Erste Bewährungsprobe

Joseph-Bernhart-Gymnasium: 300.000 Euro für Digitalisierung – Erste Erfahrungen mit Homeschooling

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Das Joseph-Bernhart-Gymnasium kann 300.000 Euro vom Freistaat in die Hand nehmen, um die Digitalisierung an der Schule voranzutreiben. Erste Erfahrungen mit Videoschulung und digitalen Plattformen hat man bereits während des Homeschoolings gesammelt.

Türkheim – In den kommenden fünf Jahren zapft das Joseph-Bernhart-Gymnasium zwei Fördertöpfe (vom Bund und vom Freistaat) an, um die Digitalisierung an der Schule voranzutreiben. Wie Schulleiter Josef Reif die rund 300.000 Euro einsetzen will, erklärte er zuletzt bei der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Gymnasium Türkheim. Schon im Homeschooling wurden verschiedene digitale Plattformen wie „Microsoft Teams“ und „Mebis“ bei der Q11 und Q12 ausprobiert und über Videokonferenzen geschult. Nun werden erste Schlüsse daraus gezogen.

Was stellt man mit rund 300.000 Euro für die digitale Ausstattung einer Schule an? Unter anderem werden, so verkündete Reif, die Computerräume neu ausgestattet, das Fach Naturwissenschaft erhält moderne Messgeräte. Ebenfalls auf der Einkaufsliste stehen zwei Tabletkoffer mit insgesamt 30 Tablets. Damit gehe das Türkheimer Gymnasium den „mittleren Weg“, so Reif, mit nicht zu viel und nicht zu wenig Ausstattung.

Gerade in Zeiten von Corona, wo sich die Schüler wochenlang daheim den Unterrichtsstoff selber beibringen mussten, ist die digitale Ausstattung einer Schule entscheidend. Die fünfte bis zehnte Jahrgangsstufe erhält laut Reif montags über das „gut ausgestattete, robuste E-Mail-System“ die Aufgaben. Am Donnerstag gibt es gegebenenfalls die Lösungen dazu. „Das System lässt uns nicht im Stich“, sagte der Schulleiter.

Im Bereich der Digitalisierung könne man es aber nicht allen Eltern recht machen. Die eine Hälfte findet Videokonferenzen/-schulungen gut, genauso viele Eltern wollen lieber weg von der Digitalisierung und hin zum Analogen. Aber es gibt auch positive Rückmeldungen zum Homeschooling: Ein Kind zum Beispiel, erzählte Reif, berichtete seinen Eltern, dass es von seinen Lehrern noch nie so viel berichtigt wurde wie jetzt, da sich die Lehrkräfte momentan mehr Zeit für einzelne Schüler nehmen könnten.

Roswitha Siegert, die dieses Jahr wie auch Heidi Zacher, Silverius Bihler und Otto Rinninger aus dem Zweckverband Gymnasium Türkheim nach jahrzehntelanger Arbeit ausscheidet, sagte aus Sicht einer Großmutter, dass einzelne Lehrer die Kontrolle der Aufgaben unterschiedlich handhaben würden. Manche überprüfen die Ergebnisse stichprobenartig, andere kontrollieren jedes Wort. Siegert begrüßt, dass der Unterrichtsstoff abwechslungsreich und didaktisch aufbereitet wurde, damit sich die Kinder dafür auch interessieren. So werden Aufgabenstellungen bebildert oder die Kinder müssen mal ein Kreuzworträtsel ausfüllen.

Homeschooling hat Grenzen

Reif machte aber auch die Grenzen des Homeschoolings deutlich, denn bei einer Videoschulung bestehe die Gefahr, dass man noch weniger Schüler erreiche als sonst, da die Eltern ebenfalls im Homeoffice sind und den Computer oder Laptop für ihre eigene Arbeit brauchen und somit die Kinder keinen Zugang mehr auf ein solches Gerät haben. Strikt im Lernplan zu bleiben, sei aktuell sowieso nicht möglich, sagte Reif. Je nach Schulklasse würden entweder neue Themen eingeführt oder bereits erlernte Sachverhalte wiederholt – doch bei komplexen Inhalten sei für die Videoschulung Endstation. „Nicht jedes Thema eignet sich dazu“, meint Reif.

Vor zwei Wochen durften die 65 Abiturienten das Schulgebäude wieder betreten. Sie waren die ersten, die außerhalb der Klassenräume einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Diesen hatten die Schüler aber selbst zu organisieren, so der Schulleiter. Die Abschlussklassen haben nun keine Frei­stunden mehr, sondern kommen nur noch zum Unterricht (zwei bis sechs Stunden) zusammen. An der Struktur der Stundenpläne werde sich nichts ändern, das „Raster bleibt erhalten“, so Reif, um mit dem Fahrplan des ÖPNV konform zu bleiben. Die Q12 stünde laut Reif unter einem „massiven Druck“. Sie hätte zwar für ihr Abitur mehr Zeit zur Vorbereitung, viele Schüler hätten aber auch ihren Rhythmus verloren. Die Verunsicherung sei groß.

Skepsis bei Maskenpflicht

Gegenüber der Mundschutz-Pflicht bei der fünften und sechsten Jahrgangsstufe zeigte sich Reif aber skeptisch. „Das ist eine andere Geschichte, die ich nicht beantworten kann.“ Mit der Q12 sammle man zunächst einmal die ersten Erfahrungen. Türkheims Bürgermeister Christian Kähler ist der Meinung, dass das Tragen einer Maske zur Selbstverständlichkeit werden müsste, etwa wie das Tragen eines Helms. Leichte Bedenken äußerte auch Altlandrat Hans-Joachim Weirather bezüglich des Maskengebots bei den unteren Jahrgangsstufen, denn die Kleinen seien im Umgang miteinander spontaner. Aber „man muss sich auch trauen, etwas auszuprobieren“.

Das Türkheimer Gymnasium durchlebt wie alle anderen Schulen auch eine besondere Phase, die alleine nicht zu bewerkstelligen wäre. Deswegen bedankte sich der Schulleiter auch bei seinen zwei Stellvertretern, Friedrich Erbshäuser und Thomas Meyer, sowie beim Hausmeister Heiko Krause für die tatkräftige Unterstützung. Trotz der schwierigen Zeit berichtete Reif auch etwas Positives: Im kommenden Schuljahr bietet das Gymnasium eine Einführungsklasse für Schüler an, die vorab schon einen mittleren Schulabschluss erreicht haben und noch nicht volljährig sind. In der 10. Klasse bereiten sich die Schüler so auf die Qualifikationsphase des Gymnasiums vor und erwerben am Ende das Abitur. „Die Schüler wachsen in die bestehende Schulgemeinschaft rein“, sagte Reif. In den abiturrelevanten Kernfächern werden sie intensiv gefördert. Mit Spannung erwartet Reif die Neuanmeldung in einer Zeit, wo Veranstaltungen wie der „Tag der offenen Tür“ und ein Infoabend nicht stattfinden können. 

Julia Böcken

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