Kurz mal wieder Kundenkontakt

Freude über „Click&Meet“ bei Bad Wörishofer Einzelhändlern währt nur kurz

Schuhe Scharpf Einzelhandel Click & Meet
+
Auch Waltraud und Jochen Scharpf freuten sich vergangene Woche wieder über Kunden.

Bad Wörishofen – Die größte Sorge der Einzelhändler im Unterallgäu – die steigende Inzidenz, die „Corona-Notbremse“ und damit die erneute Schließung – hat sich bewahrheitet, das ist seit gestrigem Montag traurige Gewissheit. Nur noch bis heutigen Dienstag dürfen auch in Bad Wörishofen zahlreiche Einzelhändler Kunden einlassen. Wie das „Click&Meet“ angenommen wurde, dazu hat sich der Wochen KURIER in der Kneippstadt umgehört.

„Machen wir jetzt gerade Click und Collect, oder Click und Meet oder Call und Collect?“, fragt ­Bärbel Nägele, Mitinhaberin von Spielzeugwaren Schnegg in der Kneippstadt nach hinten ins Ladeninnere. Sie muss sich gerade selber mal beim Nachwuchs rückversichern, wie die aktuelle Verkaufsmöglichkeit offiziell heißt. Wobei das eigentlich gar nicht wichtig ist; denn „wir sind zufrieden, es ist in Ordnung“, beurteilte die Spielwarenfachfrau ihre Verkaufssituation Ende letzter Woche.

Drei Personen beraten und verkauften in der Startwoche bei Schnegg; zehn Kunden durften die etwa 400 Quadratmeter Verkaufsfläche gleichzeitig betreten. Und das „gemischte Publikum“ machte nach vorheriger telefonischer Terminierung oder an der Ladentüre davon regen Gebrauch.

Nach knapp einer Woche inzidenzorientierter Ladenöffnungsmöglichkeiten konnte es sich zwar nur um ein erstes Stimmungsbild handeln, aber klar war: Die Menschen hatten wieder Lust auf den Einkauf im Kneippstädter Einzelhandel, selbst unter hygienekonformen Bedingungen mit Termin, Abstand, Maske und Desinfektion. Hauptsache, man trifft auf Fachkräfte, die beraten und für den Kunden präsent sind.

Keine Spontankäufe

Im Traditions-Schuhhaus Scharpf spürte Firmenchefin Waltraud Scharpf schon selbst nach den wenigen Öffnungstagen „den Wunsch der Kunden, ins Geschäft zu kommen“ und die Kundschaft freute sich auf die „Eins zu Eins-Beratung“ durch jeweils zwei Schuhverkaufskräfte, die maximal zwei Personen gleichzeitig in zwei verschiedenen Ecken des Ladens bedienten. Penibel wurde auch bei Scharpf darauf geachtet, „dass nicht gleich zu viele Kunden ins Geschäft kommen“. Damit ist aber auch das derzeitige Grund-Dilemma von „Click&Meet“ benannt: Spontaneinkäufe, Fehlanzeige. Zumal ja noch immer weder Cafés noch Restaurants geöffnet haben, die sonst zum Bummeln oder Verweilen in der Innenstadt einladen.

Vor Ort bei Sheila-Moden traf der Wochen KURIER die langjährige – aber auch eine von den stets wechselnden Vorgaben genervte – Inhaberin Bea Schmid an, bei Mode & Schuhe Berger war Gabi Wagner präsent und eine gut beschäftigte Jasna Muzjak stand wieder in ihrer Boutique. Sie hielten ihre Läden – fast wie vormals üblich – geöffnet, was nicht auf alle Modegeschäfte zutrifft; es fehlt das Flanierpublikum, die Laufkunden. Zufrieden war man letzte Woche mit der Stammkundschaft, die aber eher – offensichtlich auffallend – von außerhalb kam, was Gabi Wagner zu der Vermutung veranlasst: „Als wüssten Auswärtige besser Bescheid, wie das System funktioniert.“

Mario Deiana, Verkäufer bei Elektro-Springer im Innenstadt-Laden, konnte „Spontan-Kundschaft“, selbst wenn es die Inzidenz erlaubt, nur ins Geschäft lassen, wenn gerade aktuell kein „Terminkunde“ da war. Als daraufhin das Telefon klingelte und Deiana um Verständnis bat, dass er sich sofort um den Anruf kümmert, war zu sehen: Auch bei Springer freute man sich wieder über jeden Interessenten und Kundentreue.

Trotz aller Kompliziertheiten: Wörishofens Einzelhändlern merkte man das Bemühen um die Kundschaft im „offenen“ Umgang deutlich an. Ob „Click“ oder „Call“: das Wichtigste scheint das „Meet“ zu sein und Menschen zu treffen. Bleibt zu hoffen, dass das bald wieder möglich ist und der Landkreis die jüngste Regelverschärfung bald überwunden hat.

Regine Glöckner

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Wochen KURIER-Redaktion heißt Julia Böcken willkommen
MINDELHEIM
Wochen KURIER-Redaktion heißt Julia Böcken willkommen
Wochen KURIER-Redaktion heißt Julia Böcken willkommen

Kommentare