Schnelle Hilfe im Notfall

Johanniter und Feuerwehr planen First Responder für Türkheim und Umgebung

First-Responder-Fahrzeug der Johanniter
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Mit umfangreicher Ausstattung können die First Responder bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und Notarztes qualifizierte Hilfe vor Ort leisten. Ähnlich bestückt soll auch das Türkheimer Einsatzfahrzeug sein.

Türkheim – Bei einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder Kindernotfall zählt jede Minute. Um hier die Zeit bis zum Eintreffen von Rettungsdienst und Notarzt zu überbrücken, plant die Freiwillige Feuerwehr Türkheim gemeinsam mit den Johannitern, ein First-Responder-Team in Dienst zu stellen. Daniel Lesti von der Feuerwehr Türkheim und Thomas Schneele von den Johannitern beschreiben, was bereits im gemeinschaftlichen Projekt organisiert wurde und welche Schritte noch anstehen.

„Sehr gute Ortskenntnisse, kurze Anfahrtswege und schnelle qualifizierte Erste Hilfe zeichnen die First Responder aus,” sagt Lesti. First Responder sollen ergänzend zu Rettungswagen und Notarzt bei Notfällen im Ortsgebiet Türkheim und Irsingen sowie den Verwaltungsgemeinden Rammingen, Amberg und Wiedergeltingen alarmiert werden. „Ziel ist ganz klar, das therapiefreie Intervall in der Notfallversorgung zu minimieren. Statt zum Beispiel bei einem Herzinfarkt erst eine Defibrillator im Ortsgebiet zu suchen, kommt dieser quasi direkt zum Patienten,” ergänzt Schneele, „zusammen mit zwei fachkundigen Ersthelfern, welche bis zum Eintreffen und der Übergabe an den Regelrettungsdienst Erste Hilfe leisten.”

Schneele kann bereits auf acht Jahre positive Erfahrung aus Kaufbeuren zurückblicken. Denn dort betreiben die Johanniter bereits ein First-Responder-Team: „Wichtig ist es uns, hervorzuheben, dass die First Responder keine Konkurrenz zum Regelrettungsdienst sind und schon gar nicht etwaige Rettungswachen und Rettungswagenstandorte ersetzen können oder sollen. Lediglich die Zeit zwischen Notruf und dem Eintreffen des Rettungswagens soll durch die First Responder überbrückt werden. Nach dem Eintreffen des Regelrettungsdienstes erfolgt dann die Übergabe des Patienten für die Behandlung und den Transport in das Krankenhaus.”

Bis es jedoch in Türkheim soweit ist, muss laut Lesti noch einiges erreicht werden: „Wir haben bereits ein Ausbildungskonzept sowie einen medizinischen Beladungsplan für das Einsatzfahrzeug erstellt, auch wurden Angebote für Bekleidung und Gerätschaften angefragt, doch die finale Genehmigung durch den Zweckverband Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung sowie die ILS Donau-Iller ist noch nicht erfolgt.” Dazu müssen noch entsprechende Anträge erstellt werden.

Das soll laut Lesti spätestens nach der Marktgemeinderatssitzung am heutigen Donnerstag erfolgen. In der Sitzung wird es auch um die einmalige Investition der Marktgemeinde für Ausstattung und Bekleidung in Höhe von 14.000 Euro gehen. Das Einsatzfahrzeug wollen die Johanniter stellen. Letzten Endes soll die First-Responder-Gruppe vollständig spendenfinanziert getragen werden. „Ohne die Erstinvestition können wir jedoch nicht beginnen,” erklärt Lesti.

Offen für alle, die helfen wollen

Während Ausstattung und Fahrzeug spendenfinanziert sind, stellt sich das Personal der First Responder ausschließlich aus ehrenamtlichen Kräften zusammen. Hierbei haben sich bereits Feuerwehrdienstleistende aus Türkheim und Irsingen gemeldet. Auch die Johanniter werden ehrenamtliches Personal stellen. „Wir benötigen dauerhaft gut 20 Helferinnen und Helfer, um einen ordentlichen Dienst aufrecht zu erhalten,” beschreibt Türkheims Erster Kommandant Ulrich Schwelle die Situation. „Derzeit haben wir deutlich über 20 Freiwillige.”

Grundsätzlich ist das Ehrenamt im First-Responder-Team für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger offen; eine Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr oder den Johannitern ist keine Voraussetzung. Was jedoch zwingend auf die Helferinnen und Helfer zukommt, ist eine mindestens 80-stündige Fachausbildung zum First Responder, welche durch die Johanniter durchgeführt wird.

Wenn alles so läuft wie geplant, sollen die First Responder bereits ab dem 1. Juni 2021 über die Leitstelle Donau-Iller alarmierbar sein und ein Stück mehr Sicherheit für die Bevölkerung in und um Türkheim schaffen. Dafür ist nicht nur das Wohlwollen der Marktgemeinderäte notwendig, sondern auch die Unterstützung durch den Zweckverband Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung sowie die Integrierte Leitstelle Donau-Iller. Jeremy Rizer

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