Unterallgäuer bauen weniger Autounfälle

Karambolage-Atlas: Bayernweit die wenigsten Fahrzeugschäden im Unterallgäu

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Blechunfälle gibt es bayernweit im Unterallgäu am wenigsten. Dagegen häufen sich die Unfälle in Ballungszentren wie München oder Kempten.

Unterallgäu – Wenn es auf deutschen Straßen kracht, bleibt dies meist nicht ohne Folgen. Das Auto ist eventuell fahruntauglich, es kann ein hoher Blechschaden entstehen. Im Unterallgäu bleiben die Autofahrer vor Unfällen am meisten verschont, denn die Schadenshäufigkeit dort ist im deutschlandweiten Vergleich gering. Dank verbesserter Fahrzeugtechnik, gibt es wenige verletzte Personen. Sie machen nur knapp vier Prozent aller Unfälle aus. Die Generali-Versicherung hat 700.000 Schadensfälle aus den Jahren 2015 und 2017 ausgewertet. Im Karambolage-Atlas 2018 zeigt sie ihre Ergebnisse.

Wer im Unterallgäu mit dem Auto fährt, hat bayernweit die größte Chance, heile am Zielort anzukommen. Mit einem Durchschnitt von 8,2 Schäden pro 100 Fahrzeuge zählt das Unterallgäu deutschlandweit zu einer der ­sichersten Regionen für Autofahrer. Insgesamt sind im Unterallgäu 93.661 von 46,5 Millionen in Deutschland registrierten Fahrzeuge zugelassen. Mittlerweile hat jeder zweite Deutsche ein Auto. Dass es da mal rumpelt und scheppert, ist nicht verwunderlich. Viele sind auf einen Wagen angewiesen, um zur Arbeit zu kommen, denn auf dem Land erreichen die wenigsten mit dem öffentlichen Nahverkehr pünktlich und schnell die Arbeitsstelle.

Vor allem in Kempten geht es oft alles andere als schonend zu, denn die Stadt im Allgäu ist die Karambolage-Hauptstadt Bayerns. Mit 18,3 Prozent an Fahrzeugschäden ist sie Spitzenreiter in Bayern. Sogar München kann Kempten nicht toppen, denn die Landeshauptstadt gehört zwar mit 14,7 Prozent zu den Städten in Bayern, in denen es am häufigsten kracht, aber sie liegt immer noch unterhalb des Wertes von Kempten. Auch Neu-Ulm ist mit 14,3 Prozent ein eher verkehrsunsicherer Landkreis.

Generell fahren die Autofahrer in Bayern vorsichtiger, als in anderen Bundesländern, denn Bayern liegt im bundesweiten Vergleich an drittletzter Stelle, mit einer Schadenshäufigkeit von 11,1 Prozent. Nur Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kommen noch glimpflicher davon. Durchschnittlich liegt in Deutschland das Risiko, ein Schaden am Fahrzeug zu haben, bei 11,7 Prozent pro Jahr. In Berlin und Hamburg passieren die meisten Unfälle. Mit einer Häufigkeit von 15,5 Prozent führt Berlin die Unfall-Tabelle an. Dabei kristallisiert sich heraus, dass es in den Ballungszentren und Großstädten häufiger zu einem Zusammenstoß kommt als im ländlichen Gebiet.

Auch deswegen hat das Unterallgäu eine ausgesprochen positive Rate der Schadenshäufigkeit. Auf dem Land verteilen sich die Autos besser als in einer Großstadt wie München. Die Fahrzeugführer können sich so besser aus dem Weg gehen und prallen seltener aufeinander.

Im Sommer mehr Unfälle

Letztes Jahr hatte jeder neunte Fahrzeughalter einen Schaden an seinem Auto zu bemängeln. Um das Auto zu reparieren, wurden im Durchschnitt 2.300 Euro pro Schaden fällig. Vor allem Fahrzeugbesitzer von teuren Automarken wie Mercedes und BMW verursachten die meisten Unfälle. Fahrer, die hinter dem Lenkrad eines Skodas oder Fiats sitzen, fuhren laut Generali anscheinend behutsamer und bauten die wenigsten Unfälle. Der Karambolage-Atlas belegt also, dass mehr Pferdestärken auch ein schnelleres Fahren und somit eine höhere Unfallrate bedeutet. Während langsamere Autos, mit maximal 75 PS, mit gerade einmal sechs Prozent einen Schaden aufweisen, beläuft sich die Häufigkeit der Schäden bei schnelleren Autos mit bis zu 300 PS auf knapp 20 Prozent.

Pro Jahr ist durchschnittlich bei jedem fünften Auto ein Schaden zu vermelden. Wer jetzt denkt, dass es auch dem Winter geschuldet ist, wo man mit Glatteis und Schnee zu kämpfen hat und man deswegen häufiger ins Schlittern gerät, der hat sich getäuscht, denn die meisten Unfälle passieren in den Sommermonaten zwischen Mai und August. Im Sommer fahren die meisten ausgelassener, schneller. Noch dazu kommen die Motorräder, die um die Jahreszeit vermehrt auf den Straßen unterwegs sind, und ein zusätzlich­es Risiko darstellen. Innerhalb der Woche kracht es häufiger als am Wochenende. Donnerstag und Freitag ist das Unfallrisiko mit 16,6 Prozent am höchsten, da viele am Ende der Woche nach dem Feierabend schnell nach Hause und ins Wochenende starten wollen. Am Sonntag hingegen ist es laut der Schadenshäufigkeit mit 8,3 Prozent am sichersten auf deutschen Straßen. Die Häufigkeit, einen Schaden zu provozier­en, ist bei Männern wie Frauen fast ausgeglichen. Nur mit einem Prozent liegen die Frauen in der Unfallstatistik höher. Die überwiegende Unfallursache ist der Sachschaden. Mit 34,6 Prozent macht dieser den größten Anteil aller Schäden aus. Auch die Kosten sind beim Sachschaden am höchsten. Sie nehmen einen Anteil von 33,2 Prozent der Gesamtkosten ein. Auffällig ist das Ungleichgewicht bei Personenschäden. Zwar „werden nur bei weniger als vier Prozent aller Schäden Menschen verletzt“, so ­Roland Stoffels, Vorsitzender der Geschäftsführung der Generali Deutschland Schadenmanagement GmbH, diese Personenschäden sind aber bei Generali für ein Drittel aller Kosten verantwortlich. Die zweithäufigste Art eines Autoschadens ist ein Glasbruch bei einer Windschutzscheibe oder einem Scheinwerfer. Diese lassen sich aber meistens leicht und kostengünstig reparieren.

Wer sicherer am Ziel ankommen möchte, sollte also mit einem Auto, das maximal 75 PS hat, an einem Sonntag im Winter auf Unterallgäuer Straßen fahren. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, in keinen Unfall verwickelt zu sein.

Julia Böcken

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