Jahresüberschuss von 14.000 Euro – Kritik an Trainerausbildungssystem

Jahreshauptversammlung: TSV Mindelheim will die Menschen abholen

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Neue Tribüne, neue Schalensitze in den Vereinsfarben: Auch dank eines Zuschusses der Stadt hat der TSV Mindelheim zuletzt sein rundum erneuertes Stadion einweihen dürfen.

Mindelheim – Wer heutzutage darauf wartet, dass die Menschen zu ihm kommen, kann lange warten. Vielmehr muss man den Einzelnen abholen und einladen, sich zu engagieren, sei es im sozialen Bereich oder beim Sport. Angesichts einer Vielzahl von konkurrierenden Angeboten müsse man auf mögliche Vereinsmitglieder zugehen, ist der Vorsitzende des TSV Mindelheim, Mitko Pertemov, überzeugt. Dank einer gut gefüllten Vereinskasse kann man Projekte für die Zukunft angehen.

Auch wenn der TSV leicht geschrumpft ist, muss es den Sportlern um ihren Vorsitzenden Mitko Pertemov vor der Zukunft nicht bange sein. Die Vereinskasse ist gut gefüllt, wie die Anwesenden bei der Jahreshauptversammlung erfuhren, und dank der Wiederwahl, oder sollte man sagen, Zurückwahl von Conny Kleiner in das Führungsgremium liegt die Arbeit in bewährten Händen. Erst vor zwei Jahren hatte Kleiner die Vorstandschaft des TSV an Mitko Pertemov übergeben, als dieser zum ersten Vorstand gewählt wurde. Nachdem der Abteilungsleiter Tischtennis, Peter Weyh-Immerz, aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Wahl angetreten war, wurde Kleiner als zweiter Vorstand wieder in das Führungsgremium gewählt, in ihren Ämtern bestätigt wurden Pertemov sowie Christian Reichert als dritter Vorsitzender des TSV.

Satter Überschuss

Auch in finanztechnischer Sicht können die Sportler unbesorgt in die Zukunft blicken. So hatten der Schatzmeister Jürgen Vogt und Karina Pertemov, die für die Mitgliederabteilung zuständig ist, positive Berichte im Gepäck. Zwar ist die Mitgliederzahl leicht geschrumpft, von 2.145 im Vorjahr auf nun mehr 2.140. Dafür aber konnte der Verein laut seinem Schatzmeister Jürgen Vogt im vergangenen Jahr einen Überschuss von gut 14.000 Euro erwirtschaften und ist damit auch schuldenfrei. Nun seien also wieder Investitionen für die Zukunft möglich, kommentierte Vogt das Ergebnis.

Echtes Schmuckkästchen

Und diese Investitionen stehen auch schon an. So ist eine der größeren Anschaffungen eine Entkalkungsanlage im Sportheim sowie die Erneuerung der Tartanbahn im Stadion. Nachdem man zuletzt die Tribüne und das Spielfeld saniert hatte, dafür flossen seitens der Stadt Zuschüsse in Höhe von 150.000 Euro. Wie der dritte Bürgermeister der Stadt, Roland Ahne, erklärte, sei nun die Leichtathletiksparte an der Reihe. Dann habe man wieder ein Schmuckkästchen, kommentierte Ahne die bevorstehenden Arbeiten.

Auch Mitko Pertemov schaute in die Zukunft. Doch für den Vorsitzenden spielen mittlerweile viele Faktoren eine Rolle: Megatrends wie Mobilität, Digitalisierung oder Individualität würden Einfluss auf Sportvereine nehmen, deshalb müssten sich Vereine und Verbände ändern und anpassen. „Die Leute kommen irgendwann nicht mehr zum Sport, sondern der Sport muss den Einzelnen abholen“, sagte Pertemov, und sparte auch nicht mit Kritik an den Verbänden. Schulungen für Vereinsmanager seien sinnvoll, nicht aber, dass man dafür bis zu acht Wochenenden aufwenden müsse. „Das ist für einen Ehrenamtlichen nicht machbar.“ Hier erwarte er von den Verbänden, dass sie die Vereine auf dem Weg in die Zukunft unterstützen.

Vorwürfe, die Uli Theophiel, Kreisvorsitzender des Bayerischen Landes-Sportverbandes BLSV, nicht unwidersprochen ließ. Der BLSV sei in der Ausbildung der Übungsleiter schon flexibler geworden. Zuletzt habe man sogar eine Erhöhung der Übungsleiterzuschüsse bei der bayerischen Staatsregierung durchgedrückt. Es sei aber auch klar, so Theophil, dass Ehrenamt auch heiße, „dass ich etwas investieren muss“. Und die Ausbildung zum Vereinsmanager sei ja kein Muss. Aber in dieser Schulung würden die Punkte für die Zukunft angesprochen, wie man etwa neue Mitglieder gewinne oder Einnahmen für ein neues Sportheim generiere.

Und zuletzt gehe es auch darum, wie man einen Verein verwalte. Dass der Vorsitzende und seine Mitstreiter aus der Vorstandschaft hier eine gute Arbeit geleistet haben, musste man Pertemov angesichts der Überschüsse und auch der Mitgliederzahlen attestieren. Da wirkte aber ein Antrag, wie ihn der zweite Abteilungsleiter Fußball, Dieter Hefele, stellte, schon abstrus. Hefele forderte, den Vereinsauftritt im Internet und in den sozialen Medien in „professionelle Hände“ zu geben. Davon würden alle Abteilungen profitieren und Geld sei ja nun wieder ausreichend da.

Oliver Sommer

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