Angeklagter legt Teilgeständnis ab

In Bad Wörishofen zu Tode geprügelt: Prozess wird am Memminger Landgericht neu aufgerollt 

Prozess Gericht Bad Wörishofen Raffler
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In diesem Haus – dem ehemaligen Kurhotel Raffler – war 2018 ein 46-Jähriger tödlichen Schlägen erlegen. Nun soll der Fall am Memminger Landgericht neu verhandelt werden.

Bad Wörishofen/Memmingen – Ein 46-Jähriger wird brutal zu Tod geprügelt – unter Verdacht stehen drei Männer, die sich zuvor mit ihm zusammen betrunken haben. Zwei von ihnen werden aus Mangel an Beweisen freigesprochen, der Dritte wird zu zehn Jahren Haft verurteilt. Aber damit ist die Sache noch lange nicht vorbei, denn seit gestrigem Donnerstag wird dieses Verfahren am Memminger Landgericht neu aufgerollt.

Der Grund: Der im vergangenen Jahr verurteilte 35-Jährige ging in Revision und tatsächlich – der Bundesgerichtshof hat das Urteil in Teilen aufgehoben und den Fall zurück nach Memmingen verwiesen. Wie ein Sprecher des Landgerichts erklärte, wurde nach Ansicht des BGH im ersten Prozess nicht eindeutig genug nachgewiesen, von wem die tödlichen Schläge stammten.

In der Nacht auf den 5. September 2018 soll sich der Angeklagte mit dem 46-Jährigen und zwei weiteren Bekannten in einem Wohnheim in Bad Wörishofen massiv betrunken haben. Es kam zum Streit; laut Anklageschrift habe der 35-Jährige seinem Opfer mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die beiden anderen Männer hätten das nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht nur gebilligt, sondern sich auch an der Attacke beteiligt. Ein Rechtsmediziner sprach in der ersten Verhandlung im vergangenen Jahr von mindestens 64 Schlägen und Tritten, die auf das Opfer eingeprasselt seien. Die Folge: Rippenbrüche, eine Nasenbeinfraktur und ein beidseitiges Schädel-Hirn-Trauma. Durch die massiven Kopfverletzungen gelangte Blut in den Rachenraum des Mannes. Er erstickte.

Damals hatte die 1. Strafkammer am Memminger Landgericht zwei der drei Angeklagten aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Wie der Vorsitzende der Kammer damals ausgeführt hatte, spreche unter anderem die Vielzahl der Verletzungen des Opfers genauso wie die Tatumstände dafür, dass die beiden Männer ebenfalls beteiligt waren. Nur könne man es ihnen nicht zweifelsfrei nachweisen – in solch einem Fall gilt das Prinzip „im Zweifel für den Angeklagten“.

Nur der jüngste der drei Männer wurde damals zu zehn Jahren Haft verurteilt – nicht wegen Totschlags, sondern wegen Körperverletzung mit Todesfolge für die Tat in Bad Wörishofen zusammen mit gefährlicher Körperverletzung dafür, dass er den Bruder seiner damaligen Freundin zusammengeschlagen hatte. Der zweite Part dieses Urteils bleibt weiterhin bestehen, der Rest wurde jedoch vom BGH aufgehoben.

Deshalb befasst sich nun die 2. Strafkammer am Memminger Landgericht mit dem Fall. Zum Prozessauftakt waren auch die beiden Männer als Zeugen geladen, die beim ersten Prozess noch mit auf der Anklagebank saßen. Damals hatten sie zu den Vorwürfen konsequent geschwiegen. Sonderlich weit kam das Gericht bei der Vernehmung aber auch diesmal nicht. Die Vorsitzende Richterin hatte gerade die erste Frage gestellt, da brachte einer der beiden Verteidiger des Angeklagten einen Rechtsbeistand ins Spiel. Dem Zeugen stehe bei der Vernehmung ein Anwalt zu, da er sich bei einer Aussage möglicherweise selbst belasten könnte. Auch der 38-Jährige auf dem Zeugenstuhl sagte, „ohne einen Anwalt sage ich nichts.“

Teils geständig

Dazu kam es dann aber doch nicht, denn der Verteidiger bat kurz darauf um ein Rechtsgespräch. Also zogen sich die Prozessbeteiligten unter Ausschluss der Öffentlichkeit zurück und besprachen das weitere Verfahren. Ergebnis des Gesprächs: Der 35-jährige Angeklagte legte ein Teilgeständnis ab. Er gab zu, das Opfer zweimal geschlagen und zweimal getreten zu haben. Damit wurde die weitere Vernehmung der beiden ehemals Mitangeklagten nach Ansicht des Gerichts überflüssig; die Männer konnten gehen.

Mit diesem Teilgeständnis dürfte sich auch die Dauer des Prozesses verkürzen; bisher waren Termine bis Mitte Januar angesetzt. Weiter geht es auf jeden Fall Anfang Dezember. (am)

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