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Kann in Siebnachs denkmalgeschützten Stadel ein Kindergarten einziehen?

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Von: Melanie Springer-Restle

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Zum Ensemble des alten Siebnacher Pfarrhofes gehört auch dieser Stadel aus dem Jahr 1828, den höchstwahrscheinlich der renommierte Architekt Leo von Klenze geplant hat.
Zum Ensemble des alten Siebnacher Pfarrhofes gehört auch dieser Stadel aus dem Jahr 1828, den höchstwahrscheinlich der renommierte Architekt Leo von Klenze geplant hat. © Springer-Restle

Ettringen – Die Verträge sind in trockenen Tüchern und alle wichtigen Gremien haben der Sanierung des alten Pfarrhofes samt seines alten Stadels zugestimmt. Letzterer bedarf eines besonderen Fingerspitzengefühls, nicht nur, weil ihn höchstwahrscheinlich der renommierte Architekt Leo von Klenze geplant hat, sondern weil die Gemeinde Ettringen mit einer planerisch spannenden Nutzung für das denkmalgeschützte Gebäude liebäugelt.

Seit die Gemeinde Ettringen das Pfarrhof-Ensemble bestehend aus einem Pfarrhaus und dem alten Stadel sowie einem weitläufigen Garten mit altem Baumbestand von der Kirche erworben hat, stellt sich die Frage nach einer sinnvollen Nutzung. Geht es nach Ettringens Entscheidungsträgern, soll in den Stadel ein Kindergarten einziehen. Kindergartenplätze sind in Ettringen und seinem Ortsteil Siebnach ohnehin rar, obwohl die letzten Erweiterungsmaßnahmen in Ettringen noch nicht lange zurückliegen. Erste Pläne dazu wurden bereits auf einer Gemeinderatsklausur im vergangenen Herbst geschmiedet, wie Ettringens Erster Bürgermeister Robert Sturm unserer Redaktion verrät.

Dass der 1828 entstandene Stadel vom renommierten Architekten Leo von Klenze geplant wurde, liegt nahe. „Es gibt noch keine verlässlichen Beweise, aber die Hinweise verdichten sich“, sagt Professor Dr. Josef Schwarz vom Architekturbüro PSP in Memmingen. Der denkmalerfahrene Architekt wurde von der Gemeinde Ettringen mit der weiteren Planung beauftragt. Schwarz ist gerade damit beschäftigt, Konzepte und Varianten für die Nutzung des Stadels zu entwickeln und Akten aus dem Staatsarchiv auszuwerten. Die zentrale Frage des Planers ist: „Welche Nutzungen bietet das Gebäude, ohne es zu überformen?“ Schwarz fände es nicht nur schön, das Baudenkmal für die Nachwelt zu erhalten, sondern auch den Kindern eine Art Geschichtsvermittlung zuteilwerden zu lassen.

Professor Dr. Josef Schwarz vom Memminger Architekturbüro PSP Architekten wurde mit der weiteren Planung des denkmalgeschützten Stadels beauftragt.
Professor Dr. Josef Schwarz vom Memminger Architekturbüro PSP Architekten wurde mit der weiteren Planung des denkmalgeschützten Stadels beauftragt. © Springer-Restle

Der Stadel ist allerdings in einem misslichen Zustand. Dies stellte auch MdL Franz Josef Pschierer bei seinem letzten Besuch in Ettringen fest. „Mein Opa würde sagen, da holst an Bagger und schiebst es weg“, so der CSU-Politiker, der den Professor indes fragte: „Warum kann man das Gebäude nicht platt machen und genauso wieder aufbauen?“ „Damit wäre das Landesamt für Denkmalpflege sicher nicht einverstanden“, entgegnete der Architekt trocken und fügte hinzu: „Die Sanierung kostet ein bisschen mehr als ein Neubau, aber dafür erhält man die alte Substanz“, so der Professor.

Siebnachs Ortsmitte mit Kindern zu beleben und dabei das historische Gebäude für die Nachwelt zu erhalten, wäre zweifelsohne ein hübscher Kompromiss.

Denkmalschutz verstehen sogar die Kleinsten.
Denkmalschutz verstehen sogar die Kleinsten. © Cartoon: Engewicht

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