"Muss ein Stück Dorfgeschichte weichen?"

Geplanter Umbau des Irsinger Feuerwehrgerätehauses sorgt für reichlich Diskussionsstoff

+
Für die beiden vorgestellten Umbauvarianten fanden sich sowohl Befürworter als auch Gegner. Vielleicht bringt eine bei der Informationsveranstaltung vorgeschlagene dritte Variante die Lösung.

Irsingen – Es ist zu klein, es ist zu kalt und es entspricht nicht mehr den heutigen Vorschriften: das Feuerwehrgerätehaus der Irsinger Feuerwehr. Um die gesetz- lichen Vorgaben umzusetzen, müsste in einer der aufgezeigten Varianten ein Stück Dorfgeschichte weichen: der Grabhügel sowie eine 140-jährige Eiche. Dieses Thema war der Schwerpunkt einer Informationsveranstaltung im Türkheimer Ortsteil Irsingen.

Etwa 50 Bürgerinnen und Bürger, der Vorstand und die Kommandantur der örtlichen Feuerwehr sowie Kirchenvertreter und Bürgermeister Christian Kähler hatten sich in der vergangenen Woche im Gerätehaus der Irsinger Feuerwehr versammelt. Thema des Abends war der geplante Umbau des Gebäudes. In einer ersten Abfrage waren von einem beauftragten Architekten zwei Konzepte entwickelt worden, wie das Feuerwehrhaus sicher und moderner gestaltet werden könnte. Eine der beiden vorgeschlagenen Varianten, die sowohl von Feuerwehr als auch Kreisbrandrat favorisiert wird, sorgte dabei für jede Menge Diskussionsstoff. 

Gebeine aus dem 19. Jahrhundert
Im Zuge der Kirchenerweiterung musste um 1854 ein Teil des alten Friedhofs abgetragen werden. Den Aushub brachten die Arbeiter weit außerhalb des Dorfkerns zu einem Hügel. Rund 150 Jahre später ist Irsingen um diesen Hügel herum gewachsen und das Feuerwehrgerätehaus nun sein unmittelbarer Nachbar. Und bei einer Erweiterungsvariante müsste eben jener Grabhügel samt seiner alten Eiche weichen. Diesen Umstand wollten vor allem die alteingesessenen Irsinger nicht unkommentiert akzeptieren und trugen ihre Bedenken vor. „Schon aus ethischen und moralischen Gründen kann man die Gebeine nicht wieder ausgraben und an eine neue Stelle versetzen“, meinte ein Irsinger Bürger. Auch der alte Baum, erklärte Marktgemeinderätin Gudrun Kissinger-Schneider (Grüne), sei unbedingt erhaltenswert und „kerngesund“. Die Kritik an dem notwendigen Ausbau des Gerätehauses zu einer „Schwerpunktwehr“ wollten die ehrenamtlichen Feuerwehrler jedoch nicht auf sich sitzen lassen. „Wir stehen nachts um drei Uhr auf, wenn uns die Sirene zum Einsatz ruft, um zu retten, bergen, löschen und zu schützen - und das ehrenamtlich“, so ein Kamerad. Die derzeiti- gen Fahrzeuge, ein Löschgruppenfahrzeug und ein Mannschaftstransporter, würden noch keine Schwerpunktwehr ausmachen, sondern seien notwendig, um die immer größer werdenden Anforderungen an die Feuerwehr zu erfüllen. 

Feuerwehr bevorzugt kritisierte Variante
Das erstellte Konzept sieht zwei Varianten vor: Eine, die heftig von den Anwesenden diskutiert wurde, wäre eine Erweiterung um zwei Fahrzeugstellplätze nach Osten. Dabei müsste der Hügel umziehen und die Eiche weichen, jedoch würde dies eine sichere An- und Abfahrt der Einsatzkräfte gemäß der Vorgaben des Kreisbrandrates sowie der Vorschriften gewährleisten. Eine weitere Variante mit einem vorgesehenen Ausbau gen Süden sieht ein An- und Abrücken über eine noch zu bauende Nebenstraße vor. Diese zweite Variante stellt allerdings für Kommandant Georg Resch derzeit keine Alternative dar, da in diesem Fall die anrückenden Einsatzkräfte - immerhin 27 an der Zahl - durch das gleichzeitig ausfahrende Einsatzfahrzeug unverhältnismäßig gefährdet wären. „Die Sicherheit meiner Kameradinnen und Kameraden stelle ich nicht zur Diskussion“, stellt Resch mit Nachdruck klar. Auch Bürgermeister Christian Kähler erklärte, warum ein Ausrücken über den bestehenden Feldweg zwar eine Option, aber aktuell nicht umsetzbar wäre: Der Feldweg müsste vorher zu einer Straße mit einer Traglast von mindestens 16 Tonnen ausgebaut werden. Dass die Diskussionen durchaus konstruktiv waren, zeigten die weiteren Vorschläge aus der Bürgerschaft. Diese brachten eine dritte Möglichkeit ins Spiel: Ein Ausbau nach Westen, der jetzt auch geprüft werden soll. Bisher sei noch keine Entscheidung für ein Konzept gefallen, so Kähler. Hier müssten noch weitere Planungen erfolgen.

Was sagt die Kirche?
Pfarrer Martin Skalitzky konnte aus kirchlicher Sicht die ethischen Bedenken am „Umzug“ der Gebeine und des Grabhügels entkräften. „Es gibt heutzutage sicher andere Dinge, welche mehr ethische Diskussionen erfordern“, beschrieb er die Situa- tion, wenngleich er die Bedenken der Irsinger verstand und auch lobte.

Wie geht es jetzt weiter?
Bürgermeister Christian Kähler versprach den Bürgerinnen und Bürgern nach der Prüfung der neuen Ideen und Vorschläge noch weitere Informationsveranstaltungen abzuhalten. Es werde auch keine Entscheidung ohne die Berücksichtigung aller Belange geben.

von Jeremy Rizer

Auch interessant

Meistgelesen

Vermisste Katzen in Mindelheim und Umgebung
Vermisste Katzen in Mindelheim und Umgebung
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
28-jähriger Mann aus Buchloe vermisst
28-jähriger Mann aus Buchloe vermisst
Auf A96 mehrmals überschlagen
Auf A96 mehrmals überschlagen

Kommentare