Neues ausprobieren

In der Krisenzeit: Bad Wörishofer Kunstverein(t) gegen Kreativitätsverlust

Kunstverein Bad Wörishofen
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Die Kunstvereinsausstellungshalle der Kurstadt im ehemaligen E-Werk: Auch hier müssen große Ausstellungen derzeit pausieren, sehr zum Bedauern von Vereinsvorstand Harald Bos.
  • Marco Tobisch
    VonMarco Tobisch
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Bad Wörishofen – Dass die derzeit ausstellungslose Zeit wenn überhaupt noch Chancen bietet, hängt viel am Glück und an nicht nachlassender Energie und Kreativität; die nahe am existentiellen Abgrund nicht mehr jeder so einfach aufbringen kann. Bemerkenswert wirkt da die Zuversicht von Gabriele Ritter, Isolde Egger, ­Silke Weiß und Karl-Heinz Klos, allesamt Mitglieder im Kurstädter Kunstverein.

Dessen Vorsitzendem, Harald Bos, merkt man die Frustration über abgesagte oder abzusagende Aktivitäten durchaus an. Aber resigniert wirkt er nicht; denn im Verein ist man aktiv. Bos stellt eine Art Kunstsommer mit drei bis vier Ausstellern „auf Abstand“, eine Mitgliederausstellung „auf Zuruf“ und eine thematische Ausstellung im Herbst in Aussicht. Und mit Bühnenbildner Thomas Mogendorf aus Kaltental etwas zum Thema „Installation“.

Natürlich macht es einen Unterschied, ob man – wie der Großteil der nicht in der Kurstadt ansässigen Kunstvereinsmitglieder – beruflich von der Kunst lebt, oder, wie die Mehrzahl der laut Bos „etwa ein Dutzend in Wörishofen lebenden Amateure des Vereins“, man der Kunst als Hobby nachgeht. Zu den Wörishofer Berufskünstlerinnen zählen die in Frankenhofen ansässige Isolde Egger und Silke Weiß, die ihr Atelier in der Gartenstadt hat. Beide sind arrivierte Profis in Design und Gestaltung und leben von Aufträgen aus dem freien Markt – wie etwa Ausstattungsprojekten im öffentlichen Raum von Institutionen oder Unternehmen. Allerdings ist der Markt aktuell bekanntlich auch nicht mehr so freigiebig wie ehedem.

Finanziell am Limit

Während Egger, Vereinsgründungsmitglied, derzeit neue Techniken ausprobiert, wie etwa das Arbeiten mit „Paperclay“, einem porzellanenen, lichtdurchlässigen Ton, arbeitet Weiß noch vorliegende Auftragsprojekte ab. Und engagiert sich als Beisitzerin im Kunstverein besonders für Belange der Kunstschaffenden. So war es ihre Idee, dass künstlersozialkassenversicherten Profis des Kunstvereins in diesem Jahr der Mitgliedsbeitrag erlassen wird, da viele Kunstschaffende gerade finanziell am Limit sind. Und auch für die Neugestaltung der aktuell brach liegenden Vereinswebsite macht sich Weiß mit Bos stark.

Gabriele Ritter setzte anfangs die Unsicherheit ob der ungewissen Ausstellungsmöglichkeiten zu, sie sei förmlich „lahmgelegt“ worden, sagt sie. Dann aber entdeckte sie ein neues Genre für sich: Mit und an alten Reisebildern probiert sie Mittel der Fotokunst und fand so neuen Auftrieb.

Karl-Heinz Klos aus Ottobeuren, 2007 Kunstpreisträger der Kneippstadt, verweist auf Online-Ausstellungsmöglichkeiten, die aber nur Notlösungen seien. Und, dass der Berufsverband der Bildenden Künstler finanzielle Hilfen aus seine Sozialfonds ermöglicht. Es bleibt eben auch für Künstler eine Kunst, die Krise zu meistern.

Regine Glöckner

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