Stadtentwicklung (INSEK)

Mindelheimer feilen am Leitfaden für die nächste Dekade

+
Wer seine Ideen nicht beim jüngsten Bürgerdialog mitgeteilt hat, kann das auch online nachholen. Bis zum 1. Juli werden auf www.mindelheim.e-pin.eu Vorschläge gesammelt, die in einer digitalen Karte verortet und gegenseitig kommentiert werden können.

Mindelheim – „Fulminant“ habe sich seine Stadt seit dem letzten vergleichbaren Prozess im Jahr 2007 entwickelt, meinte Bürgermeister Dr. Stephan Winter beim INSEK-Auftakt für die Mindelheimer im Forum. Um auch die Entwicklungsgrundlage für die nächsten Jahre zu schaffen, erforscht das Büro Haines-Leger aus Rimpar bei Würzburg derzeit Chancen und Projekte für Mindelheims Zukunft – und bindet dabei auch die Bürger, Einzelhändler, Stadträte und Vereine – kurz gesagt: alle Akteure der Stadt – mit ein.

Rund 40 von ihnen waren letzte Woche gekommen, um sich am ersten Workshop zu beteiligen. Dabei ging es darum, in drei Kleingruppen zu den verschiedenen Handlungsfeldern der Stadt Ziele und denkbare Projekte zu erarbeiten.

Für die vermeintlich überschaubare Anzahl an Workshopteilnehmern, die ein Lob von Planerin Sylvia Haines und ihrem Kollegen Eugen Ulmann für ihren Arbeitseifer ausgesprochen bekam, hatte auch Bürgermeister Winter Dankesworte übrig: Mit der Teilnahme am Prozess „beweisen Sie, dass Ihnen unser Mindelheim am Herzen liegt“, meinte Winter. Seine Stadträte könnten ihre Beschlüsse grundsätzlich nach eigenem Ermessen treffen, auch ihnen sei die enge Zusammenarbeit mit den Bürgern aber ein großes Anliegen. „Uns ist an Lösungen gelegen, die auf breite Akzeptanz stoßen“, so der Bürgermeister weiter.

Mindelheim im Umbruch

Er erinnerte auch an den letzten Prozess von 2007, in dessen Folge der Umbau der Maximilianstraße erfolgte. Grundsätzlich seien eine solche Bürgerwerkstatt sowie der gesamte Entwicklungsprozess „eine wertvolle Grundlage für die Stadtratsarbeit“. Und nun, wo die Frundsbergstadt über ein Jahrzehnt später um rund 1.000 Bürger und stolze 3.400 Arbeitsplätze reicher ist, sei es an der Zeit, den nächsten „Blick von außen“ einzuholen – zumal gerade ein „intensiver, gesamtgesellschaftlicher Umbruch“ im Gang sei.

Deshalb verspricht sich Winter vom laufenden Prozess ein „tragfähiges, allseits akzeptiertes Entwicklungskonzept“, das dem Stadtrat als Leitfaden für die nächste Dekade dienen soll.

Viele Ideen

Sylvia Haines, die zuletzt im Stadtrat die Ergebnisse ihrer ersten Recherchen vorgestellt hatte (der Wochen KURIER berichtete), frischte diese nun nochmal in einer kurzen Rückschau für die Bürger auf. Dabei klärte sie auf, dass am Ende des Prozesses ein Maßnahmenkatalog mit konkreten Vorschlägen stehen solle, der auf einen Zeitraum von rund 15 Jahren angelegt ist. Dieser solle im Interesse der Bürger gestaltet sein, weshalb diese sich zum Auftakt gleich mit konkreten Ideen einbringen konnten. Auf mehreren großen Postern, auf denen die Handlungsfelder skizziert waren, trugen sie ihre Vorschläge zusammen. Folgende Ergebnisse kamen dabei heraus:

Mobilität & Verkehr: Hier spielte wie schon im jüngsten Bürgerdialog die Öffnung der Schwabenwiese (der Wochen KURIER berichtete) eine Rolle. Generell solle der Verkehr rund ums Maristenkolleg entschleunigt werden. Viel Zuspruch gab´s auch für eine „autofreie Innenstadt“, mehr innenstadtnahen Park­raum mit einer Tiefgarage im Klostergarten und die Verlegung des Busbahnhofs zum Bahnhof selbst. Dort wünschten die Bürger auch Fahrrad­abestellmöglichkeiten und der Ausbau des „Park & Ride“. Der Ausbau der Radewege wurde mehrfach genannt, unter anderem in der Bad Wörishofer Straße oder auch in der Georgen- und Maximilianstraße, die künftig als „Fahrradstraßen“ fungieren sollten.

Einzelhandel: Die Angebotsvielfalt der Gastronomie solle erweitert werden, das Angebot der lokalen Einzelhändler attraktiv bleiben. Auch einen ausgewogenen Branchenmix dürfe man nicht außer Acht lassen. Angeregt wurde auch ein Bio-Supermarkt im Zentrum. Ingesamt müsse die Nahversorgung dezentral und möglichst wohnortnah möglich sein – auch im Norden Mindelheims.

Wohnen: Der Wohnungsleerstand im Zentrum und den Ortsteilen soll behoben werden. Auch Bedarf an weiterem sozialen Wohnraum wurde angeregt – allerdings lieber durch den „Erhalt alter Bausubstanz“ als durch die Ausweisung weiterer Baugebiete.

Bildung: Dorfschulen sollen wieder reaktiviert werden. Als Aufwertung des Unterrichts könnte man Themen wie Energetische Bildung, Radeln und Umwelt verstärkt einstreuen.

Umwelt: Ideen hierzu: Die Aufwertung des Mindelsees, mehr Blühflächen und Grün in der Stadt, Windkraftnutzung im Stadtwald und mehr Abfalleimer.

Freizeit: Auch dazu gab´s reichlich Vorschläge, die von Kino, Billard und Bowling über Beachvolleyball- und zeitgemäße Kinderspielplätze bis hin zu mehr Tanzmöglichkeiten reichten.

Marco Tobisch

Tipp: Wer seine Ideen nicht beim jüngsten Bürgerdialog mitgeteilt hat, kann das auch online nachholen. Bis zum 1. Juli werden auf www.mindelheim.e-pin.eu Vorschläge gesammelt, die in einer digitalen Karte verortet und gegenseitig kommentiert werden können.

Auch interessant

Meistgelesen

Mindelheim: 5G-Initiative demonstriert „Antennen-Wald“ vor dem Forum
Mindelheim: 5G-Initiative demonstriert „Antennen-Wald“ vor dem Forum
Bad Wörishofen: Kurpark-Leuchten wird bis Mitte Juni verlängert
Bad Wörishofen: Kurpark-Leuchten wird bis Mitte Juni verlängert
UPM Ettringen: Erste 18 Mitarbeiter in Werksarztpraxis geimpft
UPM Ettringen: Erste 18 Mitarbeiter in Werksarztpraxis geimpft
Kirchheims Bürgermeisterin Susanne Fischer spricht über ihr erstes Amtsjahr
Kirchheims Bürgermeisterin Susanne Fischer spricht über ihr erstes Amtsjahr

Kommentare