100. Geburtstag in Bad Wörishofen

„Sie strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus“

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Gratulierten der Jubilarin herzlich zu ihrem 100. Wiegenfest: (v.l.) Bürgermeister Paul Gruschka, Karl-Heinz Mayer, Geburtstagskind Karoline Mayer, Landrat Hans-Joachim Weirather, Rolf Mayer und Eva Mayer.

Bad Wörishofen – Karoline Mayer konnte am 21. Januar ihren 100. Geburtstag feiern. Im Kreis ihrer Familie und mit geladenen Gästen begrüßte sie bei einem Empfang im Park Hotel Residence auch Bürgermeister Paul Gruschka und Landrat Hans-Joachim Weirather, die herzliche Geburtstagsgrüße von Stadt, Bund und Landkreis überbrachten.

Karoline Mayer ist eine erstaunliche Frau, sieht sie doch keineswegs aus wie eine Hundertjährige. Fast könnte man sie als eine „jugendliche“ 80-jährige bezeichnen. Den anstrengenden Empfang mit so vielen Gratulanten steckte sie ohne weiteres weg und schien es auch zu genießen. 

Auch Bürgermeister Paul Gruschka war beeindruckt von der Vitalität Karoline Mayers, von der „Lebenskraft und Freude“, die sie ausstrahlt. Es sei eine besondere Ehre für ihn, zu so einem Ereignis im Namen der Stadt Bad Wörishofen gratulieren zu dürfen, sagte er in seiner Rede und überreichte Karoline Mayer einen großen Blumenstrauß sowie einen Bildband über Bad Wörishofen. Er überbrachte ebenfalls Glückwünsche vom Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der als Erinnerung an diesen besonderen Tag ein schönes Andenken geschickt hatte: eine Urkunde und die Silbermedaille Patrona Bavaria. 

Karoline Mayer kam am 21. Januar 1917 in Wörishofen als viertes von sieben Kindern der Familie Maurer zur Welt. Damit hat sie die schwersten Zeiten in Deutschland erlebt, Krieg, Inflation, Nationalsozialismus und Wiederaufbau. Noch im Krieg heiratete sie den Nürnberger Karl Mayer, der damals in Bad Wörishofen als Kur- und Tanzmusiker tätig war. Vier Kinder krönten das Glück der Beiden, zwei Mädchen und zwei Jungen. Leider starb Karin, die Älteste, im Alter von nur fünf Jahren an Diphtherie. Aber Eva (genannt Evi), Rolf und Karl-Heinz erfreuen sich bester Gesundheit und können sich glücklich schätzen, ihre Mutter so lange bei sich zu haben. Sechs Enkel und sieben Urenkel haben die Familie Mayer inzwischen zur Großfamilie gemacht. „Sie strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus“, sagt ihre Tochter Evi, die ihr sehr ähnlich sieht, und das ist wahrscheinlich Karolines Geheimnis: Gelassenheit und Zufriedenheit! 

Karoline Mayer arbeitete neben Haushalt und Kindererziehung als Verkäuferin im damaligen Wäschegeschäft „Birkenhauer“, später im Café Waldsee, und führte einige Jahre das Sauna-Stüble im Kneippianum. Ihre liebste Freizeitbeschäftigung war das Eisstockschießen. Sie war langjähriges Mitglied im ESC Bad Wörishofen und nahm mit ihrer Mannschaft an Stadtmeisterschaften teil. Zahlreiche Pokale und Urkunden bezeugen ihre Titelgewinne mit der Mannschaft. 

Landrat Hans-Joachim Weirather überbrachte die Gratulation vom Landkreis Unterallgäu und ein Glückwunschschreiben von Bundespräsident Joachim Gauck. 

Zwar gäbe es so zwischen 30 und 40 100-Jährige im Landkreis, sagte er, aber Karoline Mayer sei herausragend: „Sie ist die attraktivste 100-Jährige, lustig, mit fröhlichem Gesichtsausdruck. Wie man an Karoline Mayer sieht, kann Älterwerden auch schön sein, es ist ein großes Geschenk, wenn man in diesem Zustand alt geworden ist.“

Landrat Weirather wies im Hinblick auf die „europäische“ Familie Mayer, die in Italien, der Schweiz und Bayern lebt, auf die große „Familie“ Europa hin. „Auch wenn heute neuere politische Entwicklungen Sorgen bereiten“, sagte er, „sollte man sich stets auf Europa und seine Errungenschaften besinnen, die es wert sind, verteidigt zu werden.“ Die Familie Mayer wird das sicher unterstreichen. 

Karoline Mayer lebt selbständig, mit gelegentlichen Hilfen, sie macht noch fast alles selbst. Frühstück und Abendbrot macht sie sich allein, zum Mittagessen geht sie jeden zweiten Tag in das Thermen-Restaurant, das ihr Sohn Rolf führt. Ein Gläschen Rotwein am Abend gönnte sie sich auch. Bis vor kurzem nahm sie auch noch am Eisstockschießen teil, hat es aber nun aufgegeben. Sie geht aber viel spazieren und macht jeden Tag Kneipp-Anwendungen, sogar mit kaltem Wasser. Der Ambulante Pflegedienst schaut ab und zu nach ihr und natürlich ist ihre Familie immer für sie da. Aber sie erinnert sich auch an schwere Zeiten, zum Beispiel als ihr Mann Karl Mayer im Krieg war. „Als er zurückkam,“ erzählte sie, „habe ich ihn erst gar nicht erkannt. Ich habe am Fenster gestanden und da kam so einer den Weg hinauf. Ich dachte noch, schon wieder so ein armer Kerl und dann war es mein Mann. Die Freude war unbeschreiblich, aber er war verändert, wie alle Männer, die aus Krieg und Gefangenschaft heimkehrten. 

Aber, wir sind durchgekommen, wir lebten und wir waren zusammen – das ist doch das Wichtig- ste. Das zählt.“

von Claudia Bischoff-Wanner 

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