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Krimi-Dinner: Schlemmen und Ermitteln mit dem Tussenhauser Theaterverein

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Von: Melanie Springer-Restle

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Die drei Ehepaare bestehend aus (v. links) Sebastian (Jürgen Rothen) und Gattin Vanessa (Michaela Waltenberger), Lucas (Georg Paul) und Ehefrau Beate (Heidi Schuster) sowie Hanne (Simone Stoll) und Gatte Günther (Christian Waltenberger) unterhielten das Publikum mit ehelichen Schlagabtauschen, viel Wortwitz und schwäbischer Mundart. Nur Sebastian wurde im dritten Akt zum Schweigen gebracht.
Die drei Ehepaare bestehend aus (v. links) Sebastian (Jürgen Rothen) und Gattin Vanessa (Michaela Waltenberger), Lucas (Georg Paul) und Ehefrau Beate (Heidi Schuster) sowie Hanne (Simone Stoll) und Gatte Günther (Christian Waltenberger) unterhielten das Publikum mit ehelichen Schlagabtauschen, viel Wortwitz und schwäbischer Mundart. Nur Sebastian wurde im dritten Akt zum Schweigen gebracht. © Uli Weise

Rammingen/Tussenhausen – Man nehme eine findige Wirtin, ein Gasthaus mit Bühne und herausragender Küche sowie eine leidenschaftliche Theatergruppe. Dazu gibt man eine Prise Neugier, Flexibilität und Mut zu Neuem. Das Ganze vermengt man zu einer homogenen Masse, streut etwas glänzendes Marketing darüber und fertig ist das perfekte Krimi-Dinner.

Als die Wirtin des Gasthofes Stern in Rammingen, Martina Hammerl, im Frühjahr letzten Jahres auf den Theaterverein Tussenhausen zukam, ahnte Spielleiter Hansi Schmid noch nicht, dass dies der Beginn einer erfolggekrönten Kooperation sein würde.

Hammerl fragte den Theaterverein, ob er sich vorstellen könne, ein Krimi-Dinner in ihrem Hause aufzuführen. Für alle, die sich darunter nichts Konkretes vorstellen können: Ein Krimi-Dinner ist ein Theaterstück in mehreren Akten. Zwischen den Akten wird jeweils der Gang eines Menüs serviert. So werden die Zuschauer nicht nur unterhalten, sondern auch kulinarisch hofiert. In jedem Krimi-Dinner gibt es – Sie ahnen es sicher – einen Mord, den es aufzuklären gilt.

Auf zu neuen Ufern

Da der Tussenhauser Theaterverein – wie viele andere Kulturtreibende – unter pandemiebedingten Entzugserscheinungen litt, ließ sich Schmid die Gelegenheit, mit seiner Truppe auf die Bühne zu ziehen, nicht entgehen. Das Umsetzen der Hygienemaßnahmen in einem Gasthaus war weniger problematisch als in Räumlichkeiten wie Turn- oder Mehrzweckhallen. Rechtlich war daher alles koscher.

Bisher spielte der Verein hauptsächlich Lustspiele in Mundart, die in den letzten Jahren stets ausverkauft waren. Doch das Format eines Krimi-Dinners war für alle Neuland. Als die Kooperation zwischen Hammerl und dem Theaterverein besiegelt war, ging es an die Auswahl des Stückes und die Entscheidung fiel auf „Zum Nachtisch blauer Eisenhut“, geschrieben von Autorin Madeleine Giese. Im Geiste hatte Schmid bereits die Rollen verteilt. Die Probearbeiten dauerten circa sechs Wochen. Doch genau fünf Tage vor der Uraufführung musste der Auftritt im letzten Herbst pandemiebedingt abgesagt werden, was für viel Frust unter allen Beteiligten sorgte. Umso größer war die Freude, dass es nun geklappt hat.

Das Publikum wähnte den Wirt Alf Schubbeg (Mathias Meier) als Mörder. Doch der war´s nicht.
Das Publikum wähnte den Wirt Alf Schubbeg (Mathias Meier) als Mörder. Doch der war´s nicht. © Springer-Restle

Das Bühnenbild des Krimi-Stückes bestand aus einem großen Tisch im Wirtshaus, in dem sich drei befreundete Pärchen zum Essen trafen. Sebastian, Verleger und Weiberheld (gespielt von Jürgen Rothen), und dessen biedere und resignierte Frau Vanessa (gespielt von Michaela Waltenberger), betraten den Gastraum zuerst – streitend versteht sich. Dann folgte Günther, ein selbsterklärter Hobbykoch (gespielt von Christian Waltenberger), mit Gattin Hanne (gespielt von Simone Stoll), die sämtlichen leiblichen Freuden nicht abgeneigt war. Als letzte traten Lucas (gespielt von Georg Paul) und Beate (gespielt von Heidi Schuster) ein. Lucas´ hohe Affinität zu Spirituosen reizte Gattin Beate. Alle Paare waren beim Eintreffen in eheliche Kabbeleien verwickelt. Der Wirt Alf Schubbeg (gespielt von Mathias Meier) agierte neben seiner Kellnerfunktion auch als Erzähler, der den Zuschauern die Rahmenhandlung nahebrachte. Hobbykoch Günther hatte nur einen Traum: Er wollte sein Buch mit dem Titel „Die Seele der Rindsroulade“ veröffentlichen – zum Leidwesen von Gattin Hanne, die sich darüber ärgert, dass das einzige Fleisch, für das sich ihr Gatte interessiert, in der Pfanne oder im Kochtopf liegt. Von der Idee, Günthers Buch im Verlag seines vermeintlich loyalen Freundes Sebastian zu veröffentlichen, war Letzterer alles andere als begeistert. Auch dass Günther bereits heimlich den Cheflektor zu einer Veröffentlichung überredete, konnte Sebastian nicht überzeugen.

Neben diversen Vertrauensbrüchen flogen während des Stückes auch sämtliche Liebschaften auf, die Sebastian einst mit jeder der anwesenden Damen pflegte. Zu Beginn des dritten Aktes war Sebastian tot. Vergiftet. Mit blauem Eisenhut. Ein Motiv hatte im Grunde jeder. Doch wer war es?

Publikum durfte mitraten

Diese Frage stellte sich auch das Publikum, das sogar öffentlich zum Mitraten aufgefordert wurde. Während der Veranstaltung wurden Zettel verteilt, auf denen jeder Zuschauer seinen Verdacht festhalten konnte.

Ausgewertet wurden die Ergebnisse von der ersten Vorstandsvorsitzenden des Theatervereins, Claudia Wenger, und dem Pressesprecher Uli Weise. Letzterer hat den Verein in den letzten Jahren medial auf Vordermann gebracht und auch die Webseite erneuert. Weise kümmerte sich ferner um das Marketing rund um das Krimi-Dinner, wofür die Vorstandschaft sehr dankbar war.

Unter den Zuschauern, die auf den richtigen Mörder tippten, wurden zwei Theaterkarten verlost. Kurioserweise wähnten die meisten Gäste den Wirt als Mörder, obwohl er der Einzige war, der kein offenkundiges Motiv hatte. Doch weit gefehlt! Auch gekränkte Ehre kann ein Mordmotiv sein.

Zum Nachtisch reichte die „echte“ Wirtin passend zum Stück „Blauen Eisenhut“ – eine Kreation aus blauer Eiscreme.

Mit dem Pilotprojekt des Krimi-Dinners ist der Tussenhauser Theaterverein weit von einer Bruchlandung entfernt. Im Gegenteil: Das neue Format könnte der Auftakt zu neuen Höhenflügen sein, der Tussenhausen in puncto Spielkunst auch über die Landkreisgrenze hinaus erstrahlen lässt.

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