Jürgen Bäurle im Gespräch mit Jugendlichen

JWU-Fraktionschef im Kreistag: „Aktuell Jugendlicher sein? Lieber nicht“

Bäurle Fuhrmann Kreisjugendring
+
Jürgen Bäurle, Fraktionsvorsitzender der JWU im Kreistag, stellte sich letzten Freitag den Fragen der Unterallgäuer Jugend. Die Moderation übernahm ­Lisa Fuhrmann vom Kreisjungendring.
  • Jessica Socher
    vonJessica Socher
    schließen

Mindelheim/Unterallgäu – Das Mindelheimer Jugendhaus JiM, eine Einrichtung des Kreisjugend­ring Unterallgäu, organisiert seit vergangener Woche die Interviewreihe „Heute fragen wir…“, in der sich die Jugend mit Kreistagspolitikern austauscht. Am Freitag haben diese „politischen Wochen“ begonnen: Erster Gast war Jürgen Bäurle, Fraktionsvorsitzender der Jungen Wähler Union (JWU) im Unterallgäuer Kreistag.

Um möglichst viele Jugendliche zu erreichen, finden die Livegespräche online auf dem Instagramkanal des Jugendhauses JiM (jugendarbeit_mindelheim) statt. Zum Interview eingeladen werden alle Parteien, die im Unterallgäuer Kreistag vertreten sind. Die Mitarbeiter des Kreisjugendrings moderieren die Gesprächsrunde. Das Hauptthema der politischen Wochen soll „Jugendliche in der Coronazeit“ sein. Knapp 20 Zuschauer verfolgten den Livestream mit ­Jürgen Bäurle. Lisa Fuhrmann moderierte das knapp zwanzig Minuten lange Gespräch.

Jürgen Bäurle ist nicht nur der Fraktionsvorsitzende der JWU im Kreistag, sondern auch stellvertretender Schulleiter an den Beruflichen Schulen in Bad Wörishofen. Er sei somit „ganz gut an der Jugend dran“. Zudem ist Bäurle Vater zweier Töchter (2 und 7). „Wir hängen da voll mit drin in der Corona-Situation“, sagt Bäurle.

Im Unterallgäu erträglicher als in der Großstadt

Jugendlicher möchte er derzeit nicht sein. Die Fitnessstudios sind zu, Partys sind nicht möglich und Freunde können nur eingeschränkt getroffen werden. „Das ist wirklich schlimm“, sagt Bäurle. Neben der privaten Seite gibt es noch die schulische: Die Jugendlichen, die er unterrichtet, gehen allesamt in Abschlussklassen. Sie haben das „ganz große Glück“, dass sie seit Februar in die Schule kommen dürfen, erklärt der stellvertretende Schulleiter. „Die anderen Klassen tun mir unheimlich leid, die hocken den ganzen Tag daheim.“ Dennoch hätten es die Jugendlichen im ländlichen Unterallgäu „bestimmt noch besser“ als in der Großstadt, denn hier könne man viel nach draußen gehen. Doch: „In der jetzigen Zeit Jugendlicher sein? Lieber nicht“, wiederholt der 38-Jährige. In der Politik höre man derzeit „unglaublich wenig“ über die Situation der Jugendlichen. Dennoch glaubt der JWU-Fraktionsvorsitzende, dass die Politik die Jugendlichen nicht vergessen habe. Aktuell sei jedoch Kontaktvermeidung das vordergründige Ziel und deshalb im Fokus, sagt Bäurle.

Für ihn sei es wichtig, der Jugend zuzuhören und das Gefühl zu geben, gehört und ernstgenommen zu werden. Wichtig sei ihm, dass in der Politik keine Dinge gefordert werden, die dem gemeinsamen Ziel hinderlich seien. Das betreffe beispielsweise die Öffnung von Schulen. „Ich wünsche mir da ein bisschen mehr Durchhaltevermögen und Zuverlässigkeit“, sagt Bäurle. Er sei stolz auf die Schüler, denn die Jugendlichen an der Schule gehen mit der Situation „unglaublich gut um“, lobt Bäurle. Dennoch müssten die Schule nach der Pandemie versuchen, durch Zusatzstunden, Nachhilfeunterricht und Ähnlichem die Wissenslücken der Schüler zu schließen. Dabei fordert der 38-Jährige auch finanzielle Unterstützung von der Politik.

Mehr Tests, mehr Sicherheit

Bäurle ist überzeugt, dass die Impfungen und Schnell- und Selbsttests an Schulen Sicherheit geben. Auch im privaten Umfeld könne jeder für eine gewisse Sicherheit sorgen: „Wenn ihr wieder ins Kino gehen wollt, warum nicht mit Schnell- oder Selbsttests?“, fragt Bäurle. Wenn damit eine Lockerung möglich wäre, fände er das eine „super Sache“.

Bäurle befürchtet dennoch, dass die Krise langfristig Auswirkungen auf die Jugend haben wird. Vor allem die Schüler, die sich im Distanzunterricht nicht voll konzentrieren, würden sich schwer tun, die Schule wieder „als das wahrzunehmen, was sie eigentlich ist“. Das gelte auch für die Studierenden, die nun seit eineinhalb Jahren von zuhause aus studieren. „Ich hoffe, dass jeder seine Motivation findet, wieder Gas zu geben“, sagt der Fraktionsvorsitzende.

Das sei auch ein Thema in der Berufsausbildung. Die Berufsorientierung sei schwer, viele Praktika fallen aus. Die Wirtschaft habe aktuell ein „riesiges Problem“, an Auszubildende zu kommen. Die beruflichen Schulen Bad Wörishofen haben deshalb die Plattform „Jobchancen Bad Wörishofen“ gegründet, die seit letzter Woche online ist. Hier können Schüler aktuelle Jobangebote in Bad Wörishofen und Umgebung finden.

Hoffnung Bundestagswahl?

Der Fraktionsvorsitzende der JWU blickt dennoch „sehr positiv“ in die Zukunft. Sein größter Wunsch für die Politik ist es, „dass diese Spaltung keine negativen Konsequenzen für unser Land haben wird.“ Große Hoffnungen setzt er auf die Bundestagswahl im Herbst, woraus hoffentlich eine „vernünftige“ Regierung hervorgehe und „wir als Deutschland demokratisch, gemeinsam und positiv gestimmt aus dieser Krise herauskommen.“ Bäurle ist vor allem „unglaublich positiv begeistert“, wie die Jugend derzeit mit der Corona-Pandemie umgeht.

Weiter ging die Interviewreihe des Kreisjugendrings am Montag mit Landrat Alex Eder. Am Freitag, 23. April, ist Daniel Pflügl, Fraktionsvorsitzender der Grünen und Zweiter Bürgermeister von Bad Wörishofen, zur selben Uhrzeit mit dabei. In den kommenden Wochen werden auch Vertreter der CSU, FDP, SPD, AfD und ÖDP live interviewt.

Auch interessant

Meistgelesen

Bad Wörishofen: Wirbel um eine Feuerwehrübung
Bad Wörishofen: Wirbel um eine Feuerwehrübung
Wildschweinkamera zeichnet Vandalismus-Poser in Altensteig auf
Wildschweinkamera zeichnet Vandalismus-Poser in Altensteig auf
Seltsamer Müll-Trend? Mindelheimer Polizei kritisiert Freinacht-Vorfälle
Seltsamer Müll-Trend? Mindelheimer Polizei kritisiert Freinacht-Vorfälle

Kommentare