Stadtentwicklungskonzept (INSEK): Planungsbüro stellt Maßnahmen und Projektkatalog vor

Das Handbuch für Mindelheims Stadtgestaltung ist fertig

Mindelheim Luft
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Wohnen, Wirtschaft, Verkehr und vieles mehr: Das INSEK solle einen übergeordneten Rahmen bieten, der „das Ganze umspannt“, hatte Sylvia Haines vom Büro Haines-Leger erklärt. Herausgekommen ist ein großes Maßnahmenpaket für die nächsten Jahre.
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Mindelheim – „Wenn ich gefragt werde: ‚Was hat Mindelheim eigentlich so vor?‘ Dann empfehle ich einfach mal einen Blick in unser INSEK“, erklärte Bürgermeister Dr. Stephan Winter in der jüngsten Sitzung des Mindelheimer Ferienausschusses. Hinter dem „INSEK“ verbirgt sich das neue „integrierte, nachhaltige Stadtentwicklungskonzept“, das zwischen 2018 und 2020 vom Würzburger Architekturbüro Haines-Leger zusammen mit der Stadtverwaltung, dem Stadtrat und den Mindelheimer Bürgern arbeitet wurde und dessen Ergebnisse nun im Ausschuss erstmals öffentlich präsentiert wurden. Eine ganze Reihe an Maßnahmen legt das Architekturbüro der Stadt ans Herz, um Mindelheim fit für die Zukunft zu machen. 

Bevor Sylvia Haines vom Architekturbüro aber auf die konkreten Projekte zu sprechen kam, flog sie in einem kurzen Vortrag nochmal über die Monate der Konzeptentstehung – und wie schwer es gewesen war, sich der Problemstellung überhaupt zu nähern. Denn: „Ich war ganz begeistert von der Stadt“, erzählte Haines. Sie habe Mindelheim vom Start weg sehr positiv wahrgenommen, weshalb es in der Analysephase gar nicht so einfach gewesen sei, markante Schwächen zu definieren.

Wo brennt es?

Nach ersten Besuchen und Bestandsaufnahmen ging es gleich ans Eingemachte: Im Mai 2019 waren die Bürger dazu eingeladen, im Forum über die Kernthemen der Stadt zu sprechen, um so gemeinsam die Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken in Mindelheim zu verdeutlichen. Gleiches galt auch für die Folgemonate, als die Bürger im Rahmen einer sogenannten „ePartizipation“ eine digitalen Karte von Mindelheim im Internet mit Ideen füllen sollten. Immerhin 146 Nutzer – laut Haines ein Durschnittswert bei einem solchen Prozess – packten die Gelegenheit beim Schopf, potenzielle Projekte oder aus ihrer Sicht problematische Brennpunkte zu verorten. „Das war sehr hilfreich“, blickte Haines zurück.

Welches Fazit ihr Büro aus den Stellungnahmen der Bürger zog? Großen Handlungsbedarf gibt es offenbar beim Thema Mobilität und Verkehr – während etwa der Einzelhandel oder die Schulen von den Wenigsten als Problemfeld angesehen wurden. Wäre die Umfrage im Corona-Lockdown erstellt worden, hätte sich womöglich ein anderes Bild ergeben. Was derweil wohl gleich geblieben wäre: Die Bürger sehnen sich nach mehr Leben in der Stadt, das wurde etwa in den Wünschen nach mehr Weggehmöglichkeiten (Clubs, Kneipen, Kino), dem für Sommer testweise eingeführten, zusätzlichen Raum für Fußgänger und Außengastronomie in der Maximilianstraße sowie Verbesserungen an Fuß- und Radwegen deutlich. „Ganz konkret“, ehe sich auch der Stadtrat im Oktober 2019 zu einer INSEK-Klausur traf, wurde es laut Haines kurz zuvor in einer zweiten Bürgerwerkstatt, wo Projekte benannt und priorisiert wurden. Die Top Drei: Windkraft im Stadtwald, eine Tiefgarage im Klostergarten und die schrittweise Umsetzung eines neuen Radwegekonzeptes.

Daueraufgabe Innenstadt

Mit diesem Wissen im Gepäck warfen die Planer des Architekurbüros noch ganz gezielte Blicke auf die Altstadt und das Bahnhofsareal. Während Sylvia Haines am Bahnhof – allen voran mit der Aufwertung des Vorplatzes – großes Verbesserungspotenzial sieht, sei die Altstadt vielmehr eine „Daueraufgabe“. Hier müsse deshalb auch der Fokus bleiben, appellierte Haines an die Ausschussmitglieder sowie an weitere Stadträte, die ohne Stimmrecht der Videoaufzeichnung der Sitzung von zu Hause aus folgten. Was die Expertin ihnen und der Stadt für die Altstadt empfiehlt? Das Wohnen müsse hier gestärkt werden und der Einzelhandel solle sich vorrangig auf die Maximilianstraße und den Marienplatz konzentrieren, um weitere Leerstände zu vermeiden. Und wo es möglich ist, soll das Zentrum grüner und naturnäher werden, unter anderem durch den Einbezug der Mindel – was etwa in der Unteren Maximilianstraße bereits erreicht sei, so Haines.

Großes Maßnahmenpaket

Einen ganzen Katalog an Maßnahmen hat das Büro der Stadt bereits übergeben. Die insgesamt 56 Einzelprojekten, die im INSEK im Detail beschrieben werden, enthalten eine grobe Kostenschätzung sowie eine mögliche Förderung. Zehn dieser Projekte hat die Stadt – dem folgte auch der Ferienausschuss ohne Gegenstimme – zu „Impulsprojekten“ erklärt, die die Stadtverwaltung zeitnah „in Angriff nehmen“ soll. Im Einzelnen sind das:

Konzept zur Innenentwicklung – Flächen- und Leerstandsmanagement: Mit Hilfe des Landesamtes für Umwelt und unter Einbindung der Ortsteile, so heißt es im INSEK, solle die Stadt Potenziale zur Innenentwicklung erfassen, dabei ggf. Grund erwerben und Investoren einbinden.

Ausflugsziel Mindelburg – Reaktivierung des Areals für neue Nutzungen: Die Mindelburg soll als Ausflugsziel gestärkt werden, etwa durch Einbindung in das Wege- und Beschilderungskonzept und in Verbindung mit der Innenstadt und der Schwabenwiese.

Beratung und Förderung privater Sanierungsmaßnahmen: Dabei könnten Sanierungen in der Altstadt unter Umständen bezuschusst werden, wodurch das Gesamtbild der Stadt profitieren würde.

Barrierefreie Gestaltung der Kornstraße: Insbesondere der Platz vor dem Einlasstor soll laut INSEK barrierefrei gestaltet und aufgewertet werden. So solle nicht nur das Tor erlebbarer gemacht, sondern auch der Einzelhandel in der Kornstraße gestärkt werden.

Fahrradabstellplätze am Bahnhof: Das INSEK schlägt „zeitgemäße, überdachte Fahrradabstellplätze im Umfeld des Bahnhofs“ vor, denkbar sei womöglich auch die Einbindung von absperrbaren Boxen für E-Bikes.

Verkehrskonzept Altstadt: Bessere Verkehrslenkung, verkehrliche Entlastung, Verbesserungen im ÖPNV und womöglich sogar neue Angebote wie das von der ÖDP immer wieder ins Gedächtnis gerufene Carsharing – all das untersucht derzeit das Büro Modus Consult aus Ulm. Der Verkehrs- und Bauausschuss hatte bereits im Mai letzten Jahres den Weg für ein solches Gesamtkonzept, das 125.000 Euro kostet, frei gemacht. Auch ein Park­raumkonzept für die Innenstadt sollte erarbeitet werden – dieses sowie die Ergebnisse der Haushaltsbefragung sollen als erste Teile des Verkehrsgutachtens am kommenden Samstag in der öffentlichen Stadtratssitzung vorgestellt werden.

Schrittweise Umsetzung des Radwegekonzeptes: Wo Radwege geschaffen, vorhandene Wege saniert oder ausgebaut werden müssten, wie es das INSEK vorsieht, analysiert ebenfalls das Büro Modus Consult im Rahmen seines Mobilitätskonzeptes.

Gesamtkonzept Schwabenwiese: An diesem zu arbeiten begonnen hat bereits die Planungsgemeinschaft Reiser/Mohrenweis aus München bzw. Waal. Vorgesehen ist unter anderem eine Neuordnung des Verkehrs auf der Schwabenwiese, einbezogen werden auch die Ergebnisse aus der Bürgerbeteiligung. Erste Ideen der Planer wurden zuletzt bereits im Ferienausschuss vorgestellt.

Verkehrliche Anbindung Mindelheim Nordost: Vor allem im Norden hat die Stadt zuletzt großflächig Wohraum geschaffen, den es nun auch verkehrlich, so sieht es das INSEK vor, anzuschließen gilt. Zu prüfen sei, ob das Wohngebiet über eine Straße an der Firma Kleiner vorbei oder in Richtung Norden an die B16 angeschlossen werden und so die Krumbacher Straße verkehrlich entlastet werden könnte.

Urbane Biodiversität und Ökokonto: Unter anderem entlang der Mindelauen sollen Blumen- und Magerwiesen angelegt werden, um die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten zu fördern. Damit solle das Artenschutz-Volksbegehren umgesetzt werden, so die Idee.

Marco Tobisch

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