Nach 2,5 Millionen Euro-Zusage

Kirchheim: Bürgermeister Lochbronner stellt Pläne fürs neue Gemeindehaus vor

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Bauminister Dr. Hans Reichhart (3. v. links) folgte zuletzt der Einladung von Staatsminister a.D. Franz Josef Pschierer (2. v. links) und Kirchheims Bürgermeister Hermann Lochbronner (2. v. rechts), die das geplante Gemeindehaus vorstellten. Zu den Projektverantwortlichen zählen auch Gemeinderat Karl Scheifele (links) und 2. Bürgermeister Werner Welser (rechts).

Kirchheim – Eine starke Ortsmitte, einen Treffpunkt für Vereine und die vorbildliche Nachnutzung eines denkmalgeschützten Gebäudes: All das vereint das neue Gemeindehaus, zu dem der Gasthof Adler umgebaut werden soll. Bislang gehen die Planer von rund 3,5 Millionen Euro Kosten aus, wobei das durchaus „optimistisch“ geschätzt sei, wie Bürgermeister Hermann Lochbronner verriet. Dem gegenüber stand bislang eine Fördersumme des Freistaates Bayern von 600.000 Euro, weshalb Lochbronner und Staatsminister a.D. Franz Josef Pschierer zuletzt Bauminister Dr. Hans Reichhart nach Kirchheim eingeladen hatten, um ihm die Gemeindehaus-Idee vorzustellen – und um dabei klar zu machen, dass eine Aufstockung der Fördergelder das Projekt durchaus befeuern würde.

Eines gleich vorweg: Bauminister Reichhart hatte sich offenbar schon vorab eingehend mit dem Kirchheimer Vorzeigeprojekt befasst. Denn zusätzlich zu den 0,6 Millionen Euro, die die Gemeinde schon im Vorjahr von Reichharts Vorgängerin Ilse Aigner zugesagt bekommen hatte, versprach Reichhart nun weitere 1,9 Millionen Euro. Und damit nicht genug: Sollte das Projekt teurer werden – und danach sieht es den Äußerungen der Projektverantwortlichen zufolge aktuell aus – würde die Freistaatskasse wohl noch etwas oben drauflegen, sodass am Ende 80 Prozent der Gesamtkosten gefördert werden. Warum man dann nicht gleich auf die Endabrechnung wartet und die 80 Prozent dann ausbezahlt? „So habt ihr schon mal eine Summe, bei der ihr sagen könnt: Wir fangen an. Das Geld muss jetzt verfügbar sein“, so Reichhart.

Zedernsaal punktet

Er lobte nicht nur „das tolle Projekt“, das „mustergültig für das steht, was uns am Herzen liegt“. Dem Bauminister gefiel auch das Umfeld mit dem Biergarten und dem geschichtsträchtigen Wirtshaus, in dem einst eine Metzgerei beheimatet war und in dem sich nun das Gemeinschaftsgefühl weiter entfalten könne. Ganz besonders angetan hat es dem CSU-Politiker offenbar der große Zedernsaal im Obergeschoss des Gasthofes, der auch nach dem Umbau erhalten bleiben soll. „Wo haben wir denn heutzutage noch solche Säle, wo die Leute zusammenkommen können?“ Der Bauminister versprach, das Projekt in nächster Zeit intensiv zu begleiten.

So hält es auch Franz Josef Pschierer, laut Lochbronner „von Anfang an Fürsprecher“ des Projektes. Der Staatsminister a.D. hatte Reichhart im Gespräch verdeutlicht, „ohne überdurchschnittlichen Fördersatz wird es hier nicht gehen“. Denn wie Pschierer erklärte, sei nicht nur die Sanierung des Gasthofs Adler geplant, sondern auch die Angliederung des etwas kleineren Nebengebäudes – das erst abgerissen und dann neu gebaut werde, weshalb man insgesamt von einem „Ersatzneubau“ sprechen müsse. Prüfen müsste man, ob ein solches Vorhaben laut Regularien überhaupt förderfähig ist. Von der Verwaltung für ländliche Entwicklung heißt es nämlich, bei der Förderinitiative „Innen statt außen“ würde – kurz gesagt – die Modernisierung bzw. Instandsetzung von innerörtlichen Leerständen bezuschusst. In den Maßnahmenkatalog wurde das Kirchheimer Gemeindehaus – noch unter ­Ilse Aigner – aber ohnehin bereits aufgenommen.

Und schließlich betonte auch Reichhart mehrfach den vorbildhaften Charakter des Projektes. Denn wie Pschierer und Bürgermeister Lochbronner zuvor vorgestellt hatten, solle es einerseits die Kirchheimer Ortsmitte aufwerten und andererseits dem regen Vereinsleben eine neue Heimat bieten: Der Deutsch-Französische Freundeskreis, die Chorgemeinschaft, der Theaterverein Harmonie, der Musikverein, das Blasorchester, der TSV und die Schützengesellschaft – sie alle sollen aktiv am Gemeindehaus beteiligt sein.

Open-Air-Konzerte

Das Erdgeschoss des „Adlers“, so bislang der Plan, wäre weiterhin der Gastronomie vorbehalten. Das Nebengebäude, das später „wie der kleine Bruder“ wirken soll, dürfte auch für den Biergarten ab und an ein ganz besonderes Schmankerl werden. Denn wie Lochbronner erklärte, soll im Parterre des Nebengebäudes der neue Probenraum des Musikvereins und des Blasorchesters unterkommen, den man zum Biergarten hin öffnen könnte – was wiederum die Möglichkeit bietet, den Gästen an warmen Sommerabenden ein Unterhaltungsprogramm mit Musik oder Schauspiel auf die Bühne zu zaubern.

Etwas Raum einbüßen müsste derweil laut Plan der Zedernsaal – allerdings zu Gunsten einer dann größeren Bühne. Angegliedert an den historischen Saal wären noch Umkleiden, Lagerräume, ein kleiner Ausschank sowie ein direkter Durchgang zum 80 Quadratmeter großen Nebensaal.

Entspannung bedeutet der Umbau auch fürs Dachgeschoss. Dort müssen sich die im Zedernsaal auftretenden Künstler seit Jahren auf engstem Raum umziehen, ehe sie über schmale Gänge und Treppen den Weg auf die Bühne finden. Im „Ersatzneubau“ sähen die Umkleiden wesentlich geräumiger aus.

Und auch die Schützen profitieren. „Zehn Schießstände sind eigentlich Standard“, meint Lochbronner und erklärt, dass seine Kirchheimer zuletzt mit wesentlich weniger vorlieb nehmen mussten. Im Keller des Gemeindehauses sollen ihnen insgesamt rund 180 Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Kein Wunder, dass angesichts der vielen guten Nachrichten nicht nur die Vereine begeistert waren, sondern dass auch der Gemeinderat geschlossen hinter der Grundidee steht. Hätten zahlreiche Räte vor einigen Jahren noch für einen Neubau auf einer freien Fläche außerhalb der Ortsmitte plädiert, sei die Situation längst eine andere, wie Rathauschef Lochbronner erklärt. Schon im Dezember 2017 hatte der Gemeinderat mit 15:0 für die Weiterentwicklung des „Adlers“ zum Gemeindehaus gestimmt.

Bereits geregelt ist auch die Pacht: Das Gebäude ist nämlich nicht Eigentum der Marktgemeinde, sondern des fürstlichen Fugger-Hauses, das die Pacht für die nächsten 99 Jahre offenbar abgesegnet hat.

Klarheit bis zur Jahresmitte

Der Rahmen für den Start ist also geschaffen. Vier Architekturbüros hatten bis zum Ende der Bieterfrist am 26. April ihren Hut in den Ring geworfen, um den Adler-Umbau in Angriff zu nehmen. Mit ihnen wollen die Projektverantwortlichen in Kürze in die Vergabegespräche einsteigen, sodass die Planungen, so hofft Lochbronner, bis zur Mitte des Jahres abgeschlossen sein sollen. 

Marco Tobisch

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