Klaus Holetschek ist neuer Baustaatssekretär

Holetschek: Wie es dazu kam, dass das Unterallgäu wieder am Kabinettstisch sitzt

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Bayerns neue Spitze für die Themen Wohnen, Bau und Verkehr (v. links): Staatsministerin Kerstin Schreyer und Staatssekretär Klaus Holetschek.

Unterallgäu/München – Beim jüngsten Stühlerücken am bayerischen Kabinettstisch hat auch ein im Unterallgäu bekanntes Gesicht profitiert: Bad Wörishofens ehemaliger Bürgermeister und Memminger Stadtrat Klaus Holetschek ist fortan Baustaatssekretär, wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am vergangenen Donnerstag bei der CSU-Klausur im Kloster Seeon bekanntgab. Bisher hatte Holetschek als Bürgerbeauftragter der Staatsregierung fungiert.

Möglich wurde Holetscheks politischer Aufstieg durch einen Umbau des Kabinetts von Ministerpräsident Söder: Da der bisherige Bau- und Verkehrsminister Hans Reichhart zum 1. Februar sein Amt zur Verfügung stellt, weil er bei den Kommunalwahlen im März Günzburger Landrat werden will, rückt die bisherige Sozialministerin Kerstin Schreyer auf den Posten als neue Verkehrs- und Bauministerin. Die 48-jährige Sozialpädagogin gilt laut Söder als durchsetzungsstark und erfahren, auch auf Bundesebene. Holetschek meint: „Ich bin sicher, dass ich mit der neuen Ministerin Kerstin Schreyer hervorragend zusammenarbeiten werde.“ Neue bayerische Sozialministerin wird im Zuge der Kabinettsumbildung die bisherige Sozial-Staatssekretärin Carolina Trautner. Die 58-Jährige Apothekerin aus dem Landkreis Augsburg sitzt seit 2013 für die CSU im Landtag.

Zeit, sich mental auf die neue Aufgabe vorzubereiten, hatte Holetschek übrigens kaum. „Markus Söder hat mich am späten Mittwochabend in einem persönlichen Gespräch gebeten neuer Staatssekretär für Wohnen, Bau und Verkehr zu werden“, verrät der 55-Jährige auf Nachfrage des Wochen KURIERS. Und schon wenige Stunden später teilte der Ministerpräsident diesen Entschluss auch mit der Öffentlichkeit – und begründete ihn folgendermaßen: Holetschek sei „eine starke Persönlichkeit, erfahrener Jurist und hat sich durch immensen Fleiß hervorgetan“. Das bestätigt auch Frak­tionskollege Franz Josef Pschierer: „Er bringt für dieses Amt einen großen Erfahrungsschatz und die nötige Expertise mit. Ich bin mir sicher, dass er sich mit großem Engagement den wichtigen Zukunftsthemen im Bereich ‚Bauen und Verkehr‘ widmen und hier entscheidende Impulse setzen wird“, so der Mindelheimer Landtagsabgeordnete.

Keine Zeit für Träumereien

Nachdem der Rücktritt von Reichhart beschlossene Sache war, war in verschiedenen Medien auch spekuliert worden, ob Holetschek womöglich sogar für den Posten als Verkehrs- und Bauminister infrage käme. „Spekulieren und das Prinzip Hoffnung sind zumindest in der Politik schlechte Ratgeber“, kommentiert Holetschek. „Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, welche Gedankenspiele und Überlegungen es hier seitens des Ministerpräsidenten gab. Er hat mir nichts versprochen und ich habe mich voll und ganz auf meine Arbeit fokussiert, da bleibt keine Zeit für Träumereien. Jetzt freue ich mich natürlich über den Vertrauensbeweis und bin dankbar, so wie es gekommen ist.“

Eine gestärkte Position im Landtag erfährt mit Holetscheks Aufstieg auch der Landkreis Unterallgäu. „Für unsere Region ist es ganz gewiss ein Gewinn, wieder am Kabinettstisch vertreten zu sein“, meint auch Franz Pschierer, der zwischen März und November 2018 bayerischer Wirtschaftsminister war – und es damit als letzter Unterallgäuer in diese Riege geschafft hatte.

Holetschek habe schon in der Vergangenheit zahlreiche Ideen und Projekte vorangetrieben und zu einem erfolgreichen Ende geführt, attestiert Pschierer. Diese Fähigkeit will der ehemalige Bad Wörishofer Bürgermeister auch in seiner neuen Position unter Beweis stellen. Als Kernthemen sieht der 55-Jährige die Schaffung bezahlbaren Wohnraums und eine leistungsfähige Infrastruktur inklusive funktionierendem öffentlichen Nahverkehr an. „Das sind Themen, die uns alle betreffen und infolge des enormen wirtschaftlichen Erfolgs in Bayern zu großen Herausforderungen geworden sind. Ich bin dankbar, dass ich diese Zukunftsthemen mitgestalten kann und gehe an die neue Aufgabe mit großem Respekt heran“, sagt Holetschek.

Schlichter und Berater

Bis zuletzt hatte sich der CSU-Politiker als Bürgerbeauftragte für die Vermittlung zwischen Bürgern und Behörden eingesetzt – in einer Funktion, die Söder erst im Frühjahr 2018 geschaffen hatte. „Ich trete als Mittler zwischen den Parteien auf und erkläre, schlichte und berate“, erklärt Holetschek, der mit seinem Team allein im vergangenen Jahr rund 1.000 Anfragen bearbeitete – davon 60 Prozent aus seiner Sicht erfolgreich. Nur in jedem zehnten Fall habe er nicht weiterhelfen können. „Mich erreichen Anliegen zu allen denkbaren Lebenssituationen“, so Holetschek. Dabei kristallisieren sich einzelne Schwerpunkte heraus wie beispielsweise Anfragen zu den Themen Landespflegegeld, Windkraft, 5G oder Rente bzw. Arbeitslosigkeit. „Immer dann, wenn ich feststelle, dass ein Bereich vermehrt Unklarheiten hervorbringt, werde ich politisch aktiv“, so Holetschek. Zuletzt war das etwa beim Thema „Amtsdeutsch“ der Fall. „Raumübergreifendes Großgrün“, „Grundstücksentwässerungsanlage“, „nichtlebende Einfriedung“ – solche Verwaltungsbegriffe seien künftig zu vermeiden, wo es geht und rechtlich möglich ist. Diese sollten wieder durch einfache und für alle verständliche Begriffe wie „Baum“, „Dachrinne“ und „Zaun“ ersetzt werden, meint Holetschek.

„Gleichwohl lässt sich das Amt des Bürgerbeauftragten mit meiner neuen, arbeits- und zeitintensiven Aufgabe als Staatssekretär künftig nicht mehr vereinbaren“, so der 55-Jährige weiter, „aber wichtige Themen wie ‚Bürgerdialog auf Augenhöhe‘ werde ich sicherlich mitnehmen“. Daneben ist Holetschek als Präsident des Kneipp-Bundes und als Stadtrat in Memmingen aktiv. Inwieweit er dort aufgrund seines neuen Amtes künftig kürzertreten müsse, wollte er noch nicht beantworten. „Ich werde jetzt keine Schnellschüsse machen und mir erst mal einen Überblick verschaffen, das Haus und meine Mitarbeiter kennenlernen und dann wohlüberlegt eine Entscheidung treffen“, erklärt Holetschek.

Zur Person

Der 1964 in Landshut geborene Holetschek ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er sitzt seit Oktober 2013 im Bayerischen Landtag, seit 2014 ist er auch Stadtrat in Memmingen und ist seit 2017 Kreisvorsitzender der CSU-Memmingen.

Marco Tobisch

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