„Ich habe höchsten Respekt vor der Aufgabe“

Gottfried Göppel ist der neue Leiter der Berufsschule Mindelheim

Gottfried Göppel Berufsschule Mindelheim
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Gottfried Göppel ist neuer Leiter der Berufsschule Mindelheim samt Außenstellen. Zuvor war er in Lauingen tätig.
  • Marco Tobisch
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Mindelheim – Die Berufsschule Mindelheim mit der Burkhart-Grob-Technikerschule und ihren Außenstellen in Bad Wörishofen und Memmingen hat einen neuen Schulleiter. Nach Georg Renner hat nun Gottfried Göppel das Heft in der Hand.

Dass er einmal Lehrer wird, war zu Beginn seiner Karriere aber noch nicht klar. Göppel, der in Unterrieden lebt, wurde in der Landwirtschaft groß. Dort packte er schon als Kind mit an und lernte „die Tugend der Arbeit“ kennen, wie er erzählt. Auch heute mit 60 Jahren führt er seine Arbeitsmoral auf diese Zeit zurück. Mit 15 Jahren machte Göppel den Qualifizierenden Hauptschulabschluss und entschloss sich zu einer Maurerausbildung. Ein interessanter Zufall: Seine erste Baustelle führte ihn ausgerechnet nach Memmingen an die Berufsschule III, für die er nun als Rektor mit zuständig ist. Die fünf Jahre, die Göppel auf dem Bau gearbeitet hat, bezeichnet er als die wichtigste Station seines Berufslebens. Dort habe er gelernt, was es heißt, jeden Tag von frühmorgens bis abends zu arbeiten.

Dennoch blieb es nicht dabei: Mit 20 Jahren besuchte Göppel die Berufsaufbauschule und schloss dort die Mittlere Reife ab. An der Berufsoberschule in Kempten folgte das Abitur. Anschließend studierte er fünf Jahre an der Technischen Universität München – und zwar die Fächer Bau- und Holztechnik sowie Sozialkunde. Die Berufserfahrung, die Göppel ins Studium mitbrachte, hätten ihm dieses deutlich erleichtert, erinnert er sich, schließlich konnte er auf sein praktisches Vorwissen aufbauen.

Nach der Referendarzeit in Würzburg und Aschaffenburg zog es Gottfried Göppel wieder in Richtung Allgäu, genauer gesagt nach Kaufbeuren. Dort unterrichtete er drei Jahre lang angehende Maler und Lackierer – für ihn vollkommen fachfremd. Das war „interessant, aber nicht so einfach“, sagt Göppel. Um diese Situation zu meistern, informierte er sich beim zuständigen Praxislehrer, las sich in die Materie ein und verbrachte viel Zeit in der Werkstatt. Ein Vorteil: Als jemand, der sich selbst in den Stoff einarbeiten musste, konnte Göppel die Schüler ganz unten an der Basis abholen und lief nicht Gefahr, über ihre Köpfe hinweg zu unterrichten.

Von Kaufbeuren ging es nach Memmingen an die Johann-Bierwirth-Schule, wo Göppel 14 Jahre lang Maurer und Betonbauer unterrichtet hat. In dieser Zeit war er übrigens auch Teil der Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle (PAL) in Stuttgart und hat bundeseinheitliche Prüfungen für das Betonbauerhandwerk erstellt.

Erstmals an der Spitze

Seine erste Stelle als Schulleiter übernahm Göppel dann 2006 an der Staatlichen Berufsfachschule für Glas und Schmuck in Neugablonz. Neun Jahre lang verbrachte er dort eine „wunderbare Zeit“, wie er selbst sagt.

Als nächste Station folgte 2015 die Berufsschule in Lauingen, wo Göppel unter anderem ein neues Qualitätsmanagementsystem eingeführt hat. Auch die Kooperation mit der Shenzhen No.1 Vocational School in China geht auf sein Konto. Außerdem hat er an der Berufsschule Lauingen die Ausbildungsmöglichkeit zum Kaufmann beziehungsweise zur Kauffrau im E-Commerce etabliert.

Und nun also Mindelheim. Auch wenn Göppel die letzten Jahre täglich vom Unterallgäu nach Lauingen gependelt ist, sei die Nähe zu seinem Wohnort für die Entscheidung, noch einmal die Schule zu wechseln, nicht entscheidend gewesen. Vielmehr hätten ihn schon immer neue Herausforderungen gereizt und eine solche dürfte die Leitung der Berufsschule Mindelheim auf jeden Fall sein. Diese so zu führen, dass ein gutes Miteinander besteht und sich die Außenstellen in Memmingen und Bad Wörishofen mit der Schule identifizieren, sei eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe.

Neuland in Mindelheim

Die Mindelheimer Berufsschule bedeutet für Göppel, wie er selbst sagt, in gewisser Weise auch Neuland. Denn die Berufe, in denen hier ausgebildet wird, hat er bisher noch nicht unterrichtet. Er habe „höchsten Respekt vor der Aufgabe“ und gehe mit einem Schuss Demut aber auch mit Zuversicht und Optimismus an sie heran. Gottfried Göppel ist jedenfalls überzeugt, „dass es ein gutes Miteinander wird“, sei es innerhalb der Schulfamilie, mit der Politik vor Ort oder mit so wichtigen Partner wie IHK und HWK.

Auf fixe Pläne und Projekte für die Berufsschule will Göppel sich übrigens noch nicht festlegen, sondern sich erst einmal ein gründliches Bild von den Gegebenheiten machen. Einige allgemeine Ziele hat der neue Rektor aber schon: An vorderster Stelle steht selbstverständlich guter Unterricht als „Kerngeschäft“. Am liebsten wäre Göppel dabei der normale Präsenzunterricht, aber in Zeiten von Corona müsse man eben auch für soliden Distanzunterricht sorgen. Ebenfalls wichtig ist ihm, dass sich Lehrkräfte wie Schüler wohl fühlen – das sei schließlich die Grundlage für deren Motivation. Und auch die Schulentwicklung „in allen möglichen Formen“ spielt eine grundlegende Rolle, von der technischen Ausstattung bis hin zu den baulichen Gegebenheiten an den Standorten.

Respekt vor dem Handwerk

Ein besonderes Anliegen ist Göppel die Zukunft der handwerklichen Ausbildung. Dabei geht es auch ums Image. Denn so manchem sei nicht mehr ganz bewusst, wie wichtig das Handwerk ist. Er selbst habe „höchsten Respekt“ vor jedem, der sich für eine handwerkliche Ausbildung entscheidet.

Zusätzlich erschwert Corona die Situation: Schon jetzt sei zu beobachten, dass durch die Krise weniger Ausbildungsplätze angeboten werden. Göppel hofft, dass die Politik diese Phase mit „attraktiven Ausbildungshilfen“ überbrückt. Man müsse „darauf achten, dass das duale System am Leben bleibt“, sagt er, schließlich sichere dieses den Wohlstand Deutschlands. Eine Berufsausbildung sei die „perfekte Basis fürs Leben“.

Anna Müller

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