Kreisausschuss gespaltener Meinung

Glyphosat-Aus beschlossen

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Über Gylphosat und seine Wirkung auf die Gesundheit des Menschen wird zurzeit in ganz Europa diskutiert.

Unterallgäu – Im Kreisausschuss wurde diese Woche über den Antrag der Grünen diskutiert, die sich für einen Verzicht von Glyphosat und Neonikotinoiden aussprechen. Zwar wurde das Verbot der vermeintlichen Krebserreger beschlossen, doch vor allem die Landwirte im Kreis­ausschuss waren anderer Meinung.

Die Begründung für diesen Antrag, erklärte Fraktionsvorsitzende Doris Kienle, sei die Aussage der internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen sei“. Diese aktuelle Einstufung von Glyphosat bestätige frühere Hinweise auf eine krebserregende und erbgutschädigende Wirkung des Wirkstoffs.

Nordrhein-Westfalen, Niedersachen, Rheinland-Pfalz und Hessen haben bereits auf diese Einstufung reagiert und Ausnahmegenehmigungen zum Glyphosat-Einsatz untersagt, heißt es im Antrag. Auch der Bundesrat habe sich 2013 für ein Verbot im Haus- und Kleingartenbereich ausgesprochen. Und auch einige Baumärkte hätten bereits angekündigt, Glyphosatprodukte aus ihrem Sortiment zu nehmen.

Auch Milchverarbeiter haben ihre Lieferanten verpflichtet, keinerlei glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Nicht nur wegen der gesundheitlichen Risiken, auch aus ökologischen Gründen sei eine wesentliche Reduktion geboten, so die Grünen. Man müsse den dramatischen Rückgang der Biodiversität, wie sie im Bienen- und Insektensterben deutlich Ausdruck findet, im Landkreis stoppen.

Landrat Hans-Joachim Weirather erklärte, dass bei dem größten Teil der Flächen im Eigentum des Landkreises ein Einsatz dieser Wirkstoffe nicht geplant sei. Für den kleinen Teil an Flächen, der verpachtet ist, gäbe es Verträge, die sicherstellen würden, dass diese Wirkstoffe nicht verwendet werden.

Mitglied im Kreisausschuss und Landwirtin Margot Walser (CSU), erklärte, dass man diese Wirkstoffe seit 40 Jahren verwende und die laufenden Untersuchungen keine Ergebnisse liefern würden. Auch Kaffee und Nikotin seien krebserregend aber nicht verboten, doch darüber diskutiere niemand. Es gäbe noch mehr vermeintliche Krebs­erreger als jene, die Landwirte verwenden. Die gängige Meinung sei, dass Landwirte „eigentlich alles falsch“ machen, so Walser. Landwirte seien bestens ausgebildet und wüssten, was sie tun – die ständigen Unterstellungen würden Landwirten die Arbeit erschweren und viele dazu veranlassen, ihren Hof aufzugeben.

Man könne keine Grunddiskussion führen, erklärte Weirather. Der Antrag sei nicht negativ an die Landwirte gerichtet. Außerdem sei der Landkreis Unterallgäu in keinem Fall auf diese Wirkstoffe angewiesen.

Roswitha Siegert (CSU) räumte ein, sie verstehe zwar nichts von Pflanzenvernichtung, betonte allerdings, dass nur ein kleiner Teil an Flächen im Besitz des Landkreises und ein großer Teil davon Wiesen seien, für welche man diese Wirkstoffe nicht benötige. Der zweite Landwirt im Kreisausschuss Dr. Reinhold Bäßler (Freie Wähler) warnte, dass man gut darauf aufpassen müsse, was man gewissen Berufsgruppen zumute.

Keiner würde in dieser Diskussion gegen die Landwirte agieren, erklärte Michael Helfert (SPD). Die Diskussion wundere ihn. Es gäbe unterschiedliche Aussagen zur Schädigung und Ansichten, welche man nicht zweifelsfrei klären könne. Jedoch bestehe ein Risiko, dass die zwei Wirkstoffe krebserregend seien. Man rede hier jedoch von einer geringen Fläche und deswegen sei er für einen „Symbolbeschluss“. Jedoch soll der Beschluss keine Symbolpolitik, sondern Vorbildpolitik sein. Deswegen sei er für einen Verzicht von Glyphosat und Neonikotinoiden. Landrat Weirather betonte, dass man mit dem Beschluss etwas tue, was man früher oder später sowieso getan hätte.

Somit verzichtet der Landkreis Unterallgäu ab dem 1. April auf allen Flächen, die sich in seinem Eigentum befinden oder unter seiner Bewirtschaftung stehen, auf den Einsatz von Glyphosat und glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln, wie auch auf Neonikotinoide.

Blick über den Tellerrand 

Kommunalpolitiker deutschlandweit diskutieren über den Einsatz von Glyphosat. Die Gemeinde Langenpreising (Bayern), Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) und Steinheim an der Murr (Baden-Württemberg) etwa haben gegen ein Verbot gestimmt – Konstanz, Landsberg oder auch der Landkreis München dafür

von Antonela Kelava

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