Mindelheims Rathauschef im Gespräch mit dem Wochen KURIER

Klosterareal, Freibad und Kindergärten: Bürgermeister Winter äußert sich zu Herausforderungen 2021

Freibad Mindelheim Baustelle Glass
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Das „Megaprojekt“ Freibadsanierung, wie Bürgermeister Dr. Stephan Winter sagt, soll im Sommer abgeschlossen werden.
  • Marco Tobisch
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Mindelheim – Vor einem richtungsweisenden Jahr steht heuer auch die Stadt Mindelheim. Der zweite Corona-Haushalt, wichtige Bauprojekte in der Endphase und wohl allen voran das Klosterareal Maria Ward beschäftigen die Stadtspitze derzeit. Der Wochen KURIER hat sich mit Bürgermeister Dr. Stephan Winter über die Herausforderungen im neuen Jahr unterhalten.

Bis zum Ende des letzten Jahres schien es so, als hätte die Stadt das Gestaltungszepter für ihr „Filetstück“ im Zentrum aus der Hand gegeben. Der Hintergrund dazu: Nachdem sich im Sommer 2019 die letzten Ordensschwestern der Congregatio Jesu aus Mindelheim verabschiedet hatten, war das Maria-Ward-Kloster frei geworden. Und noch bevor die Firma Pro Secur mit der künftigen Gestaltung beauftragt wurde, so hatte Geschäftsführer Ralf Olbrück gegenüber dem Wochen KURIER erklärt, soll die Stadt Mindelheim der Congregatio Jesu bereits eine öffentliche Tiefgarage auf dem Areal ans Herz gelegt haben. „Wir haben diesen Wunsch dann aufgenommen und diesen in unsere Planungen einbezogen“, so Olbrück. Nachdem das Konzept im letzten Jahr den Schilderungen von Pro Secur zufolge mehrfach geändert wurde, war die Tendenz Ende 2020 folgende: „Unsere Planungen gehen momentan in Richtung betreutem Wohnen, eventuell mit peripheren weiteren Nutzungen, wie beispielsweise einer Tagesklinik“, hatte Olbrück Mitte November gesagt.

Doch noch im Spiel

Obwohl sich Congregatio und Pro Secur in den letzten Monaten mehrmals getroffen hatten, um den Eigentumsübergang an die Pro Secur vorzubereiten, kann die Stadt Mindelheim sich nun offenbar doch nochmal entscheidend einklinken: Wie Bürgermeister Winter sagt, hätten die Schwestern Pro Secur beauftragt, das Grundstück auch der Stadt zum Kauf anzubieten. „Das Angebot hat uns Anfang Dezember erreicht“, bestätigt Winter, der den Kaufpreis jedoch nicht nennen will. Ein Stadtrat hatte diesen bei der letztjährigen Versammlung des Freundeskreises Alt-Mindelheim auf gut vier Millionen Euro beziffert. Daraufhin habe sich der Stadtrat das Grundstück im Dezember nochmals gemeinsam angeschaut, wie Winter sagt. Eine „sofortige Entscheidung“ wolle man aber noch nicht treffen, denn die Bandbreite für die Nachnutzung auf dem Areal sei groß. Noch im ersten Quartal sollen sich die Fraktionen im Rahmen einer Stadtratssitzung äußern.

Bürgermeister Dr. Stephan Winter

Die Weichen längst gestellt haben die Räte in Sachen Nachwuchs: Drei Kindergarten-Neubauten zieht die Stadt derzeit hoch, wobei die Marcellin-Champagnat-Kindertagesstätte an der Schwabenwiese Ende letzten Jahres sogar schon bezogen wurde. „Das ist eine ganz wichtige Geschichte gewesen“, meint Bürgermeister Winter. Ein paar Arbeitsschritte weiter hinten liegt der Neubau des Kindergartens St. Stephan auf der Lautenwirtswiese, hier steht inzwischen der Rohbau. Zeitgleich im Herbst 2020 war auch mit dem Neubau des Kindergarten St. Vitus in Nassenbeuren begonnen worden, dieser trägt bereits ein Dach. Während die Kinder in St. Stephan voraussichtlich 2022 in ihre neue Spieloase einziehen, könnte es in St. Vitus schon heuer im Herbst klappen – wobei Winter darauf verweist, dies sei nur eine Schätzung, denn die Stadt Mindelheim ist nicht selbst Bauherr.

Freibad wird heuer fertig

Rund 8,7 Millionen kosten die drei Neubauten in Summe, genau so viel wie die Freibadsanierung, das derzeitige „Megaprojekt“ der Stadt, wie Bürgermeister Winter sagt. Im November hatten Hermann Schröther vom Bauamt und Architekt Martin Hofmann prognostiziert, die geplante Wiedereröffnung zu Pfingsten könne trotz Corona voraussichtlich eingehalten werden. „Ich würde mich wirklich drüber freuen, wenn Corona sich bis dahin entspannt hätte, sodass wir das Freibad planmäßig übergeben können“, so Winter.

An anderer Stelle war derweil Geduld gefragt: Wegen Corona hatte die Stadt im Mai letzten Jahres den Rotstift ansetzen und eine Reihe an Baumaßnahmen auf 2021 verschieben müssen. So bekommt etwa die Kläranlage erst heuer für 130.000 Euro eine PV-Anlage und auch die Sanierungsarbeiten an Rathausfenstern und -fassade werden in diesem Jahr über die Bühne gehen – was auch nur deshalb möglich ist, weil das Frundsbergfest, das im Sommer hätte stattfinden sollen, wegen Corona schon frühzeitig auf 2022 verschoben wurde. Ebenfalls sanierungsbedürftig ist, wie mehrfach berichtet, die Mindelheimer Stadtbücherei. Wenngleich Stadtkämmerer Wolfgang Heimpel zuletzt gesagt hatte, dass die Arbeiten frühestens 2022 starten, soll hier in Kürze die Planung im Stadtrat bekannt gemacht werden. Die Diskussion dazu war zuletzt wegen der noch vakanten Fördergelder der Regierung von Schwaben vertagt worden. Über deren Höhe erhofft sich Bürgermeister Winter bis zum Beginn der Haushaltsberatungen Klarheit.

Planen kann der Stadtrat dann auch mit dem Ausgleich der Gewerbesteuerausfälle, die der Freistaat aufgrund von Corona an Städte und Gemeinden zu 100 Prozent überwiesen hat. Dass sich daraus für die Stadt ein schlagkräftiges Zusatzbudget für neue Projekte ergebe, sei aber nicht der Fall, stellt Winter klar. Der Ausgleich sei nämlich nicht als zusätzliche Einnahme zu verbuchen, sondern müsse als Gewerbesteuer zur Seite gelegt werden, um in zwei Jahren die damit einhergehende höhere Kreisumlage zu bezahlen. Der Schuldenstand ist derweil im Vergleich zum Vorjahr um eine halbe Million auf 6,9 Millionen Euro gesunken, die Rücklagen der Stadt betragen 7,3 Millionen Euro.

Neuer Gesundheitscampus

Großes Thema dürften in diesem Jahr auch die neuen Strukturen der Mindelheimer Klinik werden. Ende letzten Jahres hatte Michael Osberghaus, Geschäftsführer des Klinikverbundes, die aktualisierten Pläne im Unterallgäuer Kreistag vorgestellt. Demnach schwebt den Verantwortlichen in Mindelheim ein „Gesundheitscampus“ vor, um die Klinik mit „kurzen Wegen und kompakter Bewirtschaftung“ fit für die Zukunft zu machen. Dabei soll die ambulante Versorgung noch stärker berücksichtigt werden und zu diesem Zweck auch ein neues Ärztehaus ins Klinik­areal eingebunden werden. „Die Pläne sind für mich sehr schlüssig, den Ausbau zum Klinikcampus begrüße ich“, kommentierte Bürgermeister Winter, der in der „Neuordnung der Klinik“ den Weg zur langfristigen Sicherung des Standortes sieht. Zu den derzeitigen „Unstimmigkeiten“, die die Kreistagsfraktionen von CSU und Grünen in einem Antrag moniert hatten, wollte sich Winter nicht äußern. Auch im Mindelheimer Stadtrat werde aber demnächst ein Vertreter des Klinikverbundes vorsprechen und über die Entwicklung am Standort Mindelheim informieren.

Mit den Stichworten Entwicklung und Zukunft war auch das Büro Haines-Leger in die Umsetzung des Mindelheimer Stadt­entwicklungskonzeptes (INSEK) gestartet, aktuell befindet sich das Zukunftspapier in den finalen Zügen. „Das halte ich für wichtig für die Entwicklung der nächsten zehn bis 15 Jahre“, erklärt Winter, denn hinter dem Konzept verbergen sich unter anderem „politische Handlungsanleitungen“. Welche Projekte sich konkret ergeben könnten, sei laut Winter noch nicht fix und müsse erst im Stadtrat diskutiert werden. Angesetzt werden könnte am Bahnhofsareal, bei neuen Baugebieten sowie bei der Attraktivitätssteigerung in der Innenstadt bzw. rund um die Kornstraße und das Westernacher Tor.

Auch beim Verkehrskonzept, auf das Bürgermeister Winter in den letzten Monaten immer wieder im Zusammenhang mit der Parkraumlösung rund um die Untere Altstadt verwiesen hatte, hat die Stadt erste Schritte unternommen – unter anderem mit einer Haushaltsbefragung. Auch dieses Konzept soll 2021 weitergesponnen werden und wertvolle Antworten auf Fragen zum ruhenden Verkehr liefern.

Die Stadt wächst

Zu den wichtigsten Kennzahlen zum Jahreswechsel: In Mindelheim leben derzeit 15.821 Menschen, gut 100 mehr als noch ein Jahr zuvor. Rund 12.230 Arbeitnehmer sind in Mindelheim beschäftigt – sie verteilen sich auf über 1.500 Betriebe, so viele wie nie zuvor.

Marco Tobisch

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