Engpass bei Schutzkleidung hat sich lange vor Corona-Pandemie abgezeichnet

Gesundheitsminister Spahn ignorierte Warnung aus Buchloe

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Die Firma Franz Mensch aus Buchloe gehört zu den europaweit führenden Herstellern von Produkten für Hygieneartikel. Geschäftsführer Achim Theiler warnte schon frühzeitig Gesundheitsminister Jens Spahn und zehn Bundesbehörden vor Engpässen bei der Versorgung mit Schutzkleidung und Masken.

Buchloe – Kritik am Corona-Krisenmanagement des Gesundheitsministeriums kommt in diesen Tagen aus Buchloe. Dort ist die Firma Franz Mensch GmbH angesiedelt, eine der großen deutschen Hersteller und Großhändler für Hygieneartikel. Zwei Millionen Mundschutzmasken und 200.000 Atemschutzmasken hat die Firma in den letzten Tagen nach eigenen Angaben ausgeliefert. Hört sich nach viel an, ist es aber nicht. Es ist nach Auskunft der Firmenleitung nur ein Tropfen auf den heißen Stein und decke den Bedarf der Krankenhäuser bei Weitem nicht.

Für die beiden Geschäftsführer Achim und Axel Theiler hat sich der Engpass bei Schutzkleidung und Gesichts- und Atemschutzmasken schon lange abgezeichnet. Was sie ärgert, ist die Tatsache, dass sie gewarnt haben und keiner darauf gehört habe. Per E-Mail haben sie am 5. Februar Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gewarnt, lange bevor das Ausmaß der Corona-Pandemie den heutigen Stand erreicht hat. Zwei E-Mails, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen lassen, liegen dem Kreisbote vor.

Unter anderem weisen die Theiler-Brüder den Gesundheitsminister darauf hin, dass chinesische Firmen dabei gewesen seien, Schutzkleidung im großen Stil in Deutschland aufzukaufen. „Auf Nachfrage teilte uns eine Chinesin mit, dass sie ein Budget von einer Million Euro erhalten hat, um Schutzkleidung zu kaufen, die nach China per Luftfracht geliefert wird“. Das Problem dabei sei, schrieb die Geschäftsleitung der Firma Mensch, dass dadurch innerhalb eines Tages ganze Monatsbestände an Atemschutzmasken und Mundschutz versandt wurden.

Achim (links) und sein Bruder Axel Theiler bei der Einweihung des Firmensitzes mit großem Lager in Buchloe im Oktober 2017.

Dies sei nicht nur bei der Firma Mensch so gewesen, sondern auch bei allen anderen Importeuren, „mit denen wir in Europa gesprochen haben“. Erschwerend sei hinzugekommen, dass 97 Prozent der Produktion in China stattfinde und die Regierung in Peking bereits vor Mitte Januar geregelt habe, dass keine Produkte wie Atemschutzmasken und Schutzkleidung das Land verlassen dürften.

Sehr frühzeitig habe sich die Firma Mensch entschlossen, so schrieb Achim Theiler an Minister Spahn, keine Neukunden mehr zu beliefern, da ein großer Teil dieser Neukunden im Auftrag von Chinesen handelten. Die auf Lager liegenden Atemschutzmasken und andere Schutzartikel reserviere man nur noch für die laufenden Kunden und vorzugsweise Krankenhäuser, Rettungsdienste und alle anderen Stellen, die von einer Coronakrise betroffen werden könnten, stand in der E-Mail.

Achim Theiler appellierte an Gesundheitsminister Spahn, die Problematik des Virus nicht zu unterschätzen. Das war, wie gesagt, vor fast sieben Wochen. Er wies schon damals auf die täglich steigende Kurve von Erkrankungen hin. Ihre Firma habe 1,5 Millionen Mundschutz und 200.000 Atemschutzmasken für Krankenhäuser und Rettungsdienste geblockt. Seine Forderung: „Bitte informieren Sie die entsprechenden Stellen darüber“.

Geschäftsführer Axel Theiler mit Mundschutz.

Am 10. Februar lag noch keine Rückantwort seitens des Ministers vor. Daher mahnte der Geschäftsführer den Minister nochmals an. Die Antwort sei Schweigen gewesen, sagte Pressesprecherin Christine Schricker unserer Zeitung. Daher habe das Unternehmen begonnen, alle Krankenhäuser selbst abzutelefonieren. „Die haben uns händeringend die Ware abgenommen.“

Achim Theiler betonte, er mache sich große Sorgen. Es gebe einfach keine zentrale Stelle, die die Versorgung unserer Krankenhäuser koordiniere. „Die Bevorratung ist angesichts dieser Krise essentiell.“ Umso befremdlicher sei, dass auch keine der insgesamt zehn angeschriebenen Bundesbehörden reagiert habe.

Siegfried Spörer

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