Höhepunkt der Energiewende

„Unter Strom“ an der Energiewende mitwirken

Landrat Hans-Joachim Weirather(li.) ließ sich von Martin Sambale von der eza! die Funktionsweise des Solarkatasters erklären.
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Landrat Hans-Joachim Weirather(li.) ließ sich von Martin Sambale von der eza! die Funktionsweise des Solarkatasters erklären.

Unterallgäu/Mindelheim – Es markiert den vorläufigen Höhepunkt der Energiewende im Unterallgäu und ist, folgt man den Worten des Unterallgäuer Landrates Hans-Joachim Weirather, ein tolles Thema: das interaktive Solarkataster für das Unterallgäu. Mit Hilfe des Solarkatasters, das Weirather jetzt im Landratsamt vorgestellt hat, kann jeder Unterallgäuer – inklusive Memmingen – anhand eines Rechenprogramms die Eignung und Kapazitäten des eigenen Grundstückes für Photovoltaikanlagen ermitteln.

„Es ist eine Serviceleistung“, führte Hans-Joachim Weirather in das Thema ein, „die besonders ist“. Es gebe zwar vergleichbare Angebote, die aber bei weitem nicht dieselbe Qualität aufweisen würden. Das Online-Solarkataster sei ein wichtiges Element bei der Energiewende im Unterallgäu: angestrebt ist ein Anteil der erneuerbaren Energien am Strom- und Energieverbrauch von über 60 Prozent innerhalb der nächsten fünf Jahre. Man habe, so Weirather, der persönlich auch sehr interessiert ist an der Energiewende, dieses besondere Projekt noch ausgeweitet. Dabei ließ der Landrat, der gemeinsam mit Martin Sambale von der eza! mit Sitz in Kempten zum Pressegespräch geladen hatte, zunächst die Geschichte Revue passieren: nach einer Vorlaufphase von gut drei Jahren habe man den Zuwendungsbescheid erhalten; er beinhaltete gut 870.000 Euro aus Bundesmitteln, die man im Unterallgäu zur Ausgestaltung der Energiewende verwende könne. Mit diesen Projekten und Konzepten, ist sich Weirather sicher, „bekommt das Unterallgäu eine pilothaften Charakter“. Dabei richtet sich das Solarkataster an alle Interessierten, betonte der Landrat und war stolz, dass man das Kataster über die Modellregion Unterallgäu Südwest auf den gesamten Landkreis inklusive der Stadt Memmingen ausweiten konnte.

Mit dem Solarkataster wolle man „Lust machen, dass sich die Bürger mit dem Thema Photovoltaik beschäftigen“. Dabei umfasst das Onlineprogramm, das sich auf der Homepage der Energiewende (www.energiewende-unterallgaeu.de/solarkaster) findet, nicht nur eine digitale Landkarte sondern auch ein Rechenprogramm mit dem sich verschiedene Fragestellungen beantworten lassen.

Luftbilder als Grundlage

Grundlage für das Solarkataster sind spezielle Luftbilder, die mit Hilfe eines flugzeuggestützten Laserscanners gewonnen wurden. Durch die Befliegung konnte nicht nur jedes Grundstück und Haus erfasst werden sondern auch Problempunkte wie Kamine, Gaupen oder Bäume, die die nutzbaren Flächen beschatten. Herausgekommen ist eine interaktive Karte, die sämtliche Gebäude im Unterallgäu und Memmingen hinsichtlich ihrer Nutzbarkeit für Photovoltaik erfasst und dabei auch die Situation darstellt. Also, wie gut ein Hausdach für die Sonnennutzung geeignet ist; von gut über geeignet bis bedingt und nicht geeignet. Dabei spielt dann vor allem die Ausrichtung der Dachfläche, etwa nach Norden oder auch die Beschattung, durch große, benachbarte Bäume eine Rolle. Wer sein Haus auf der Karte gefunden hat, man kann sich sowohl einer digitalen Landkarte als auch der Luftbilder bedienen, kann sich anschließend mit Hilfe des Rechenprogramms anzeigen lassen, wie viele PV-Module auf das Dach passen und welche Peakleistung, also die maximal erzielbare Verstromung bei idealen Lichtverhältnissen, möglich ist. Dazu können verschiedenste Parameter eingestellt werden, etwa, ob das Haus privat oder gewerblich genutzt wird, ob es sich um einen landwirtschaftlichen Betrieb oder eine Zweipersonenhaushalt handelt, mit entsprechendem Strombedarf. Anschließend kann man die Belegung des Daches mit Modulen wählen, automisch vorschlagen lassen oder selber platzieren. Auch die Möglichkeit, einen Batteriespeicher zwischenzuschalten für den Eigenverbrauch, ist vorgesehen. Ebenso wird nachgefragt, ob man nur Strom produzieren und selber verbrauchen bzw. verkaufen möchte oder ob auch Warmwasser (Solarthermie) genutzt werden soll. Abschließend, und wahrscheinlich für den Interessierten der wichtigste Punkt ist die Frage nach der Finanzierung: Kredit oder Eigenkapital oder eine Kombination aus beidem. Anhand dessen und der Peakleistung berechnet das Programm, wie lange es dauert, bis ein Kredit zurückgezahlt wäre und sich die Anlage amortisiert hat bzw. wie viel Geld man über einen Zeitraum von 20 Jahren mit der Anlage verdienen bzw. auch einsparen (Eigenverbrauch) kann.

Autark dank Batteriepuffer

Gerade die Frage eines Batteriepuffers mache das System erst richtig nachhaltig, so Weirather, der aus Erfahrung spricht. Er selber komme auf einen Autarkiegrad von 60 bis 70 Prozent, muss also nur noch gut ein Drittel seines Strombedarfs zukaufen. Es mache richtiggehend Spaß, so der Hausbesitzer, die Verbräuche und die Leistung der eigenen Anlage auf dem Handy, mittels Smartphoneapplikation, nachzuvollziehen. Man nutze die Energie bewusster, so Weirather und es gebe einen sekundären Effekt: „Man schmeißt alte Verbraucher raus. Sogar die letzte Glühbirne haben wir durch LED-Lampen ersetzt“. Das ist auch der Effekt, den Weirather mit der Energiewende und damit auch mit dem Solarkataster erreichen will, den Verbrauch fossiler Brennstoffe einzuschränken und den Anteil der Erneuerbaren am Strom- und Wärmeverbrauch weiter zu erhöhen. Derzeit liege man bei über 40 Prozent, angestrebt sind aber 60 Prozent. Dabei verteilt sich der Mix aber ungleichmäßig, nutzen die Unterallgäuer schon zu fast 90 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind und Wasser, der Anteil des Wärmeverbrauchs liegt aber noch bei rund einem Viertel. Ein in der Kalkulation noch unterschlagener Anteil entfällt auf die Mobilität.

Weirather ist sich sicher, dass angesichts der derzeitigen Zinsen eine PV-Anlage auf dem Dach eine gute Möglichkeit sei, Geld anzulegen, das auch Rendite abwerfe. Außerdem müsse man den Benefit für die Umwelt sehen, lässt sich doch über Solarstrom CO² einsparen. Man müsse ebenfalls sehen, dass jeder etwas tun könne und mit seinem Beitrag für die Umwelt handele. Pekuniäre Anreize, neben den KfW-Darlehen für den Häuslebauer, gibt es auch für Vermieter, die entsprechende Anlagen auf ihr Haus setzen, hier gebe es Zuschüsse. Langfristig sei man nun dabei, Listen zusammenzustellen, so Weirather, die entsprechende Fachfirmen und Berater im Landkreis auflisten. Die Energiewende Unterallgäu ist im Übrigen eine Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis, der Energie- und Umweltzentrale Allgäu sowie der Lechwerke LEW.

von Oliver Sommer

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