Aus dem Stadtrat Bad Wörishofen

"Ein gewaltiger Block!"

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Neue Zukunft für das Löwenbräu-Areal: Die künftige Höhe des Hotel- und Geschäftskomplexes, den die Firma Glass hier errichten will, wird wohl deutlich höher ausfallen.

Bad Wörishofen – „Wenn man es schaffe, einige Probleme in den Griff zu bekommen, dann haben wir ein tolles Projekt. Und wir wollen nach Kräften alles tun, damit es auch entsteht“. Erstmals bekamen die Wörishofer Stadträte und die Öffentlichkeit die Pläne der Firma Dieter Glass zu sehen und das, was auf dem Areal der Löwenbrauerei und der angrenzenden Luerswiese entstehen soll. So begeistert, wie sich Bürgermeister Paul Gruschka dazu äußerte, sollten sich nicht alle im Gremium zeigen. Die Meinungen zu dem Mammutprojekt divergierten durchaus.

Das bauliche Maß der Dinge dürfte der Baukran signalisieren, der derzeit neben dem Brauereigasthof auf einer anderen Baustelle steht. Geht man nach den Schnittzeichnungen, die Bernhard Oberstaller von der Bauverwaltung dem Gremium präsentierte, so werden die geplanten Gebäude, die anstelle der alten Brauerei und des Braugasthofes entstehen sollen, um ein vielfaches größer als der Bestand werden. Vor allem eine Kuppel mit Fahnenmast, in der eine neue Gastronomie geplant ist, überragt das Nachbargebäude in der Hermann-Aust- Straße deutlich. Als mächtiger Riegel legt sich das Gebäude mit erkennbar vier Vollgeschossen und einem Dachgeschoss an die Alfred-Baumgarten-Straße, am Eck zum Albert-Schalle -Weg soll ein weiteres Café untergebracht werden. 

Auf der derzeit noch unbebauten Luerswiese sollen zwei miteinander verbundene Mehrfamilienhäusern entstehen. So sehen es die Pläne der Bauvoranfrage vor, die Oberstaller darlegte. Im Erdgeschoss des Haupthauses soll auf knapp 1.000 Quadratmetern Fläche Platz für Einzelhandel entstehen, darüber liegt die Gastronomie und ein Hotel mit 25 Zimmern bzw. 50 Gästebetten, im Wohntrakt sollen 25 Wohneinheiten entstehen. Gravierende Abweichungen, so machte Oberstaller den Räten klar, gebe es bei der Geschossflächen- und der Grundflächenzahl, beides Indikatoren für das Maß der baulichen Nutzung. Allerdings in der Hauptsache bezogen auf das alte Gebäude der Brauerei. 

Mit der Bauvoranfrage möchte der Investor wissen, ob ein solches Objekt in dieser Lage denkbar ist und die Planungen weitergeführt werden können. Um ein solches Objekt zu genehmigen, muss aber – so oder so – der Bebauungsplan geändert werden, in diesem Fall auch um das „Maß der Baulichen Nutzung“ festzulegen. Insbesondere die Geschoßflächenzahl wird vom geplanten Komplex mit einer Quote zwischen 1,13 und 1,49 deutlich überschritten. Zugelassen ist nach dem Bebauungsplan aber nur eine GFZ von 0,7. Das sei für die Luerswiese okay, darin waren sich die Räte als auch Oberstaller einig. 

Man habe hier die Möglichkeit, etwas Attraktives zu schaffen, wenn man diese Probleme in den Griff bekomme, äußerte sich Gruschka anschließend. Hier werde nicht nur ein traditionsreiches Hotel abgebrochen, sondern man achte auch darauf, dass wieder ein vergleichbar attraktiver Brauereigasthof entstehe. „Die Löwenbrauereigaststätte ist sehr beliebt“, so der Rathauschef, „aber die Zeit der Gaststätte ist vorbei“. Nun soll Platz für Neues geschaffen werden. Insbesondere durch die Markthalle und gut 200 Parkplätzen, die vor allem auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, sei das Vorhaben von großem Wert für Bad Wörishofen, sagte er. 

Eine Aussage, die nicht von jedermann, aber vom Gros der Stadträte geteilt wurde, wie die sich anschließende Diskussion zeigte. Insbesondere die massive Bauweise („Ein gewaltiger Block!“), dass der Komplex terrassiert wird, um sich so besser einzufügen, dies aber nichts an der massiven Bauweise ändere, wurde moniert. Der Bauwerber solle Abstriche bei der Höhe machen. Zu hören war aber auch, dass der Bau ein Leuchtturmprojekt werden könne, was vor allem die Attraktivität des Einkaufsstandorts erhöhen würde. 

Auch Zweiter Bürgermeister Stefan Welzel (CSU) unterstützte diese Idee, so sei es schön, wenn sich was tue in Wörishofen. Dennoch müsse die Identität des Ortes bewahrt werden, denn mit dem geplanten Vorhaben drückt der Investor der Kommune zum wiederholten Mal seinen Stempel auf, insbesondere mit der Wuchtigkeit des Komplexes, sagte Welzel. „Wir müssen uns im Klaren sein, dass das eine grundlegende Änderung für Bad Wörishofen bedeutet“. 

Abschließend erinnerte Bauverwaltungsleiter Bernhard Oberstaller daran, dass es sich zur jetzigen Zeit ja nur um eine Bauvoranfrage handele, abschließende Entscheidungen also noch gar nicht getroffen werden müssten. Schließlich einigte man sich im Gremium darauf, dem Investor zu signalisieren, dass er mit den Planungen fortfahren kann. Entsprechend soll auch die Änderung des Bebauungsplans angegangen werden.

von Oliver Sommer

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