45 Jahre Landkreis Unterallgäu

Als der Landkreis laufen lernte

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Am Freitag, 16. September 2005, erfolgte die Verkehrsfreigabe der 4,4 Kilometer langen Ortsumgehung in Ettringen; in seiner Rede dazu betonte der damalige Landrat Dr. Hermann Haisch die Notwendigkeit der Umgehungsstraße nicht nur verkehrstechnisch, sondern auch die damit verbundene Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen. Mit der Durchschneidung des Bandes wurde die Ortsumgehung für den Gesamtverkehr freigegeben: mit dabei waren damals (v.l.) Steffen Lutzenberger, Dr. Hermann Haisch, MdL Franz Pschierer, MdB Kurt Rossmanith, Staatssekretär Georg Schmid, MdL Dr. Ingrid Fickler, Ministerialdirigent Reinhard Entorf und natürlich Ettringens Bürgermeister Robert Sturm.

Unterallgäu – Seit 2006 leitet Hans-Joachim Weirather (FW) als Landrat die Geschicke des Landes, mit ihm an der Spitze kann der Landkreis in diesem Jahr 45-jähriges Jubiläum feiern. Zählt das Unterallgäu heute zu einer der fruchtbarsten und stärksten Wirtschaftsregionen Bayerns, war der Weg dorthin – von den zarten Anfängen 1972 bis zur Gegenwart – vielen Faktoren unterworfen und sorgten Richtungswechsel und Entscheidungen dafür, dass sich aus dem landwirtschaftlich geprägten Landkreis ein innovativer, von Branchenvielfalt gezeichneter Lebensraum entwickeln konnte. Neben Hans-Joachim Weirather gehören zwei weitere Landräte erwähnt, die mit ihren Ideen, Visionen und oftmals auf den ersten Blick unpopulären Entscheidungen dem Landkreis Unterallgäu den Weg ebneten zu dem, was er heute ist: ein gesunder Wirtschaftsstandort und eine zukunftssichere Heimat für rund 140.500 Bürger.

Der erste Landrat des noch jungen Landkreises Unterallgäu war Otto Weikmann (FWV), der bereits von 1967 bis 1972 als Landrat im Kreis Mindelheim fungierte. Er sollte die Anfänge bis Ende April 1978 mitgestalten. Sein Nachfolger wurde Dr. Hermann Haisch (CSU); er übernahm das Amt ab Mai 1976 – und bekleidete es bis 31. Juli 2006. 

Unter Weikmanns Ägide vollzogen sich die Landkreisreform, die Gemeindegebietsreform als auch die Einteilung der Regionen, die heute unseren Landkreis umreißt. So lapidar, wie sich das aufzählen lässt, waren diese drei Säulen der Umgestaltung natürlich nicht zu bewältigen. „Die ersten Vorschläge der Regierung von Schwaben stießen auf allen Ebenen auf große Ablehnung“, sagt Dr. Hermann Haisch, der sich noch sehr genau an diese, ja, schicksalsträchtige Zeit erinnert. Denn die Folgen dieser Reformen hatten es in sich: 143 bayerische Landkreise reduzierten sich dadurch auf 71, von ursprünglich 110 Allgäuer Gemeinden blieben 52. Diese Reduzierung mag, umrissen auf Papier, sachlich erscheinen. Für die Kommunen und deren Bürger ging es um alles; es ging um Deutungshoheit, um regionale Befindlichkeiten, um Identität. Wo soll das Herz des Landkreises sein, wo das Landratsamt angesiedelt werden? Können Schulstandorte gehalten werden? Und: Wem bringt es Nachteil, wem Vorteil? 

Wert auf Bürgerdialog gelegt 

Viel habe sich damals zum Guten entwickeln können, weil Wert auf Bürgerdialog gelegt wurde, erinnert sich Haisch. In Ludwig Bader, CSU-Kreisvorsitzender und stellvertretender Landrat, habe man eine der Personen gefunden, die sich direkt an die Basis wandten und sich mit den Ortsvorständen verständigten. Stimmungen konnten so direkt aufgenommen und Bürger mitgenommen werden auf dem Weg zum neuen Landkreis. Wie ernst die Frage nach Identität zu damaligen Zeiten genommen wurde, zeigt die Suche nach dem Namen des neuen Landkreises. „Man wollte das Allgäu im Namen tragen“, sagt Hermann Haisch. Und so kam es denn auch. Am 1. Mai 1973 bestätigt die Regierung von Schwaben: der neue Landkreis heißt Unterallgäu. 

Weichen für die Zukunft gestellt 

Mit dem Amtsantritt von Dr. Hermann Haisch (CSU) sollte sich das Unterallgäu in großen Schritten weiterentwickeln. Präsenz sei notwendig gewesen in diesen Zeiten, sagt er, um die Weichen Richtung Zukunft zu stellen. Eine dieser Weichen zeigte sich im geplanten Ausbau der A96. Anfänglich sei man mit diesen Plänen auf Ablehnung gestoßen, sagt Haisch. Doch für ihn sei immer klar gewesen: Straßen sind die Lebensadern der Region. „Eine Voraussetzung für den Ausbau der A96 war der Bau einer Umgehungsstraße“, erklärt der heutige Altlandrat. Rund 25.000 Fahrzeuge pro Tag wären vom Oberen Tor in Mindelheim Richtung Autobahn zu erwarten gewesen – und damit Verhältnisse zu Spitzenzeiten am Rande eines Verkehrskollaps. Die Umgehung – durchaus umstritten – kam, und schaffte die günstigen Verhältnisse, die zur Entwicklung Richtung Industrialisierung vonnöten waren. Etliche Unternehmen profitieren von der exzellenten Verkehrslage, die den Raum nicht nur fast nahtlos an die Metropolregion München angliedert, sondern auch den Weg in den Süden erleichtert, dank Ausbau A96. 

Entwicklung des Wirtschaftsstandorts 

Landrat Dr. Hermann Haisch und Franz Abele, Abfallwirtschaftsberater im Landratsamt Unterallgäu stellten am 15. Februar 2006 die neue "Unterallgäuer Umweltzeitung 2006" vor. Die Broschüre enthält neben Informationen und Änderungen zur Abfallwirtschaft u.a. den Sammelkalender 2006, mit den für die Haushalte wichtigen Sammelterminen zur Grünmüllabfuhr und Schadstoffsammlung.

Ein weiteres großes Thema, das mit Hermann Haischs Amtszeit in Verbindung gebracht werden muss, ist das Thema Müllbeseitigung. Aufgrund eines wachsenden Umweltbewusstseins bekamen gemeindliche Müllkippen die Auflage, Sickerwasser aufzufangen und zu klären. Etliche Kippen mussten schließen, neue und zentrierte Standorte sollten folgen. Allein, die Standortfrage sollte erneut zu Kontroversen führen. Auch hier führte schließlich eine behutsame, wenn auch stringente Vorgehensweise zum Ziel und führten wohlüberlegte Verhandlungen mit dem Landrat von Neu-Ulm zur Lösung. Begleitend wurde die Idee, Kommunen mit Wertstoffhöfen und Kompostplätzen auszustatten, umgesetzt. Zwischenzeitlich hat sich das System so weiterentwickelt, dass – neben blauer Papier-, grüner Recycling-, brauner Biotonne – nun der Weg zur gelben Wertstoff-Tonne weiterverfolgt wird. 

Auch im schulischen Bereich tat sich viel in den Anfangsjahren des jungen Landkreises. Neben der Schaffung diverser Schulzentren, etwa Babenhausen, konnten zwei Landwirtschaftsschulen (in Mindelheim und Memmingen) erhalten bleiben. „Keine steht heute ohne Schüler da“, freut sich Hermann Haisch. 

Zu seinen Zeiten sei es geglückt, dass klösterlich geführte Schulen unter Schirmherrschaft der Diözese Augsburg gestellt werden konnten. Eine ebenso positive Entwicklung konnte im Bereich Krankenhaus und Seniorenheime erreicht werden, auch sorgte die regionale Leitbildstudie für agrarstrukturelle Veränderungen, die es ermöglichten, Arbeitsplätze in die Region zu holen, die sich mit ganz anderen Berufsbildern befassen sollten. 

Heute nun, 45 Jahre später, profitiert der Landkreis Unterallgäu nicht nur vom richtigen Gespür so mancher Mandats- und Amtsträger. Er profitiert auch von den Bewohnern selbst, von den Gestaltern unter ihnen, die im Vereinsleben, im Ehrenamt oder als Arbeitgeber selbst dafür sorgen, dass der Wirtschaftsstandort Unterallgäu wächst und in der Region seinesgleichen sucht. Ein herzlicher Glückwunsch geht an dieser Stelle darum an alle, die daran beteiligt sind.

von Regine Pätz

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