Gruppe hinterfragt Gründe für Kneippianum-Schließung

IMPULSE fordern mehr Aktivität bei Kneipps Erbe

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Das Kneippianum wurde im November als eines von einst drei Häusern Kneipps geschlossen.

Bad Wörishofen – Die Schließung des Kneippianums bewegt nach wie vor die Bad Wörishofer Bürger. Zuletzt hat sich auch die Gruppe „IMPULSE für Bad Wörishofen“ zu Wort gemeldet, sie kritisiert unter anderem den Orden der Barmherzigen Brüder aber auch „die Stadt­obrigkeit“.

„Viele stellen sich die Frage nach den Gründen und danach, was die Barmherzigen Brüder fürs Kneippianum, das Sebastianeum und die ehemalige Kinderheilstätte planen“, erklärt Sprecher Otto Mayer die jüngsten Bemühungen der IMPULSE. Als die Schließung des Kneippianums bekannt gegeben wurde, hätten die Barmherzigen Brüder nur „scheibchenweise Gründe für ihre Entscheidung“ geliefert. Mayer zählt beispielhaft auf: unzureichende Ertragslage in der Hotellerie, jährliche Verluste in siebenstelliger Höhe, Sanierungsbedarf in Millionenhöhe, kostendeckende Preise in Bad Wörishofen nicht umsetzbar. Nach vorne gerichtet hätten die Barmherzigen Brüder versprochen, das Sebastianeum zu stärken und als zukunftsfähige Einrichtung fortführen zu wollen.

IMPULSE könne, so Mayer, weder die genannten Schließungsgründe verstehen noch Maßnahmen erkennen, wie das Versprechen für das Sebastianeum umgesetzt wird. IMPULSE hätte deshalb entsprechend ihres Mottos „Faktencheck“ Anfang Dezember 2018 in einem auf ihrer Website www.impulsefbw.de veröffentlichten Brief entsprechende Fragen an das Provinzialat der Barmherzigen Brüder gestellt: „Was beinhaltet die Stiftungssatzung? Lässt sie Veräußerung zu, wem fällt in diesem Falle der Veräußerungsgewinn zu? Gibt es keine moralische Verpflichtung aus der quasi Schenkung der Mallersdorfer Schwestern? Warum gab es kein Sanierungskonzept, als sich Verluste zeigten?“ An der Finanzkraft der Barmherzigen Brüder könne es schließlich nicht gelegen haben, denn andere Hotels kämen mit 66 Prozent Auslastung und den in Bad Wörishofen umzusetzenden Preisen zurecht – „warum das Kneippianum nicht?“, fragt Mayer.

Leider hätten die Barmherzigen Brüder auf besagten Brief bislang nicht reagiert. Dies mache es laut IMPULSE umso wichtiger, dass die Stadt diesen Fragen penetrant nachgeht. Es muss, wie es die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen fordert, geklärt werden, was die Stiftungssatzung der Mallersdorfer Schwestern beinhaltet, und ob es im Vermächtnis von Pfarrer Kneipp für seine Häuser Festlegungen für Nutzung und Veräußerung gibt. Es müsse klar sein, welche Entscheidungen danach rein theoretisch möglich oder auch nicht möglich wären. Denn nur so sei eine vernünftige Verhandlungsposition für zukünftige Entscheidungen gegeben.

Leider sei es aber, so Mayer, im Vorfeld der Entscheidung „von Seiten der Stadtobrigkeit versäumt worden, im engen Kontakt mit den Barmherzigen Brüdern lenkend und beratend tätig zu werden. Natürlich hätten auch die Barmherzigen Brüder im Sinne einer guten Zusammenarbeit mit der Stadt den Kontakt suchen können und müssen.“ Gleiches hatte Bürgermeister Paul Gruschka im Übrigen im September dem Orden vorgeworfen: „Die Barmherzigen Brüder sind dem Erbe Kneipps verpflichtet. Warum hat man dann nicht früher reagiert?“, hatte Gruschka gefragt.

Doch in der aktuellen Situation sei es laut Mayer müßig, zu diskutieren, wo hier die Bring- und wo die Holschuld gewesen wäre. Wichtig erscheint es IMPULSE, dass „die Stadt sich jetzt intensiv kümmert und damit das Bestmögliche für den Weiterbestand des Sebastianeums und die künftige Nutzung des Kneippianums erreicht“.

wk

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