Kreisjugendring will jungen Menschen mit einem Video eine Stimme geben

Was macht die Corona-Krise mit der Unterallgäuer Jugend?

Jugendlicher mit Maske sitzt auf einer Bank
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Die Corona-Krise macht auch den Jugendlichen zu schaffen.
  • vonAnna Müller
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Unterallgäu – Wie in ganz Bayern sind auch die Einrichtungen des Kreisjugendrings Unterallgäu seit Dezember geschlossen. Damit fällt für viele Jugendliche ein wichtiger Anlaufpunkt bis auf weiteres weg. Aber wie geht es jungen Unterallgäuern gerade zwischen Lockdown und Distanzunterricht? Was macht ihnen Sorgen? Blicken sie zuversichtlich oder pessimistisch in die Zukunft? Und fühlen sie sich von der Politik überhaupt wahrgenommen?

Diese Fragen stellt der Kreisjugendring in einem Video. In Kurzinterviews erzählen Kinder und Jugendliche von ihren Sorgen, Nöten, Ängsten, aber auch Hoffnungen. Entscheidungsträger aus Politik, Vereinen und Verbänden kommen ebenfalls zu Wort. Damit will der Kreisjugendring der jungen Generation eine Stimme geben und dafür sorgen, dass sie nicht in Vergessenheit gerät.

Gedreht wurde im ganzen Unterallgäu; dafür wurde der Kreisjugendringbus zu einem mobilen Studio umgebaut. Aus vier Stunden Filmmaterial entstand ein etwa zehnminütiges Video, das auf dem YouTube-Kanal des Kreisjugendrings veröffentlicht wurde.

„Mir geht’s sehr gut.“ „Einfach ist es nicht.“ „Die Krise macht mich einfach nur fertig.“ „Scheiße.“ So verschieden wie die Jugendlichen sind auch ihre Antworten auf die Frage, wie es ihnen in der aktuellen Situation geht. Die jungen Leute, die im Video befragt werden, kommen sehr unterschiedlich mit der Krise zurecht. So manche wirken zwar gestresst und genervt, scheinen aber bisher noch ganz gut durchzuhalten. Anderen aber setzen die Kontaktbeschränkungen ernsthaft zu; vor allem ein Jugendlicher im Video scheint schwer darunter zu leiden.

Generell fehlt den jungen Unterallgäuern vor allem der Kontakt zu anderen, sei es in der Schule, im Verein, auf Festen oder einfach beim Treffen mit Freunden. Einer macht sich zudem Sorgen, wie er sein Abitur bestehen soll, wenn die komplette Prüfungsvorbereitung bisher online lief. Zwar dürfen die Abschlussklassen ab Montag wieder in die Schule, aber es bleibe dennoch „ein komisches Gefühl, wenn man sich nicht wirklich darauf vorbereiten kann“.

Stellt sich die Frage: Hat die Politik die Jugend vergessen? Holger Junginger, Dritter Bürgermeister der Gemeinde Boos, meint: ja. Die kleineren Kinder habe man bedacht, aber in Bezug auf die Jugendlichen höre man außer Homeschooling nicht viel. Und auch wenn Renate Deniffel, Jugendbeauftragte im Bezirk Schwaben, dem nicht vollkommen zustimmt, sagt sie im Video: „Man schaut nicht genau genug hin, was die Jugend in der Zeit braucht.“

Michael Sell, Leiter der Jubi Babenhausen und Jugendbeauftragter der Gemeinde, hält es derweil für sinnvoll, die Jugend mehr zu beteiligen, auch an Entscheidungen.

Die jungen Leute im Video blicken mit Unsicherheit und einem mulmigen Gefühl in die Zukunft. Sie hoffen, dass sich die Lage möglichst bald wieder entspannt und sie wieder zu ihrem normalen Leben zurückkehren können. Konkret wünschen sie sich einen strukturierten Plan, wie es weitergehen soll, und wieder mehr Kontaktmöglichkeiten zu anderen. Einigen von ihnen fehlen hier auch die Jugendzentren.

Dass alles wieder so wie früher wird, das glaube sie nicht, sagt eine Jugendliche im Video. Aber sie wünscht sich, „dass das alles wieder menschlicher wird, fröhlicher wird und wirtschaftlich einfach wieder in eine gute Richtung geht und dass man einfach keine Angst mehr haben muss.“

Klar ist, auch oder besonders für Jugendliche ist die Corona-Pandemie eine schwere Zeit. Was also können Erwachsene tun, um ihnen zu helfen – jetzt und in der Zeit nach der Krise? „Im Moment denke ich, ist es gut, dass man einfach Hoffnung gibt, dass man sich positiv begegnet, wo man sich begegnen kann und darf“, sagt Kirchheims Bürgermeisterin Susanne Fischer. Und sobald es wieder möglich ist, will sie vonseiten der Gemeinde die entsprechenden Jugendprogramme wieder intensivieren. Auch Buxheims Bürgermeister Wolfgang Schmidt ist der Ansicht, dass gerade die Entscheidungsträger möglichst viel für die Jugend tun und hier am Ball bleiben sollten. Schließlich gehe es mit den Jugendlichen auch um die Zukunft der Gesellschaft. Kai Erfurt vom Filmhaus Huber hält es für wichtig, auch nach der Krise wieder mehr auf die Jugend zu hören, zum Beispiel, was Themen wie die Fridays-for-Future-Bewegung angeht.

Bis das Leben wieder in halbwegs normalen Bahnen verläuft, wird es aber wohl noch eine Weile dauern. Also heißt es bis dahin für alle: durchhalten.

Anna Müller

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