Wird Anklage erhoben?

Gegen den ehemaligen Vorstand des Tierheims Beckstetten wird ermittelt

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Neun Husky-Welpen stehen demnächst zur Vermittlung an. Wenn die fröhliche Rasselbande über den Flur tobt, geht den Tierfreunden das Herz auf. Unser Foto zeigt die Vorstandsmitglieder Dieter Brückel (v. li.), Lisa Hölzel und Frank Dämgen mit den Husky-Welpen.

Beckstetten – Im Tierheim Beckstetten herrscht Aufbruchstimmung. Einige Wochen nach der Abwahl des umstrittenen Vorsitzenden Stefan Mitscherling gab der neue Vorstand des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung e.V. der Presse einen ersten Überblick über die vorgefundene Situation.

„Wir blicken nach vorne“, betonte der neue Vorsitzende Frank Dämgen. Doch die Schatten der Vergangenheit holen den neuen Vorstand immer wieder ein. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Kempten gegen den alten Vorstand wegen Untreue. Das bestätigte Oberstaatsanwältin Susanne Fritzsche unserer Zeitung auf Anfrage. Die Anzeige liege demnach seit Mitte Oktober vor. Über den Stand der Ermittlungen konnte und wollte die Oberstaatsanwältin derzeit aber noch keine Angaben machen und damit auch nicht, ob Anklage erhoben wird.

Langsam sickern die ersten Nachrichten über das Geschäftsgebaren des abgewählten Vorsitzenden, Stefan Mitscherling, durch. Der ehemalige Leiter des Tierheimes Beckstetten war schon länger nicht nur wegen seiner umstrittenen Mitarbeiterführung in die Kritik geraten. Das hatte sogar dazu geführt, dass einige Kommunen die Zahlungen der Fundtierpauschalen eingestellt hatten und das Tierheim kurz vor der Schließung durch das Veterinäramt als Aufsichtsbehörde stand (der Wochen KURIER berichtete).

Aufzuarbeiten gibt es für den neuen Vorstand einiges. Die letzte ordentliche Mitgliederversammlung war Ende 2016. Für die Jahre 2016, 2017 und 2018 gibt es für den alten Vorstand keine Entlastung, so Dämgen. Der neue Vorsitzende des Tierschutzvereins und sein Vorstand sitzen derzeit immer noch über den Büchern, um eine juristisch einwandfreie Übergabe zu gewährleisten. „Das gestaltet sich aber schwieriger als gedacht“, betonte Dämgen. Noch würden Unterlagen fehlen, die Mitscherling nicht geliefert habe. Der streitet auf Nachfrage unserer Zeitung das jedoch ab und schiebt die Schuld dem neuen Vorstand zu: „Nachdem beim ersten Übergabetermin offensichtlich nicht alle Sachverhalte verstanden und daher der Protokollentwurf mit falschen Inhalten vorgelegt wurde, ist es ohnehin ratsam, die Übergabe auf weitere Termine zu verteilen“.

Die wesentlichen Dokumente für die aktuelle Vorstandsaufgabe, insbesondere die laufenden Vorgänge, lägen laut Mitscherling längst vor. Die Bewältigung der wesentlichen Aufgaben zum Wohle der Tiere würden also nicht behindert oder verzögert. „Es ist bezeichnend, dass es schon wieder Vorwürfe und Unterstellungen gibt, ohne Sachverhalte vorher sorgfältig zu prüfen und zu hinterfragen“, so der Ex-Vorstand.

Weder bestätigen noch dementieren wollte Mitscherling den Vorwurf, 34.000 Euro an ein Detektivbüro zur Mitarbeiter­überwachung bezahlt zu haben. „Interna müssen nicht öffentlich diskutiert werden“, schrieb er hierzu unserer Zeitung. Den Vorwurf, eine Zahlung in sechsstelliger Höhe für die Erstellung einer Mängelliste getätigt zu haben, nannte Mitscherling „absurd“: „Es entspricht nicht den Tatsachen!“

Dass die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, sei ihm bislang nicht bekannt. „Ich und meine ehemaligen Kolleginnen sehen der Angelegenheit gelassen entgegen“, betonte Mitscherling. Sollte man diesbezüglich auf ihn zukommen, werde er in der Lage sein, den Verdacht zu entkräften.

Deutlich mehr Kontrolle

Für den neuen Vorstand, der die Ungereimtheiten an die Staatsanwaltschaft übergeben hatte, hat das Konsequenzen. „Wir haben uns Gedanken gemacht, was wir ändern müssen, um Transparenz zu schaffen“. Deshalb will man der nächsten Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung vorschlagen, der eine viel intensivere Kontrolle der Vorstandsbeschlüsse sicherstellen soll. Außerdem sollen quartalsmäßige Summen- und Saldenlisten sowie die jährliche Einnahmen-Überschussrechnung den Kommunen automatisch zugesandt werden. Von den Kommunen, die Fundtierpauschalen bezahlt haben, war immer wieder kritisiert worden, dass keine Informationen geliefert worden waren. Neu ist auch, dass Mitglieder des Tierschutzvereins diese Unterlagen einsehen können.

Die Verlängerung der Betriebserlaubnis für das Tierheim, die Ende November ausläuft, ist nach Aussage von Frank Dämgen beantragt. Man stehe mit der Behörde im engen Kontakt und habe alle Auflagen der Behörde erfüllt. Das treffe vor allem auf den Nachweis des Fachpersonals nach § 11 des Tierschutzgesetzes zu. Auch die geforderten Umbauten im Bereich der Hundezwinger habe man in Eigenleistung gemacht. Frank Dämgen und sein Team hoffen auf eine gute sachliche Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt. Damit steht er im Gegensatz zu seinem Vorgänger. Stefan Mitscherling hatte kurz vor seiner Abwahl Ende August die Behörde verbal attackiert und ihr jede Kompetenz abgesprochen: „Die schikanieren uns“.

Wieder bessere Stimmung

Derzeit betreuen sechs Mitarbeiter, davon vier Vollzeitkräfte, die rund 60 Katzen, fünf Hunde und neun Welpen. Dass das Betriebsklima sich erheblich verbessert hat, erkenne man daran, dass auf den Gängen wieder gesungen wird, sagte Dämgen. Zu der guten Stimmung tragen sicherlich auch die Husky-Welpen bei, die demnächst zur Vermittlung anstehen. Wenn diese fröhliche „Rasselbande“ über den Flur tobt, freuen sich nicht nur die Mitarbeiter. Davon konnten sich die Pressevertreter überzeugen.

Die Besucherzahlen würden wieder steigen und auch die Homepage sei online, betonte Dämgen. Zusammen mit dem neuen Vorstand will Dämgen das Tierheim zu einem Ort machen, „wo man gerne hingeht“. Dazu gehöre auch, das äußere Erscheinungsbild des Hauses zu verbessern. Man hoffe auf viele helfende Hände.

Siegfried Spörer

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