Schreiben an 50 Unternehmer

Jan-Erik Ahlborn möchte Mindelheimer Firmen fürs Thema Blühflächen gewinnen

Der Garten von Jan-Erik und Bettina Ahlborn wurde im letzten Jahr mit dem „Naturgarten“-Siegel ausgezeichnet. Nun will der Mindelheimer auch Unternehmer für das Thema begeistern.
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Der Garten von Jan-Erik und Bettina Ahlborn wurde im letzten Jahr mit dem „Naturgarten“-Siegel ausgezeichnet. Nun will der Mindelheimer auch Unternehmer für das Thema begeistern.
  • Marco Tobisch
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Mindelheim – Im letzten Herbst wurde der Garten von Jan-Erik Ahlborn mit dem bayerischen „Naturgarten“-Siegel ausgezeichnet. Nun will der ÖDP-Stadtrat auch Unternehmer aktiv dazu motivieren, sich für den Artenschutz zu engagieren. In diesen Tagen verschickt Ahlborn Schreiben an rund 50 Mindelheimer Firmen und wirbt darin für blühende Betriebsflächen.

Für ihren etwa 40 Jahre alten Mietsgarten mit Wiesen-Saum­elementen, verschiedenen Nützlingsunterkünften, Trockenbeet und Regenwassernutzung wurden Jan-Erik Ahlborn und seine Frau Bettina im letzten Jahr ausgezeichnet. Ihr großes Engagement für den Artenschutz lobte auch Landrat Alex Eder. Nun will Ahlborn auch Mindelheimer Unternehmer dafür begeistern, „ein paar Blühflächen auf Betriebsgrund zu generieren“. Wie er die Chancen auf eine rege Beteiligung einschätzt? Es sei schwer zu sagen, „ob überhaupt jemand aus seiner Komfortzone der Geschäfte raus kommt“, meint der ÖDP-Stadtrat. Der Aufwand für die Firmen sei aber im Grunde gar nicht allzu groß, so der Fachberater für Hornissen und Wespen. „Am Geld sollte es nämlich nicht scheitern, ein paar Blühflächen einzusäen und sich selbst zu überlassen.“

Das versuchte Ahlborn nun auch den Unternehmern auf direktem Weg zu vermitteln. In seinem Schreiben zur Aktion heißt es: „Eine blühende Fläche kann mit wenig Aufwand eine ehemalige grüne Wiese über Jahre hinweg in einen essentiellen Lebensraum für Insekten verwandeln. Sie stellt in vielerlei Hinsicht einen unschätzbaren Wert für das Unternehmenskonzept dar.“

Den Wunsch, dass vielleicht schon zum Start in dieses neue Jahr zahlreiche Unternehmer ein paar Quadratmeter ihres Firmengeländes Blühwiesen und heimischen Wildblumen widmen, verbinde er übrigens nicht mit Lob, Kritik oder Profit, stellt Ahlborn klar. Es gehe nur darum, ein Zeichen für „blühendes Leben“ und die Artenvielfalt zu setzen. Denn: „Wissen Sie, was schlimmer ist als der alljährliche Artenrückgang und der Verlust von Lebensräumen? Nichts dagegen zu tun“, so Ahlborn in seinem Schreiben an die Unternehmer. Interessierte will der ÖDP-Stadtrat gerne selbst vor Ort beraten – übrigens kostenlos – und dabei aufzeigen, wie auf Unternehmensflächen etwas für die Natur unternommen werden kann.

Wer sich beteiligt, den will Ahlborn mit Vorher-/Nachherfotos per Drohne auf seiner zum Thema eingerichteten Homepage vorstellen. Auch Unternehmen, die kein Schreiben erhalten haben, seien herzlich zur Teilnahme eingeladen, so Ahlborn.

Vom Freistaat ausgezeichnet

Auch vom Bayerischen Umweltministerium gibt es mit dem „Blühpakt Bayern“ bereits ein vergleichbares Projekt. Schon über 70 „Blühende Betriebe“ hat der Freistaat in dessen Rahmen bereits ausgezeichnet – darunter übrigens auch einen Mindelheimer: Pünktlich zu ihrem 35-jährigen Firmenjubiläum wurde die Druckerei Wagner im Herbst 2019 ausgezeichnet. Grund dafür ist unter anderem, dass Druckerei-Chef Dietmar Wagner seit einigen Jahren auf seinem Betriebsgelände in der Fellhornstraße den Landschaftspflegeverband (LPV) und den Maschinenring beherbergt, die sich von dort aus unter anderem für die Artenvielfalt und den Naturschutz im Landkreis einsetzen.

Was es ansonsten braucht, um in den Augen des Freistaates offiziell als „blühender Betrieb“ zu gelten? Mindestens 20 Prozent aller Freiflächen des Firmengeländes müssen naturnah gestaltet sein, chemische Pflanzenschutzmittel sind tabu. Zudem müssen Blühflächen im Winter ungemäht stehen bleiben – und torfhaltige Substrate dürfen für die Pflege nicht eingesetzt werden.

Derartige Hürden hat Jan-Erik Ahlborn für sein Projekt auf lokaler Ebene nicht festgelegt. Auch, wenn er der Natur zuliebe auf viele Rückmeldungen hofft, so sagt er auch: „Selbst, wenn nur einer mitzieht, haben wir gewonnen!“

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