Stellenabbau geplant

GROB: Umsatzrückgang von zehn Prozent - Bald Corona-Impfung im Betrieb?

Grob Mindelheim
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Gut 180.000 Quadratmeter beträgt die Produktionsfläche der Firma GROB rund um ihr Stammwerk in Mindelheim.
  • Marco Tobisch
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Mindelheim – Wie kommt die Firma GROB durch die Corona­krise? Eine Frage, die sich seit letztem Frühjahr auch zahlreiche Unterallgäuer stellen, denn mit mehr als 4.700 Mitarbeitern ist das GROB-Werk in Mindelheim bekanntlich der größte Arbeitgeber im Landkreis. Die Antwort gab gestern die Unternehmensführung in einer Online-Pressekonferenz. Aufsichtsratsvorsitzender Christian Grob: „Wir sind bis heute relativ gut durch die Pandemie gekommen.“ Denn den Umsatzrückgang von rund zehn Prozent führt GROB nicht allein auf Corona und die kriselnde Autoindustrie zurück. Auch der Transformationsprozess hin zur E-Mobilität, die inzwischen 40 Prozent der Gesamtleistung bei GROB ausmacht, sei noch immer in vollem Gange und bindet Kapazitäten.

Christian Grob gab zu Beginn seiner Ausführungen einen Überblick über das abgelaufene Geschäftsjahr: Während der „unsteten“ Corona­zeit, die immer noch eine „Herkulesaufgabe“ sei, habe GROB zahlreiche Projekte und Abläufe auf den Prüfstand gestellt. Herausforderung sei dabei auch die Umsetzung zahlreicher Schutzmaßnahmen gewesen, zu deren Zweck schon frühzeitig ein „Corona-Krisenmanagement-Team“ im Unternehmen formiert wurde. Grob dankte dabei vor allem den insgesamt 6.800 Mitarbeitern der GROB-Gruppe, die sich zum Teil mit Kurzarbeit und Homeoffice arrangiert hatten. Lobende Worte richtete der Aufsichtsratsvorsitzende auch an die Politik: Sie hätte der Wirtschaft durch gute Beschlüsse und gesetzliche Entscheidungen wie etwa die Verlängerung der Kurzarbeit gute Steuerungsmaßnahmen an die Hand gegeben.

Nur noch der Impfstoff fehlt

Auch mit der Corona-Impfung durch einen Betriebsarzt hat sich GROB bereits intensiv auseinandergesetzt – ganz nach dem Vorbild namhafter Autohersteller wie VW und BMW, die Medienberichten zufolge bereits für Impfungen durch Betriebs­ärzte gerüstet sind. Auch die GROB-Geschäftsführung verweist auf ihren Betriebsarzt, mit dessen Hilfe das Impfgeschehen vorangetrieben werden soll. Sobald Impfstoff bereitsteht, „werden wir die Mannschaft impfen“, erklärte Christian Grob. Man werde dabei nach Prioritäten vorgehen und zunächst Mitarbeiter impfen, die viel unterwegs sind – etwa im Ausland oder auf Baustellen. Anschließend seien Vertrieb, Office- und Produktionsbereiche dran.

Neben Corona bleibe aber auch die weltweit rückläufige Wirtschaftsentwicklung und der „Paradigmenwechsel in der Automobilindustrie“ nicht ohne Folgen für das Familienunternehmen, so Christian Grob. „Und wir müssen uns mit diesen Parametern nicht hintereinander, sondern mit allen drei auf einmal beschäftigen.“

Wie die GROB-Gruppe das abgelaufene Corona-Geschäftsjahr abgeschlossen hat, dazu klärten gestern in einer Online-Pressekonferenz Aufsichtsratsvorsitzender Christian Grob (2. v. links) sowie (v. links) Christian Müller, German Wankmiller und Wolfram Weber aus der Geschäftsführung auf.

Vor diesem Hintergrund dürfte auch das Fazit von Finanzgeschäftsführer Wolfram Weber nicht überraschen: 1,1 Milliarden Euro betrug der Umsatz im abgelaufenen GROB-Geschäftsjahr, gut zehn Prozent weniger als noch im Vorjahr. Die Summe verteilt sich etwa zu gleichen Teilen auf die Regionen Amerika, Europa und Asien. Warum der Umsatz zurückging? Das führt Weber nicht nur auf Corona zurück, das im Übrigen auch die Reisen von Monteuren und damit die Vor- und Endabnahmen massiv erschwert habe. Laut Weber führe neben der Pandemie auch der Strukturwandel hin zur E-Mobilität zu Unterauslastungen bei vielen Maschinenbauern – was wiederum einen „Preiskampf“ am Markt auslöse, der „uns das Leben nicht leichter macht“, sagte Weber gestern. Und die Transformation hin zur E-Mobilität geht auch bei GROB und seinen Kunden nicht von heute auf morgen über die Bühne: Obwohl man den Trend – etwa beschleunigt durch die Diesel-Problematik und die Diskussion um die Erderwärmung – schon frühzeitig erkannt habe, wie CEO ­German Wankmiller betonte, erfordere die Transformation hin zur E-Mobilität noch immer einen hohen Entwicklungs-, Lern und Qualifikationsaufwand.

Bis zu 200 Stellen fallen weg

Neben dem wichtigen Lehrgeld in Sachen E-Mobilität habe man in den letzten drei Jahren aber auch rund 150 Millionen Euro in die Produktentwicklung investiert und sich damit für die Zukunft gut aufgestellt, erklärte Wolfram Weber. Er geht auch heuer von „einer schwierigen Ergebnissituation“ aus, wenngleich man zumindest den Umsatz von 2020 auch im laufenden Geschäftsjahr wieder erwarte. Trotzdem, das betont die Geschäftsführung, müsse man nun auf die Kostenbremse treten. Für die Mitarbeiter spürbar wird das auch mit einem Stellenabbau im Verwaltungsbereich: Bis zu 200 Stellen sollen über ein Freiwilligenprogramm gestrichen werden, erklärte Weber auf Nachfrage.

In der Neuausrichtung hin zur E-Mobilität habe man dennoch die richtigen Schwerpunkte gesetzt, ist Christian Grob überzeugt. Das bestätigte auch CEO Wankmiller, der erklärte, man wolle diesen Wandel weiter verfolgen. „Wir werden auch weiterhin eine gute Rolle am Weltmarkt spielen und sind gut aufgestellt.“

Marco Tobisch

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