Grünen-Bundesvorsitzender in Bad Wörishofen

Habeck: "Auch die Bäderlandschaft gehört zum Allgäu"

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Unter den kundigen Augen von Kneipp-Bademeisterin Christine Schmidt genießt Grünen-Chef Robert Habeck (sitzend) ein Kneipp‘sches Armbad. Habeck war auf Einladung des Landtagskandidaten Daniel Pflügl (Mitte) nach Bad Wörishofen gekommen.

Bad Wörishofen – Prominente Rückendeckung im Zuge der Landtagswahl gab‘s für Grünen-Landtagskandidat Daniel Pflügl in Person von Robert Habeck. Der Bundesvorsitzende der Grünen genoss bei seinem Besuch in Pflügls Heimatstadt Bad Wörishofen nicht nur den politischen Austausch, er ließ sich auch durch Kneipp-Bademeisterin Christine Schmidt in der Kurabteilung des Hotels Edelweiss in die Lehre des Wasserdoktors Kneipp einführen.

Wie routiniert und vor allen Dingen strukturiert sich so ein Aufenthalt im Kneipp-Kurort Bad Wörishofen gestaltet, das erfuhr Robert Habeck dabei wohl mehr, als ihm lieb gewesen sein dürfte. Denn, so erzählt der Grünen-Bundesvorsitzende beim kleinen Pressegespräch, habe es plötzlich nachts um vier Uhr laut an seine Hotelzimmertür geklopft. Als der schlaftrunkene Spitzenpolitiker vorsichtig die Türe öffnete, habe sich ihm ein ausgestreckter Arm offenbart. „Eine Frau stand vor meiner Türe und überreichte mir einen mit Heu gefüllten Sack“, schildert Habeck. „Ich wusste überhaupt nicht, was ich damit machen sollte!“ Kurz darauf, so erzählt Habeck weiter, habe sich der Sachverhalt dann aufgeklärt. Die Mitarbeiterin der hauseigenen Kurabteilung hatte sich schlicht in der Zimmernummer geirrt; der duftende Heusack war tatsächlich für jemand anderes bestimmt – Habeck konnte seinen unterbrochenen Schlaf wieder fortsetzen.

Dass es sich bei Robert Habeck um einen routinierten Politiker handelt, der durchwachte Nächte vielleicht aus Fraktionssitzungen kennt, konnte man am morgendlichen Pressetermin feststellen. Denn trotz der nächtlichen Eskapade widmete er sich konzentriert dem Gespräch mit Landtagskandidat Daniel Pflügl, der den Besuch Habecks durchaus zu nutzen wusste. Denn Bedarf an Richtungsentscheidungen, die auch in Berlin gehört werden sollen, gibt es auch in Bad Wörishofen. So weiß Daniel Pflügl nicht nur als Mitglied des Stadtrates, welchem Strukturwandel Bäderstädte wie Wörishofen seit der Gesundheitsreform 1996 unterworfen sind. Sinkende Kurgastzahlen, Leistungen, die von Kassen nicht mehr bezahlt werden, all das verschafft der Stadt immense Probleme. „Da verspricht Ministerpräsident Markus Söder der Region am Riedberger Horn rund 20 Millionen Euro Fördermittel“, sagt Pflügl. Das sei schön und gut, aber Bayern bestünde nicht nur aus der Alpenregion. „Auch unsere Bäderlandschaft gehört dazu“, erklärt Daniel Pflügl. Und die sei bis dato leer ausgegangen, obwohl Gelder da seien. Allein die zu unterhaltende Infrastruktur eines Bades – etwa wie in Wörishofen das kostspieliges Kurhaus samt Kurpark – macht den betroffenen Kommunen das Wirtschaften nicht leicht.

Als schließlich Kurarzt Stephan Schleich, der eine Praxis am Hotel betreibt, einen Einblick in den sich durch die Reform veränderten Strukturwandel Wörishofens gibt, hört Robert Habeck nachdenklich zu. Auf die Frage

Schleichs, wie es denn sein könne, dass gerade präventive Gesundheitsmaßnahmen dem Rotstift zum Opfer fielen, obwohl „Prävention die günstigere Form der Gesundheitsfrage“ darstelle, antwortete der Bundesvorsitzende prompt, er erkenne darin einen „ganz starken Impuls“, den er mit nach Berlin in den Bundestag nehmen wolle.

Beim anschließenden Pressefrühstück zeigte sich Habeck dann wieder vergnügt, als es um einen möglichen Paradigmenwechsel in der bayerischen Politlandschaft ging, sollte die CSU nach der Landtagswahl die absolute Mehrheit verloren haben. Dass die Grünen sich derzeit in einer Art Höhenflug befinden, sei wunderbar, sagt Habeck. Allerdings gelte es gut damit zu haushalten, gerade nach einer möglichen Regierungsbeteiligung. „Fehler verzeihen uns die bayerischen Wähler wohl nur einmal“, gab er zu bedenken. So befinden sich die Grünen für Habeck, der als stellvertretender Ministerpräsident Schleswig-Holsteins das Regieren kennt, in Bayern durchaus noch in einem Prozess. „Eine Bündnisfähigkeit halte ich für notwendig“, sagte er, könnten doch die Grünen ein Gegengewicht zur derzeitigen Rechtsströmung setzen. Aber nicht um jeden Preis. „Unser Ziel ist klar die liberale Mitte. Sollte das durch ein Bündnis nicht möglich sein, verzichte ich gerne auf Mehrheit.“

Dass sich die Grünen einer Regierungsarbeit in Bayern nicht generell verschließen, das bestätigte Habeck dann doch. Zu verlockend strahlt der prognostizierte Stimmenverlust der CSU am Horizont. Welche Ressorts innerhalb der bayerischen Staatsregierung die Grünen dann im Auge hätten, wollte Habeck jedoch nicht beantworten. Das werde man vorab natürlich nicht preisgeben.

Für einen Moment zögerte Habeck. „Ich sag‘s Ihnen doch“, antwortete er schließlich, „wir hätten gerne das Raumfahrtsministerium!“. 

Regine Pätz

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