Kauffrage noch unbeantwortet

Klosterareal: Mindelheims Bürgermeister geht auf Partnersuche

BiMi Holzbaur Holzbaurhaus Mindelheim
+
Die „BiMi Holzbaur“ (links Sprecher Peter Kern, rechts Frederik Schüttler) plädieren für den Kauf des Klosterareals durch die Stadt und haben sich auch zur künftigen Nutzung Gedanken gemacht. Auch einige Stadträte gaben daraufhin ihre Haltung preis.
  • Marco Tobisch
    VonMarco Tobisch
    schließen

Mindelheim – Aus der Frage „Kauft die Stadt das Kloster?“ scheint nun die Frage geworden zu sein: „Welcher Weg ist der beste, um das Klosterareal eigenverantwortlich weiterentwickeln zu können?“. Denn während Kämmerer Wolfgang Heimpel am Samstag bei der Stadtratsklausur im Forum verdeutlichte, dass der finanzielle Spielraum für einen Klosterkauf und dessen Weiterentwicklung aktuell knapp ist, warb die neu gegründete Bürger­initiative „BiMi Holzbaur“ intensiv darum, das Areal dennoch zu erwerben. Die Fraktionen sprachen sich im Tenor zumindest dafür aus, bei der künftigen Gestaltung des Areals Verantwortung übernehmen zu wollen – Bürgermeister Dr. Stephan Winter soll nun nach potenziellen Partnern für die Arealentwicklung Ausschau halten.

Seit Sommer 2019, als die letzten Klosterschwestern Mindelheim verlassen hatten, sorgen das inzwischen leer stehende Klostergebäude sowie der zugehörige Garten für Gesprächsstoff.

Am Samstag tagte der Stadtrat von 9 bis fast 16 Uhr – zunächst hinter verschlossenen Türen, ab 12.30 Uhr mit interessierten Zuschauern und der Presse. Die Frage, die der Wochen KURIER vergangene Woche auf seiner Titelseite gestellt hatte – „Kauft die Stadt das Kloster?“ – trieb ganz offensichtlich zahlreiche Bürger um, denn die Zuschauerplätze, wegen Corona-Abständen auf gut 20 begrenzt, waren allesamt besetzt. Wenngleich Mindelheims Pressesprecherin Julia Beck vorab bestätigt hatte, dass kein Beschluss über den Kauf des Klosters gefasst werde, so war doch zumindest eine Tendenz zu erwarten, mit der die Stadträte in die nichtöffentliche Beschlussfassung gehen.

Die Stadt hatte sich sichtlich bemüht, sämtliche Aspekte, die für die Kaufentscheidung notwendig sind, für Räte und Öffentlichkeit aufzubereiten. So stellte Bürgermeister Winter anfangs die Gebäudesituation des Klosters (Maximilianstraße 63) sowie des benachbarten Geschäftshauses (Maximilianstraße 61) dar, die beide zum Verkauf stehen. Wolfgang Heimpel skizzierte die Haushaltssituation, um die Größenordnung eines Klosterkaufs besser einschätzen zu können. Und auch kostenintensive Projekte (bis 2030) sowie die Personal- und Raumsituation der städtischen Einrichtungen führte Winter auf (mehr dazu im eigenen Bericht hier). Am 22. März, das erklärte Bürgermeister Winter im Gespräch mit dem Wochen KURIER, will der Stadtrat den Beschluss über den Kauf in nichtöffentlicher Sitzung fällen.

Drängende Fragen zum Status Quo der Stadt wurden offenbar schon in der nichtöffentlichen Sitzung geklärt, denn bis im letzten Tagesordnungspunkt die neue Bürgerinitiative „BiMi“ für ein halbstündiges State­ment ans Mikrofon gebeten wurde, hatten Bürgermeister Winter bzw. die städtischen Abteilungsverantwortlichen mangels Rückfragen einen Monolog geführt.

Fokus weg vom Thema Parkplätze

Peter Kern, Sprecher der „­BiMi“, forderte, der kraftvolle Klosterort müsse ein wichtiger Anlaufpunkt für sich treffende Menschen werden, um Frequenz in die Stadt zu bekommen. „Wir wollen Möglichkeiten finden, wie wir die Altstadt stärken.“ Zusätzliche Parkplätze für eine Attraktivitätssteigerung seien dabei laut Kern der falsche Ansatz. „Ich denke, das ist ein Relikt aus alten Zeiten und nicht mehr nachvollziehbar.“ Mehr Parkplätze im Zentrum seien höchstens „eine Beruhigungspille“ für den Einzelhandel, aber tatsächlich sei „unser größtes Kaufhaus heutzutage zu Hause auf dem Sofa“, meinte der selbständige Architekt. Wer in der Stadt einkaufe, tue das nicht ein, weil ein Parkplatz vor der Haustür frei sei. „Ich überlege mir, was mir gefällt und wenn ich das weiß, fahre ich hin und kauf´s“, so Kern – selbst, wenn man dafür ein paar Meter Fußweg in Kauf nehmen müsse. Deshalb müsse man die Diskussion, wie man Leben und Wirtschaft in der Innenstadt attraktiver gestalte, mehr auf die „Menschen“ konzentrieren. Kerns Appell an die Einzelhändler: „Geben Sie sich nicht zufrieden mit dem Ruf nach mehr Stellplätzen. Verlangen Sie Maßnahmen, die die Aufmerksamkeit der Innenstadt verstärken, damit Menschen gerne und länger dableiben.“

Eine „Mischnutzung“ im Klostergarten, unter anderem mit neuen Wohnformen, könnte sich die „BiMi Holzbaur“ vorstellen.

Das Klosterareal biete dafür eine gute Chance. Deshalb werbe man dafür, so Kern, das Grundstück zu kaufen und damit für die Zukunft „zu sichern“. Anschließend könne man einen „Zielgedanken“ entwickeln. „Und wenn die Stadt dieses Konzept hat, sucht sie sich Partner, die das Konzept umsetzen.“ Auf diese Weise koste das Projekt nicht die von Bürgermeister Winter grob geschätzten bis zu 30 Millionen Euro (Grundstück plus Entwicklung), erklärte Kern.

Eignen würde sich das Kloster­areal aus Sicht der „BiMi“ etwa für Nachverdichtung. Fürs „ruhige Wohnen im Grünen“, wohin der Trend heute gehe, biete das Klosterareal tolle Möglichkeiten. Investoren, die das im Auftrag der Stadt umsetzen würden, gebe es genug, ist sich Kern sicher. Eine Tiefgarage sei dafür nicht notwendig.

Den „Blick von außen“ im Namen der Initiative gab kurz darauf Stadtplanerin Maxie Jost. Sie hält das Klosterareal für „einen ganz besonderen Ort“, an dem man die Stadt weiterentwickeln könne – etwa zur Schaffung von Wohnraum für ältere Menschen, die weiterhin selbständig leben wollen. Aber auch für junge Menschen von außerhalb solle die Stadt hier Angebote schaffen – beispielsweise mit großen Gemeinschaftsräumen und mehr Kultur. „Menschen wollen die Stadt erleben, dafür ziehen sie in die Stadt“, so Jost. Der Vorteil aus Sicht der Planerin: Alles was es für einen „geselligen Campus“ brauche, sei etwa mit vhs, Bücherei und Museen schon da. Ergänzen könne man das Angebot mit einem Festsaal für Veranstaltungen und grünen Aufenthaltsflächen im Klostergarten. Mit einer „Mischnutzung“ würden auch Synergien mit Anwohnern und Einzelhandel entstehen, meint die Stadtplanerin.

Stimmen von Stadtratsfraktionen und Bürgermeister

Christoph Walter, CSU

Auch aus den Reihen der Stadträte gab es daraufhin Stellungnahmen zu hören, die Initiative ergriff CSU-Fraktionsvorsitzender Christoph Walter: Er widersprach zunächst der Kritik von Peter Kern, der gesagt hatte: „Wir müssen unsere Stadt nicht nur verwalten, wir müssen sie auch gestalten.“ Man habe sich, so entgegnete Walter, in den letzten 20 Jahren intensiv mit der Stadtentwicklung beschäftigt und das sei nun unter anderem in der „Prachtstraße“ zwischen Oberem und Unterem Tor sichtbar – auch, weil sich Privatleute und Einzelhändler mit Sanierungs- und Verschönerungsmaßnahmen gerne beteiligt hätten.

Eine klare Erwartungshaltung seitens der Bürger gebe es nun auch beim Klosterareal: „Irgendwann müssen wir da Antworten geben“, resümierte Walter, der in Sachen Tiefgarage im Klostergarten klar Stellung bezog: „Die Debatte ist schon geführt. Es wird kein Stadtrat sagen, er würde mit Biegen und Brechen eine Zufahrt über die Frundsberg­straße ins Klosterareal herbeiführen wollen.“ Im Fokus stehe nun vielmehr, ob es eine kommunale Nutzung fürs Kloster gebe. Dabei müsse man behutsam vorgehen, denn auch weitere Aufgaben wie Kindergärten, Altenheime und Straßen müsse man als Aufgabe weiter wahrnehmen und die Finanzen dabei im Blick behalten. Einen Partner für die Arealgestaltung im Sinne der Stadt und der Bürger hält die CSU deshalb für sinnvoll.

Thomas Burtscher (Grüne) meinte, es sei wichtig, beim Klosterareal lang in die Zukunft zu denken. „Das Ding ist sensibel und muss entwickelt werden.“ Ob man mit einem Grundstückskauf und insbesondere bei der Entwicklung die richtige Entscheidung treffe, werde man wohl erst in 40-50 Jahren sehen, so Burtscher. Seine Meinung aber ganz klar: „Die Stadt sollte das Areal kaufen, damit sie es selbst gestalten kann.“

Mehmet Yesil, Fraktionsvorsitzender der SPD, erklärte: „Man merkt, das ist ein sehr wichtiges Thema für Mindelheim.“ Er forderte vom Stadtrat, sich nicht von den Zahlen (dem Kaufpreis von rund 5,5 Millionen Euro bzw. den weiteren Millionenkosten für die Entwicklung) einschüchtern zu lassen. Yesil: „Die Möglichkeit, die wir hier haben, kommt in den nächsten 100 Jahren nicht wieder.“ Und auch auf die Kritik des „Verwalten statt Gestaltens“ ging der SPD-Fraktionsvorsitzende ein. „Wir müssen als Visionäre hier her kommen, die Verantwortung übernehmen und die Stadt gestalten.“

Ursula Kiefersauer (Mindelheimer Bürgergemeinschaft) forderte, die Themen Holzbaur-Haus, Tiefgarage und Klosterareal – „alles was das Mindelheimer Herz bewegt hat“ – mit sachlichem Blick zu betrachten. Für die Entwicklung der über 6.000 Quadratmeter Nutzfläche brauche es ein Konzept, ohne dabei „alles zuzulassen“. Erst brauche es eine Idee, dann einen Partner für die Umsetzung. Ferner lobte Kiefersauer wie auch sämtliche Vorredner das große öffentliche Interesse. „Ich glaube, so viele Zuschauer sind ein Rekord.“

Grünen-Fraktionsvorsitzender Josef Doll erklärte, die Stadträte der letzten Perioden hätten „sicher vieles richtig gemacht“, etwa beim Bau des Forums oder der Maximilianstraße. Auf dem Stand der Stadtentwicklung dürfe man sich aber nicht ausruhen. „Das Klosterareal dürfen wir nicht fremden Mächten überlassen“, so Doll. Sonst habe man womöglich keine Hand mehr über die Gestaltung. Doll erklärte, man könne das Kloster für 5,5 Millionen Euro kaufen und die Entwicklung dann ausschreiben – etwa für neue Wohnformen in der Innenstadt. Angesichts eines Umsetzungshorizonts von bis zu 20 Jahren werde es ihm bei der Kaufsumme nicht „bange“, so Doll.

Die Freien Wähler, die ÖDP und AfD meldeten sich in der öffentlichen Sitzung nicht zu Wort.

„Gutes Ergebnis“

Bürgermeister Dr. Stephan Winter meinte, es sei nun gar nicht so leicht, Ergebnisse aus der über sechsstündigen Diskussion zu ziehen. Sein Fazit: Offenbar erwarte niemand von der Stadt, dass „wir hier ein Mammutprojekt annehmen, das wir für viele Millionen Euro entwickeln und ins Risiko gehen.“ Das sei ein gutes Ergebnis, auch mit Blick auf die Finanzen. Auch, weil die Stadt nicht die „Manpower“ hätte, die Arealsentwicklung in Eigenregie zu stemmen, bedürfe es – so hatten es auch die Bürgerinitiative und Stadträte vorgeschlagen – eines Partners. Nach einem solchen will sich der Bürgermeister nun auf die Suche machen. Die Frage sei allerdings, ob es dann noch des Kaufs samt „Transferkosten“ bedarf, so Winter. Bei der Kauffrage wollte sich der Bürgermeister nicht festlegen: „Wenn man es kauft, ist man hinterher in der Konzeptvergabe mit drinnen. Vielleicht gibt es auch noch einen anderen Weg.“ Wohin dieser führt, darüber bräuchte es bald Klarheit, denn bis Ende März muss sich die Stadt für oder gegen den Klosterkauf entschieden haben. Am 22. März will Bürgermeister Winter, so erklärte er auf Nachfrage, die Räte um ihr Handzeichen bitten.

Marco Tobisch

Auch interessant

Meistgelesen

Norovirus im Unterallgäu
Norovirus im Unterallgäu

Kommentare