Zum 200. Geburtstag des „schwäbischen Bienenvaters“

Jubiläumsausstellung: „Pfarrer Kneipp & seine Bienen“ in Bad Wörishofen eröffnet

Kneipp Bienen Ausstellung
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Durch ihr Engagement kam die sehenswerte Ausstellung „Pfarrer Kneipp & seine Bienen“ zustande. Dies sind unter anderem (v. rechts): Stadtpfarrer Andreas Hartmann, Bürgermeister Stefan Welzel, Hauptorganisatorin Paola Rauscher, Bund Naturschutz-Vorsitzender Alexander Siebierski und Pastoralreferent Philip Heyer.

Bad Wörishofen – „Damit ich in meiner Jugend immer eine Beschäftigung hatte, schenkte mir mein Vater Franz-Xaver einen Bienenstock, der mich mehr freute, als wenn ich einen Bauernhof bekommen hätte.“ So erinnert sich Pfarrer Sebastian Kneipp, der „schwäbische Bienenvater“, an die Anfänge seiner lebenslangen Zuneigung zu den Honigsammlerinnen. An diese besondere Seite Kneipps soll auch die Ausstellung „Pfarrer Kneipp & seine Bienen“, erinnern, die in der St. Ulrichs-Pfarrkirche in der Wörishofer Gartenstadt kürzlich eröffnet wurde und die noch bis Ende Oktober zu sehen ist. 

Anlässlich seines 200. Geburtstag am 17. Mai 2021 haben etliche ehrenamtliche Helfer eine Vielzahl von Veranstaltungen organisiert, um auf die Tätigkeiten des in Stephansried bei Ottobeuren geborenen Seelsorgers hinzuweisen – doch das Coronavirus machte die ersten geplanten Veranstaltungen zunichte.

Nicht so die feierliche Eröffnung der Ausstellung „Pfarrer Kneipp & seine Bienen“. Mitorganisator Stadtpfarrer Andreas Hartmann und Hauptorganisatorin Paola Rauscher sowie viele Helfer haben eine sehenswerte Ausstellung auf die Beine gestellt, die noch bei freiem Eintritt bis zum 30. Oktober, täglich von 9 bis 18 Uhr, außerhalb der Gottesdienste, geöffnet hat.

Stadtpfarrer Hartmann, der zusammen mit Diakon Filip Bäder den Festgottesdienst zelebrierte, der musikalisch von der Dirigentin des Unterallgäuer Bäuerinnenchors Sanni Risch umrahmt war, dankte allen, die bei dieser Ausstellung tatkräftig mitgeholfen haben.

So auch Pastoralreferent ­Philip Heyer von der Offenen Stadtkirche St. Nikolaus (Friedrichshafen), der bei der Arbeit „Himmelschwärmer“ der Künstlerin Felicia Glidden und weiteren Bürgern mitgearbeitet hatte, die für diese Ausstellung ausgeliehen wurde. Dabei gruppieren sich eine Vielzahl von Bienen um große Sonnenblumen. Schon im Freien werden die Gäste von liebevoll gefertigten Bienen aus verschiedenen Materialien empfangen.

Umfassender Kümmerer

Bevor Stadtpfarrer Hartmann die Ausstellung eröffnete, erläuterte Paola Rauscher die verschiedenen Elemente dieser Schau: Auf Postern sind verschiedene Stellungnahmen des Seelsorgers rund um den Honig aufgeführt. Aber vor allem stellte sie die Broschüre „Pfarrer Kneipp & seine Bienen – Anleitung zur Verbesserung der Bienenzucht in Körben und Kästen, besonders für Anfänger“ aus dem Jahr 1875 vor. Diese zeigt, wie umfassend sich der Wörishofer Geistliche, um die fleißigen Honigsammlerinnen gekümmert hat. Sogar das Korbflechten lernte er so.

Im Laufe der Jahre beschäftigte sich Kneipp immer mehr mit der Imkerei, so dass er bald ein beachtliches Wissen erwarb, was sich auch weit außerhalb von Wörishofen herumsprach. Dazu schrieb etwa Pfarrer Schuster aus Mindelheim in sein Imkeralbum: „Wer in der Bienenzucht etwas profitieren wollte, ging zum Pfarrer Kneipp. Hunderte von Bienenhaltern, die oft den weitesten Weg nicht scheuten, hat er erst zu Bienenzüchtern gemacht, und immer bereitete es dem würdigen Manne große Freude, wenn er den in Wörishofen versammelten Bienenfreunden Unterricht in der Bienenzucht geben konnte.“ Ein Abdruck des Büchleins liegt für Imkerfreunde aber auch Anfänger in der St. Ulrichs-Kirche aus.

In der Jubiläums-Broschüre bezieht auch Dr. Karl-Georg Michel, seit Dezember 2020 einer der beiden Umweltbeauftragten der Diözese Augsburg, Stellung. Er fühlt sich mit Pfarrer Kneipp seit seiner Schulzeit in Dillingen an der Donau verbunden, in der Stadt, wo Kneipp als Student und Priesterseminarist wichtige Erfahrungen für seine Wassertherapie gesammelt hat. „Beeindruckt bin ich vor allem von der großen Offenheit und der Experimentierfreude, mit der er seiner Umwelt begegnete.“ Er weist darauf hin, dass Kneipp die Faszination für Gottes Schöpfung und ihre Gesetze wohl schon als Jugendlicher auf dem heimischen Bauernhof im Umgang mit den Bienen gelernt hat.

Dr. Michel weist weiter darauf hin: „Von Pfarrer Kneipp und seiner Faszination für die Bienen zu lernen, bedeutet für mich deshalb, wie er einen großen Respekt vor Gottes Schöpfung zu haben. Sie ist uns nur geschenkt. Jedes Geschöpf sollte in ihr den Platz finden, der ihm zusteht. Lernen sollten wir gerade jetzt auch von den Erfahrungen mit Corona. Zeigt uns doch dieses Virus in aller Deutlichkeit unsere eigene Hilflosigkeit auf.“

Toni Ledermann

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