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Jubiläum bei der Mindelheimer Feuerwehr: „Unverzichtbare Säule“ seit 160 Jahren

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Von: Klaus D. Treude

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In der Bad Wörishofer Straße, wo die Mindelheimer Feuerwehr beheimatet ist, findet am kommenden Samstag ein großer Tag der offenen Tür statt.
In der Bad Wörishofer Straße, wo die Mindelheimer Feuerwehr beheimatet ist, findet am kommenden Samstag ein großer Tag der offenen Tür statt. © Feuerwehr Mindelheim

Mindelheim – Vor 160 Jahren – exakt am 18. Juli 1862 – wurde die Freiwillige Feuerwehr Mindelheim gegründet. Mit einem „Tag der offenen Tür“ für alle Bürgerinnen und Bürger feiern die Nachfolger der damaligen Mindelheimer Floriansjünger am kommenden Samstag, 24. September, das Jubiläum mit einem bunten Programm für Jung und Alt. 

Am 2018 erweiterten Feuerwehrhaus in der Bad Wörishofer Straße geben sie ab 15 Uhr bei verschiedenen Schauübungen einen Einblick in die Leistungsfähigkeit der heutigen Wehr und stellen ihre Einsatzfahrzeuge vor. Mit dabei sind auch Polizei und Bayerisches Rotes Kreuz, die wie die Feuerwehr zu den sogenannten „Blaulichtorganisationen“ zählen und mit denen sie Hand in Hand arbeiten. Für die Kinder wird ein buntes Programm geboten und abends ist Stimmung mit der Band „Käs änd Roll“ angesagt. Selbstverständlich ist dann auch für das leibliche Wohl zu familienfreundlichen Preisen gesorgt. Der Eintritt ist frei.

Die Feuerwehr ist noch immer ein Ehrendienst

Leisteten in den Anfangsjahren (zwischen 1875 und 1920) der Mindelheimer Feuerwehren – neben der Freiwilligen gab es eine Pflicht-Feuerwehr für diejenigen, die dieser nicht beigetreten waren – im Schnitt etwa 200 Feuerwehrmänner jährlich Feuerwehrdienst, so sind es aktuell 113 Männer und eine Frau, die zu Einsätzen ausrücken können. Eine stolze Zahl, zumal vor dem Hintergrund, dass es einen Feuerwehr-Pflichtdienst hierzulande nicht gibt und die frühere Feuerwehrabgabe längst in Vergessenheit geraten ist.

Feuerwehrdienst ist Ehrendienst. Das war vor 160 Jahren so und so ist es heute immer noch. So verstehen die Mindelheimer Feuerwehrkameraden auch ihr Motto „Unsere Freizeit für Ihre Sicherheit!“ – 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag! Ehrenamtlich und ohne Entlohnung. Nachwuchssorgen habe man keine, so der für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Christian Häfele, „aber es ist generell schwierig geworden, jemanden für die Übernahme eines Ehrenamts zu gewinnen.“ Wer sich dann doch zu einem solchen Schritt entschließt, darf sich über die Genugtuung freuen, anderen Menschen in schwierigen Situationen helfen zu können. Er kann aber auch für sich persönlich Gewinn aus dem Dienst als Feuerwehrmann/-frau ziehen. Etwa durch die hochwertige, interessante Aus- und Weiterbildung, aber auch den kameradschaftlichen Zusammenhalt in der Mannschaft. Häfele: „Der stimmt und ist einzigartig!“ Bestimmt lag es auch daran, ergänzt er, dass die Mindelheimer Feuerwehr während Corona-Zeiten keine Mitglieder verlor.

Dass die heutige Feuerwehr trotz ihrem gewaltig erweiterten Aufgaben­spektrum mit deutlich weniger Aktiven als die Kameraden vor über hundert Jahren auskommt, hat viele Gründe: Positiv beispielsweise wirken sich der bessere Brandschutz und die bessere Infrastruktur aus.

Von der „Feuerwehrjoppe“ zur modernen Schutzkleidung

Auch die moderne, zweckmäßige Ausrüstung und die Ausstattung der heutigen Wehr haben damit zu tun. Das fängt bei der persönlichen Schutzkleidung an – damals hatten die Mindelheimer Feuerwehrleute auf Geheiß des Stadtmagistrats „aus eigenen Mitteln eine ‚Feuerwehrjoppe‘ zu beschaffen“ – geht mit Spezialwerkzeugen und Atemschutzgeräten weiter und endet bei hochmodernen, ausgeklügelt ausgestatteten Einsatzfahrzeugen.

14 Einsatzfahrzeuge und drei Anhänger stehen im Fuhrpark, sogar die 14-köpfige Jugendfeuerwehr hat eigene Fahrzeuge und zwei feuerwehrrote, ausrangierte, aber liebevoll gepflegte „Schätzchen“, darunter ein satte 115 PS starkes Tanklösch­fahrzeug „TLF 15 Typ Bayern“ aus dem Jahr 1954. Letzteres dürfte beim „Tag der offenen Tür“ am kommenden Samstag ein echter Hingucker sein wie die hochmoderne Drehleiter mit Korb „DLAK 23/12“, 320 PS stark und 2019 neu dazugekommen. „Das ist die modernste Drehleiter im Landkreis und mit ihrer niedrigen Bauart sowie dem knickbaren Leiterpark perfekt für Einsätze in der Altstadt geeignet“, meint ­Christian Häfele stolz.

Wie bereits erwähnt, hat sich das Einsatzspektrum der Feuerwehr in den letzten 160 Jahren dramatisch verändert. War es damals meist die Bekämpfung von Bränden, so gehören heute viele weitere Aufgaben dazu: Neben der Brandbekämpfung auch die Beseitigung drohender Brand- oder Explosionsgefahren sowie technische Hilfe bei sonstigen Unglücksfällen oder Notständen im öffentlichen Interesse. Zwischen 150 bis 200 Mal im Jahr rückt die Feuerwehr aus.

Zur Sprache dürfte zum 160-jährigen Jubiläum auch das größte Brandereignis der jüngeren Vergangenheit: 2019 hatten die Feuerwehrler bei der Firma Weikmann (Foto rechts) mehr als 3.300 Einsatzstunden verbucht.
Zur Sprache dürfte zum 160-jährigen Jubiläum auch das größte Brandereignis der jüngeren Vergangenheit: 2019 hatten die Feuerwehrler bei der Firma Weikmann mehr als 3.300 Einsatzstunden verbucht. © Feuerwehr Mindelheim

Immer wieder gab es spektakuläre Einsätze. Gut in Erinnerung ist den Mindelheimern der letzte Großbrand in der Mindelheimer Bahnhofstraße im Jahre 2019, bei dem die Lagerhalle und andere Gebäude eines Agrarhandels komplett zerstört wurden. Mehr als 3.300 Einsatzstunden musste die Mannschaft leisten. Der langwierige Einsatz dauerte ein halbes Jahr, vor allem die Silos stellten die Feuerwehrleute vor große Probleme.

Schwere Einsätze auf der A96

Durch ihre räumliche Nähe zur A 96 werden die Mindelheimer Floriansjünger oft zu – häufig schweren und damit für sie selbst extrem belastenden – Unfällen auf der Autobahn gerufen. Allein in diesem Jahr bereits 15 Mal. Vor allem für die technische Unfallrettung bei derartigen Einsätzen wurde die Wehr mit drei Hydraulischen Rettungssätzen, bestehend aus Rettungsschere, Spreizer und Zylinder, ausgestattet. Das PSNV-Team (Psychosoziale Notfallversorgung) der Feuerwehr steht den Einsatzkräften bei belastenden Einsätzen zur Seite.

Ohne das große Verständnis der Arbeitgeber für die Abstellung ihrer Feuerwehrdienst leistenden Mitarbeiter zu Einsätzen und Übungen – auch tagsüber – wäre die Durchführung des Feuerwehrauftrags ungleich schwieriger. Für diese Unterstützung ist die Feuerwehr-Führung ebenso dankbar wie für das große Verständnis der Angehörigen der Feuerwehrleute.

Dankbarer Bürgermeister

Auch vom Bürgermeister gibt´s viel Lob: „Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr bilden eine unverzichtbare Säule der Gesellschaft. Ich danke herzlich für Ihren uneigennützigen Dienst und unermüdlichen Einsatz“, so Dr. Stephan Winter anlässlich des Jubiläums. Dass der Rathauschef hinter seiner Wehr steht, zeigte er in der Vergangenheit nicht nur mit Worten, sondern auch durch zahlreiche Besuche: Bei der jüngsten Hauptübung Ende Juli überzeugte sich Winter an vorderster Front – und sprach den Ehrenamtlichen seinen Dank aus, ebenso wie schon wenige Wochen zuvor bei der 160. Mitgliederversammlung im Forum. Dort betonte Winter, wie wichtig ihm und dem Stadtrat eine schlagkräftige und modern ausgestattete Feuerwehr sei.

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