Ambitioniertes Kreistags-Küken

"Frischer Wind in der Lokalpolitik": Amelie Deniffel (21) aus Bad Grönenbach

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Amelie Deniffel ist mit 21 Jahren die jüngste Mandatsträgerin im neuen Unterallgäuer Kreistag.

Unterallgäu – Die Kommunalwahl hat gezeigt, dass auch viele junge Menschen Interesse am politischen Geschehen im Landkreis haben und aktiv daran mitwirken wollen. Einige haben erstmals die Erfahrung von einer Listennominierung gemacht, andere sogar erstmals ein Mandat in einem Stadt- bzw. Gemeinderat oder im Kreistag ergattert. Einige von ihnen möchte der Wochen KURIER in einer Serie vorstellen. Diese Woche an der Reihe: Amelie Deniffel (21) aus Bad Grönenbach.

Als einziger der vier Landratskandidaten stand Daniel Pflügl nicht an der Spitze seiner Fraktionsliste für den Kreistag, er war „nur“ die Nummer zwei. Auf der Spitzenposition schickten die Grünen die erst 21-jährige ­Amelie Deniffel ins Rennen um ihr erstes Mandat, das ihr schließlich über 14.000 Unterallgäuer Wähler erfolgreich zusprachen. „Die wenigsten hätten wohl den Mut gehabt, eine junge Frau vorne hinzustellen“, sagt Deniffel über ihre Listenplatzierung. Überhaupt sind die Grünen mit ihrem Frauenanteil im Kreistag die große Ausnahme: Jeden zweiten der insgesamt acht Sitze belegt das weibliche Geschlecht. „Die Gruppe ist wirklich super. Wir haben ganz unterschiedliche Stärken und Wissensbereiche, sodass etwas Gutes dabei raus kommen kann“, freut sich die Newcomerin. „Wir waren sehr optimistisch, ein oder zwei Sitze dazu zu bekommen, nun sind es sogar drei geworden.“

Ausgeschieden ist mit Doris Kienle derweil eine der langjährigen Fraktions-Säulen, die bei der konstituierenden Sitzung übrigens zu den wenigen Besuchern im Mindelheimer Forum zählte. Auch von Kienles Erfahrungen werde die Fraktion aber noch weiterhin zehren, sagt Amelie Deniffel.

"Unerfahrenheit will ich mir nicht vorwerfen lassen"

Wie die Studentin ihren eigenen Start im Kreistag erlebte? „Mein erster Eindruck war auf jeden Fall gut. Ich glaube, das wird wirklich interessant die nächsten Jahre.“ Dabei hält es die Bad Grönenbacherin derzeit noch für ihre große Aufgabe, sich in die Themen einzuarbeiten. Weil sie aus dem westlichen Teil des Landkreises stammt, seien ihr vor allem Hintergründe zu speziellen Themen aus Mindelheim oder Bad Wörishofen teils noch fremd. „Und Unerfahrenheit will ich mir nicht vorwerfen lassen“, meint die ehrgeizige Frau.

Dass sie trotz ihres jungen Alters schon politisch aktiv werden wollte, hängt mit dem Aufschwung der AfD zusammen. Spätestens, als sie zusammen mit ihrer Mutter ein Fernsehinterview von Björn Höcke sah, sei in ihr der Wunsch gereift, auch selbst „klare Kante zu zeigen, was geht und was nicht“. Denn rechtes Gedankengut dürfe nicht „salonfähig“ werden.

Und weil Deniffel schon immer mit den Grünen sympathisiert habe, wollte sie dort den Sprung in die Politik wagen – unter anderem deshalb, weil die Partei nicht erst seit der Klimakrise auf den Umweltschutz gesetzt hätte. Konkret stellt Deniffel die heutige „Wegwerfgesellschaft“ in Frage und wünscht sich mehr Nachhaltigkeit. „Wir müssen uns fragen, wie wir Dinge wieder in den Umlauf bringen können“, fordert die 21-Jährige.

Berge vor der Haustür

Sie selbst will mit gutem Beispiel vorangehen und plant derzeit mit ihrer „grünen Jugend Unterallgäu“, zu deren Gründungsmitgliedern Deniffel im Oktober letzten Jahres zählte, einen Tauschbasar. Außerhalb der Politik steht für sie derweil der Sport weit oben auf der Agenda: Neben Tennis und Turnen geht sie im Winter gerne Skitouren und im Sommer Wandern. Dank ihres Studiums der Politikwissenschaften in Innsbruck hat die 21-Jährige die Berge übrigens unmittelbar vor der Haustür.

Dass die Distanz zur Heimat im Hinblick auf die Kreistagssitzungen aber zum Problem werden könnten, denkt Deniffel nicht. Die Dokumente zur Vorbereitung bekomme sie per Mail zugeschickt und die Besprechungen in der Fraktion würden ohnehin schon teils online stattfinden. Die Wochenend-Besuche in Bad Grönenbach dürften in Zukunft aber dennoch zunehmen, denn neben dem Kreistag, der immer am Montag zusammenkommt, vertritt Deniffel die Grünen auch im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport sowie in mehreren Sitzungen für die Schul-Zweckverbände.

Marco Tobisch

Mehr aus unserer Serie "Frischer Wind in der Lokalpolitik":

"Frischer Wind in der Lokalpolitik": Jakob Rasch (22) aus Türkheim

"Frischer Wind in der Lokalpolitik": Maria Preißinger (21) aus Oberegg

"Frischer Wind in der Lokalpolitik": Franziskus Benedikt Steber (35) aus Mindelheim

"Frischer Wind in der Lokalpolitik": Patrick Maul (29) aus Bad Wörishofen

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