Kneipp-Bund

Den besten Zeitpunkt gewählt

Thomas Gindhardt, Leiter der Kneipp Schule mit dem Zweiten Bürgermeister Stefan Welzel, Marion Caspers-Merk und der Bundesgeschäftsführerin des Kneipp-Bundes, Annette Kersting.
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Thomas Gindhardt, Leiter der Kneipp Schule mit dem Zweiten Bürgermeister Stefan Welzel, Marion Caspers-Merk und der Bundesgeschäftsführerin des Kneipp-Bundes, Annette Kersting.

Bad Wörishofen – Marion Caspers-Merk kandidiert nicht mehr für das Präsidentenamt des Kneipp-Bundes. Bei einem Pressegespräch legte die frühere Gesundheitspolitikerin ihre Gründe dar, warum sie nicht mehr für eine dritte Amtsperiode zur Verfügung steht. Aus Sicht der Geschäftsführerin der landeseigenen Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg sei aber der Zeitpunkt für die Amtsübergabe richtig gewählt, alles sei geordnet und bereit für ein neues Team.Offen ist noch, wer den Bund mit seinen über 600 Kneippvereinen und mehr als 160.000 Mitgliedern führen wird.

Mitte Mai soll in Koblenz ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin des Kneipp-Bundes gewählt werden. Dann endet die achtjährige Präsidentschaft der Baden-Württembergerin, die nun bei ihrem letzten offiziellen Besuch in der Kneipp-Stadt Bad Wörishofen ein Resümee ihrer Arbeit der vergangenen beiden Amtsperioden zog. Sie sei nach wie vor gerne hier in der Stadt, begann Marion Caspers-Merk, die mehr als 20 Mal von Stuttgart, ihrem derzeitigen Wohnort, nach Bad Wörishofen gekommen war, um ihre Aufgabe als Oberhaupt des Bundes wahrzunehmen.

Wörishofen sei nach wie für ein wichtiges Standbein der Kneippbewegung, ein Standbein, das man keinesfalls vernachlässigen dürfe, war Caspers-Merk überzeugt und fügte an: „ Man muss die Wurzeln kennen, wenn man den Bauch weiterentwickeln will“. Sie wolle die Gelegenheit nutzen, sich auch bei der Stadt zu bedanken für die vielfältigen Anliegen, die man gemeinsam geschafft habe. Als ein sehr greifbares Projekt nannte Caspers-Merk dabei die Wanderwege und den Erlebnispfad, den man – mit EU-Mitteln – hier in Bad Wörishofen realisiert hat. 

Für weitere Jahre gesichert sei die Stiftungsprofessur für Kneippgesundheit an der Charité in Berlin und – last but not least und für Marion Caspers-Merk mit am wichtigsten – die Eintragung des Kneippens in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. „Das war eine Gemeinschaftsanstrengung Bad Wörishofens, der Kneippkurorte und des Kneipp-Bundes“, stellte Caspers-Merk fest. Und hob hervor, dass der Kneipp-Bund einen nicht unerheblichen Anteil am Gelingen habe. „Wir haben die Ideen zusammengeführt, das Projekt geleitet und auch betreut. Denn die Anforderungen sind hoch“, sprach die „Badenerin“ Klartext, wie sie betonte. Man habe eine umfassende Dokumentation erstellen und eine Summary auf Englisch abgeben müssen und auch zwei unabhängige Wissenschaftler finden müssen, die bereit waren, zu bezeugen, dass es sich wirklich um ein immaterielles Erbe handele. „Das ist deshalb so wichtig, weil wir eine besondere Rolle haben“. Denn gerade aus Asien und Afrika sei die Ansicht vertreten worden, Kulturelles Erbe, das „sind ja immer nur Gebäude. Und die stehen im Westen“. Gerade in Asien habe man andere Traditionen, immaterielle wie die Traditionelles Chinesische Medizin TCM und Ayurveda, die beide bereits Weltkulturerbe sind, eben Traditionen und den menschlichen Wissensfundus beschreiben. Das müsse ja schließlich auch festgeschrieben werden. 

Nun also werde der Beitrag Pfarrer Kneipps zur Gesunderhaltung und zur Prävention gewürdigt – als einziger im Gesundheitsbereich. Es sei entscheidend, dass hier nicht etwas erfunden wurde, sondern, dass es auch gelebt werde – mit der Ausbildung, mit den Schulungen und Anwendungen, vor allem aber von den vielen Mitgliedern. Allerdings, so die Politikerin, wo es Licht gebe, sei auch Schatten. Man habe einen steinigen Weg beschritten in den vergangenen Jahren. Denn mit ihrer Präsidentschaftsübernahme brach einer der wichtigsten Sponsoren des Kneipp-Bundes, die Kneipp-Werke, weg: „Die Kneippwerke haben sich aus der Stadt zurückgezogen und aus der Förderkulisse verabschiedet“. Man habe das durch bessere Netzwerke und zahlreiche Unterstützer ausgleichen können. Es sei aber ein Stück Bitterniss, wetterte Caspers-Merk, „dass praktisch nur noch der Shareholdervalue zählt und die sozialen Verantwortung der Unternehmen nicht mehr gespürt wird“. Das sei auch eine Folge davon, wenn solch ein Unternehmen nicht mehr Inhabergeführt sei. Mit Blick auf die Stadt und deren Vertreter, dem zweiten Bürgermeister Stefan Welzel, wünschte sich die scheidende Präsidentin ein verstärktes Engagement der Kommune. Man habe Workshops zu Fachthemen für die Bevölkerung durchgeführt. 

Doch mit der kostenfreien Überlassung der Räumlichkeiten stehe und falle ein solches Angebot. Bad Wörishofen müsse sein Profil im Gesundheitsbereich entwickeln. Daher sei es wichtig, dass hier Veranstaltungen stattfinden könnten, die auch über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen würden. Bad Wörishofen und der Ausbau des Gesundheitsbereichs hier sei ihr Standbein gewesen, resümierte Caspers-Merk ihre Arbeit. Das Spielbein sei die Dependance in Berlin gewesen, wobei hier die Betonung auf den politischen Gesprächen und die Weiterentwicklung der Kneipp-Idee gelegen habe. Das gehe nur, wenn man ein wichtiger Mitspieler sei bei Themen wie Prävention, Gesundheitsförderung, aber auch, in welche Richtung sich das Gesundheitssystem entwickeln solle. Man habe den Dialog, Caspers-Merk nannte dabei die Fachkonferenzen mit mehr als 300 Teilnehmern, ausgebaut und werde auch bei gehört. Summa sumarum ein ordentliches Portfolio an Aufgaben und Erreichtem, das Caspers-Merk ihrem Nachfolger hinterläßt. Von dem oder von der sie sich wünscht, dass er oder sie den eingeschlagenen Weg weitergehen möge. „Wir haben viel erreicht und sind gut aufgestellt“. 

Vor allem sei man finanziell konsolidiert. Sorgen machte sich die Politikern allenfalls dahingehend, dass es zwar einen Interessenzuwachs gebe, also sich immer mehr Menschen mit der Idee Kneipps auseinandersetzen und den Lehren folgten. Geleichzeitig aber die Zahl der Mitglieder in den Vereinen zurückgeht. Die Bindung gehe verloren, bedauerte Caspers-Merk die Entwicklung. Weshalb man nun auch andere Finanzquellen erschließen müsse. Damit verbunden wünschte sich die noch Präsidentin eine Verjüngung des Präsidiums, um mehr Menschen zu erreichen und den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Zu den Gründen befragt, warum sie nun ihr Amt zur Verfügung stelle, erklärte die frühere Staatssekretärin, dass sie mit ihrer neuen Position bei der Lotto-Gesellschaft Baden-Württembergs mehr als ausgelastet sei.

„Ich steh seit vier Jahren voll im Geschirr“. Insbesondere durch eine konstanten Verschärfung der Vorschriften und Anforderungen bliebe ihr immer weniger Zeit für das Ehrenamt. Dazu käme noch, dass Annette Kersting, die Bundesgeschäftsführerin der Kneipp-Bundes, mit Ende des Jahres ebenfalls in den Ruhestand gehe.

von Oliver Sommer

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