum Teil von sehr weit her an. Den längsten Weg hatten aber Christina und Matthew „MT“ Maloney aus Atlanta. Die beiden sympathischen Amerikaner hatten den Kurzfilm „Gryphon Animo“ im Gepäck, in dem sich klassischerweise der jüngste von drei Prinzen auf eine gefährliche Mission begibt. Nicht ganz so klassisch: Statt auf List und Schläue verlässt er sich lieber auf seine Maschinenpistole und ballert sich fröhlich durch eine knallbunte Welt, deren Animationsstil bewusst an alte Arcade-Games angelehnt ist.

Zur großen Freude der Kinogäste war diesmal auch wieder Thomas Zeug mit seinen „2 ­Aliens“ mit von der Partie. Nach einer Pause im vergangenen Jahr hatten die beiden Kult-Außerirdischen Quiqueck und Hämat wieder neue Abenteuer im All zu bestehen.

Auch der Filmnachwuchs war mit „Mind Projects“ wieder top vertreten: Die Macher von „Desperandum“ widmeten sich in „341“ gekonnt und mit viel Feingefühl einem sehr ernsten Thema. Und sogar das Stammpublikum aus der ersten Reihe hatte mit „Nights Out“ seinen eigenen, dreiminütigen Horrorfilm beigesteuert.

Dieses Jahr gab es wieder drei grundverschiedene, aber durch die Bank extrem unterhaltsame Hauptfilme zu sehen: In „Mission: Indestructible“ trifft Actionkino auf Betonsanierung, während in „Dave Made a Maze“ – bei dem Kai Erfurt selbst die deutschen Untertitel beigesteuert hat – ein Labyrinth aus Pappkarton ein beunruhigendes Eigenleben entwickelt. Den Abschluss bildete mit „Commando Ninja“ ein französischer Actionfilm im Stil der 80er Jahre. Explosionen, Ninjas, wunderbar schlechte Spezialeffekte und ein Velociraptor – was wünscht sich der Trash-Fan mehr?

Bis morgens um halb vier haben die Fans des sonderbaren Films durchgehalten – und treffen sich spätestens im nächsten Jahr wieder. Wer nicht ganz so lange warten möchte, der kann sich schon mal den 26. April vormerken: Dann feiert nämlich die Horror-Anthologie „Stories of the Dead“ – bei Cine-Maniacs vertreten mit der Poe-Adaption „Der Rabe“ – im Filmhaus Huber Premiere.

Anna Müller

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