Schul-Pioniere seit zehn Jahren

Bad Wörishofer Berufsfachschule für Hotel und Tourismus feiert Jubiläum

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Sie hat die Berufsfachschule für Assistenten für Hotel- und Tourismusmanagement durchs gesamte erste Jahrzehnt begleitet und ist seit letztem Jahr auch Leiterin der Außenstelle der Berufsschule Mindelheim: Ute Mangrich.

Bad Wörishofen – Zehn Jahre nun schon unternehmen die künftigen Fachkräfte aus Hotellerie und Tourismus ihre ersten Gehversuche in Bad Wörishofen. Denn im September durfte die „Staatliche Berufsfachschule für Assistenten für Hotel- und Tourismusmanagement“, so die offizielle Bezeichnung der Außenstelle der Berufsschule Mindelheim, ihren zehnten Startjahrgang willkommen heißen. Ute Mangrich, die neben ihrer Funktion als Lehrerin seit April 2018 auch Außenstellenleiterin der Schule ist, hat das Projekt von Kindesbeinen an begleitet.

Denn in Mangrichs ersten Jahren an der Schule – seit 2007 ist sie als Lehrkraft in Bad Wörishofen – hatte seinerzeit Außenstellenleiter Dieter Gerhardinger ein Pilotprojekt in Wiesau in der Oberpfalz ausgemacht. Dort hatte man ein Schulmodell nach österreichischem Vorbild getestet, wo das Abitur mit einer Ausbildung fürs Hotelfach kombiniert wird. „Das würde auch für Bad Wörishofen super passen“, erinnert sich Mangrich an Gerhardingers damalige Idee. Der Vorteil dabei: Weil das Vorhaben noch nicht vollends ausgereift war, konnten sich die Initiatoren aus der Kneippstadt in den Lehrplan und die grundsätzliche Gestaltung des Schultyps entscheidend einschalten.

Praxis nimmt zu

Herausgekommen ist in Bad Wörishofen ein umfangreiches Lehrangebot, das Schüler binnen drei Jahren überwiegend auf die Branche vorbereiten soll, allerdings auch andere Berufswege offen lässt. Heißt konkret: Neben klassischen Fächern wie Deutsch, Englisch, Mathe oder Wirtschaft stehen zusätzliche Sprachen (Französisch und Spanisch) sowie „Fachpraxis in der Hotellerie & Gastronomie“, Veranstaltungswesen und Tourismusmarketing auf dem Plan. Die 11. Klasse sei zunächst noch recht theoretisch angelegt, sagt Mangrich, danach sei aber auch der Praxisanteil höher. Beispielsweise organisieren die Schüler in Eigenregie Veranstaltungen wie den Mindelheimer Berufsinfotag, die Abschlussfeier der 13. Klasse oder den Neujahrsempfang der Schule, der am 30. Januar stattfindet und zu dem auch wieder Ehrengäste aus der Politik und den Praktikumsbetrieben erwartet werden.

Ebenfalls ein Teil der Praxis, der das erste Schuljahrzehnt geprägt habe, waren die Projekte im Fach Managementprozesse, die jeweils die 12. Klassen von der Idee bis zur Umsetzung gemeinsam durchführen. Vorzeigeprojekt, nicht nur weil es das erste an der Schule war, sind für Mangrich noch immer die Rikscha-Touren durch Bad Wörishofen. Der Startjahrgang hatte damals Personen durch die Kneippstadt chauffiert und mit Geschichten unterhalten. Was aber nicht geplant war: Das Rikscha-Leihmodell kam damals ohne Motor an die Schule. „Unsere sechs Jungs mussten ganz schön strampeln“, lacht Mangrich. Als weitere gelungene Aktionen nennt sie EDV-Kurse für Bad Wörishofer Senioren, E-Bike-Touren mit dem Mehrgenerationenhaus und die Gestaltung eines neuen Aufenthaltsraumes, den die Zwölftklässler für sich und ihre Mitschüler hergerichtet hatten. Überhaupt, das sei der große Vorteil einer Schule mit nur drei Klassen, „herrscht bei uns ein familiäres Verhältnis“, sagt Mangrich. Sie versucht deshalb auch, so gut es geht Kontakte mit Schülern aufrechtzuerhalten, die ihr Abitur bereits in der Tasche haben.

Wohin geht die Reise?

Um auch die aktuellen Schüler auf den Ernst des Lebens vorzubereiten, stehen in der 11. und 12. Klasse Besuche der ITB, der weltgrößten Tourismusmesse in Berlin, auf dem Programm. Zudem absolvieren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen 20 Wochen Praktikum, hören Fachvorträge von Branchen-Experten im Unterricht oder nehmen an Podiumsdiskussionen wie dem HOGA-Forum teil, das erst vor wenigen Wochen an der Berufsschule stattfand (der Wochen KURIER berichtete). Nur so könnten die Schüler einen Eindruck bekommen, welche Türen ihnen künftig offen stehen, meint Ute Mangrich.

Eine Tür, die sich derweil bald schließen könnte, ist der regelmäßige Kontakt mit Chester, einer Stadt im Nordwesten Englands. Dorthin waren regelmäßig Schülergruppen aus Bad Wörishofen aufgebrochen, um eine Sprachenschule und ein Praktikum zu absolvieren. „Je nachdem, ob der Brexit mit oder ohne Deal kommt“, werde man sehen, ob man die Sprachenschule auch in Zukunft besuchen könne, meint die Außenstellenleiterin. Denn bei einem Rückzug der Briten ohne Abkommen mit der EU würden wohl die Fördergelder verloren gehen, die Erasmus für die Bildung innerhalb der Europäischen Union zur Verfügung stellt. Und das wäre wohl auch für die Englandfahrt das Aus.

EU, Brexit? Und was geht da eigentlich in Hongkong vor sich? Das seien Fragen, die auch Ute Mangrich als Lehrerin für Sozialkunde gestellt bekommt. Über die Jahre wachse das Defizit bei politischer Bildung immer mehr an, meint sie. Zuletzt freute sie sich deshalb, als eine Schülerin erzählte, sie sei zu einer Bürgerversammlung ihres Ortes gegangen. Denn auch im Hinblick auf die bevorstehenden Kommunalwahlen versuche Mangrich, möglichst tagesaktuell zu lehren. Und auch das Thema Umwelt dürfe in Zeiten von „Fridays for Future“ nicht fehlen: Mit dem neuen Fach „Tourismus 4.0“ will die Schule aktiv Klimaschutz und Nachhaltigkeit in den Lehrplan miteinbeziehen – beispielsweise, wenn es um Flugreisen oder Kreuzfahrten gehe. „Wir wollen Klimaschule werden“, sagt Mangrich. Denn das gebe es in der Kombination mit dem Hotelfach und Tourismus so „noch nirgends“.

Wer Pionier sein möchte, darf aber freilich auch das Thema Digitalisierung nicht außer Acht lassen. So gibt es an der Außenstelle der Berufsschule Mindelheim längst Beamer und PC in jedem Klassenzimmer. Der viel diskutierten Thematik von Tablets im Unterricht habe man sich in Bad Wörishofen auch schon gestellt, erklärt Mangrich. Hier mache sich die Schulleitung derzeit Gedanken, „wo es Sinn macht und wo nicht“.

Sanierung abgeschlossen

Die Weichenstellung fürs nächste Jahrzehnt ist also in vollem Gange. Bereits abgeschlossen ist seit 2017 der mehrjährige Umbau der Schule mit energetischer Sanierung und Isolierung, wobei auch die Unterrichtsräume modernisiert wurden. Da sei es kein Wunder, dass auch ehemalige Schüler öfters vorbeischauen und „einfach mal wieder ‚Hallo‘ sagen“, so Mangrich. Sie waren schließlich die ersten, die ihren Grundstein für eine Karriere im Tourismus in der Kneippstadt gelegt haben.

Marco Tobisch

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