Nach dem Unterricht durch den Parcours heizen

Initiative gestartet: Mountainbiken an der Albert-Schweitzer-Schule in Ettringen

An der Albert-Schweitzer-Mittelschule wird Mountainbike unterrichtet. Hier fahren Schüler durch den Wald.
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Sportlehrer Christian Walter fährt mit seiner zehnköpfigen Schülergruppe in den Wald, um auf Trails das Mountainbiken zu üben.

Ettringen – Mountainbike als Schulsportart? Das geht an der Albert-Schweitzer-Schule in Ettringen. Die Initiative „Bikepool“, eine Sportarbeitsgemeinschaft zwischen Schule und Sportverein, hat Sportlehrer Christian Walter vor Kurzem dem Ettringer Gemeinderat vorgestellt. Noch gibt es ein paar Startprobleme, da noch nicht genügend Fahrräder vorhanden sind, mit denen die 15 angemeldeten Schüler über Rampen, Trails und durch einen Parcours heizen können.  

Mountainbiken ist im Kommen, wächst zu einer richtigen Trendsportart heran und zählt in Bayern zu den Top-Ten der beliebtesten Schulsportarten. Bayernweit nehmen schon fast 160 Schulen am Mountainbikeunterricht teil, vor allem in Franken. Doch hier im Unterallgäu klafft ein gewaltiges Loch, das nun Ettringen füllen will. Doch was steckt hinter dem Projekt „Bike­pool“ in Bayern, das Sportarbeitsgemeinschaften (SAGs) aus Schulen und örtlichen Vereinen unterstützt? Walter erklärt, dass der Schulsport die Schüler dazu verleiten soll, lebenslang Sport auszuüben – und das ließe sich mit Radfahren hervorragend umsetzen.

Parcours selber bauen

Ziel ist es, dem Sport an der Albert-Schweitzer-Schule eine stärkere Gewichtung zu geben, und in diesem Fall, das Mountainbiken den Schülern näherzubringen. Momentan kann schon auf einem Wellen-Parcours hinter dem Sportheim ein Geländetraining absolviert werden, verkündet Walter. Die Schüler sollen aber auch, so betont der Diplomsportlehrer, selbst erlernen, wie man ein Bike fachgerecht repariert. Außerdem sollen sie im Schulfach WTG (Werken und textiles Gestalten) selbst Rampen und dergleichen bauen. Das freiwillige Sportangebot ist eine Schulveranstaltung, weshalb die Kinder und Jugendlichen über die gesetzliche Schülerunfallversicherung abgesichert sind. Ein netter Nebeneffekt für den Sportverein: Durch das Projekt kann der TSV das ein oder andere neue Mitglied dazu gewinnen. Eine Mitgliedschaft ist aber keine Voraussetzung für die Teilnahme am Mountainbiken.

Beim „Bikepool“ in Ettringen machen verschiedene Einrichtungen mit. Neben dem SAG-Vertrag zwischen Schule und Verein bringt sich der Kreisjugend­ring mit Radausflügen ein. Die Kommune unterstützt das Projekt materiell, indem sie das Gelände zum Trainieren zur Verfügung stellt. Das ortsansässige Fahrradgeschäft „Rad und Roller“ repariert die Mountainbikes, Sponsoren wie der Landessportverband, die Gemeinde, Privat- und Geschäftsleute kümmern sich um die Beschaffung der Räder.

Bevölkerung ist gefragt

Für die Mountainbike-Gruppe sind bereits 15 Schüler aus der Mittelschule angemeldet, neun von ihnen pendeln mit dem eigenen Rad in die Schule. Sechs von ihnen kommen aus anderen Ortsteilen und Gemeinden wie Markt Wald, Türkheim oder Bad Wörishofen und können daher nicht mit dem Rad zur Schule fahren, weshalb sie schuleigene Räder zum Trainieren bräuchten. Walter schlägt vor, dass sich – neben dem Schulverband Ettringen – eventuell auch Markt Wald an der Anschaffung schuleigener Räder beteiligen könnte. Drei schuleigene Räder gibt es schon, insgesamt würden fünf bis sechs Räder ausreichen, schätzt Walter. Bürgermeister Robert Sturm sucht noch nach Sponsoren für die Räder. Er hat einen Aufruf an die Bevölkerung gestartet, gebrauchte, aber noch funktionstüchtige Bikes der Schule zu spenden. Ertüchtigt und verkehrssicher gemacht werden sie dann vom Fahrradgeschäft „Rad und Roller“. Sturm sagt auch, dass Markt Walds Bürgermeister Peter Wachler in seiner Gemeinde ebenfalls einen Suchaufruf gestartet hat. Denn neue Bikes können momentan aufgrund von Corona nicht aus China geliefert werden. Doch Sturm ist überzeugt, dass man die Räder trotzdem zusammenkriegt.

Hohe Nachfrage

Erst nach zwei Jahren Mountainbikeunterricht wird die Schule ein Stützpunkt und kann auf Fördergelder vom Freistaat hoffen, um zum Beispiel weitere Trainingsstunden zu finanzieren. Schon jetzt sei der Kurs voll, die Nachfrage aber höher. Da Walter aber nur zehn Kinder betreuen darf, sich aber 20 Schüler dafür interessieren, könnten allesamt nur trainiert werden, wenn zweiter Übungsleiter Jochen Marx die andere Hälfte der Schüler übernimmt, erklärt Walter. Doch Marx sei nicht regelmäßig mit dabei.

Einen Trainerschein für Breitensport hat der Diplomsportlehrer zwar bereits, die Fortbildung für einen Mountainbike-Trainerschein absolvieren er und Marx aber erst im Januar, da diese aufgrund von Corona verschoben wurde. Bis dahin darf in der AG „Outdoor-Sport“ nur Radwandern betrieben werden. Erst nach der Fortbildung dürfen Walter und Marx methodisch unterrichten und den Kindern Techniken fürs Mountainbiken beibringen. Neben Ausflügen in den Auwald, in dem die Schüler in einem Umkreis von einem halben Kilometer über selbstgebaute Trails springen, üben sie dagegen auf dem Hartplatz Balance und Bremstechniken. Gefahren wird übrigens zwei Schulstunden pro Woche, immer montags zwischen 15 und 16.30 Uhr.

Walter wünscht sich, dass sich auch Grundschüler für das Angebot anmelden können, damit sie beim Schulwechsel auf eine weiterführende Schule direkt an der Mittelschule in Ettringen bleiben und „nicht an andere Schulen verloren gehen“. Ein Sportangebot wie Mountainbiken könnte durchaus den Ausschlag bei der Wahl einer weiterführenden Schule geben, so Walter. Bis jetzt besteht der überwiegende Teil der Schüler aus Fünft- und Sechstklässlern. Wenn die Schule genug Räder hat, würde es vorerst einen 14-tägigen Rhythmus geben, damit alle 20 Schüler zum Zug kommen, je zehn pro Woche. Überhaupt kann Walter die AG nur anbieten, weil er nebenbei Übungsleiter beim TSV Ettringen ist und von diesem bezahlt wird. Die Lehrer hätten keine Stunden mehr übrig, um zusätzliche AGs zu betreuen. Erst wenn die Schule zum Stützpunkt erklärt wird, können ihr zusätzliche Lehrerstunden zugewiesen werden.

Im Winter trainieren die Schüler in der Sporthalle an der Kletterwand oder bei einem Parcours Kondition und Kraft fürs Biken. Nach jedem Schuljahr ist eine Abschlussfahrt geplant, für die jetzige Gruppe ist ein Besuch im Bikepark in Eschach geplant.

jb

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