Facebook-Post zu Corona-Schnelltests

Kritik vom Landrat: „Stell dir vor, du bist ein Schulkind...“

Neue Schulroutine seit dieser Woche: Schnelltests unter der Aufsicht von Lehrern.
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Neue Schulroutine seit dieser Woche: Schnelltests unter der Aufsicht von Lehrern.
  • Marco Tobisch
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Unterallgäu – Seit dieser Woche gilt an bayerischen Schulen – zumindest dort, wo die Inzidenzzahlen Präsenz- oder Wechselunterricht zulassen – eine Testpflicht für Schüler. Zweimal pro Woche müssen sich die Kinder und Jugendlichen testen lassen. Kritik zu dieser Regelung gab es am Sonntag in einem Facebook-Post von Landrat Alex Eder, der damit auf große Zustimmung stieß. Ähnlich hatte sich zuvor auch die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände geäußert.

„Meiner Meinung nach sind Schulen keine Teststationen“, schrieb Eder am Sonntagabend. Und doch müssen sich Schüler seit dieser Woche unter Aufsicht der Lehrer testen lassen, wenn sie nicht anderweitig für einen gültigen Negativnachweis sorgen konnten. Zweimal pro Woche muss dieser erbracht werden. Wer neugierigen Augen in der Schule entgehen will, dem bleibt als Alternative der Besuch einer offiziellen Schnelltest-Einrichtung, etwa einer Apotheke oder dem Testzentrum in Erkheim. Maximal 24 Stunden dürfe dieser Test alt sein, informiert das Landratsamt.

Größtenteils im Homeschooling

In welcher Form Unterricht stattfindet, hängt von der 7-Tage-Inzidenz am Freitag der Vorwoche ab. Im Unterallgäu lag der Inzidenzwert laut RKI am Freitag letzter Woche bei 176,1, weshalb sich Unterallgäuer Schüler in dieser ersten Woche nach den Osterferien überwiegend im Homeschooling befinden. Die Ausnahmen: In den 4. Klassen der Grundschulen, der Jahrgangsstufe 11 der Gymnasien und der Fachoberschulen sowie in Abschlussklassen findet auch diese Woche Präsenzunterricht statt, soweit dabei der Mindestabstand von 1,5 Metern durchgehend und zuverlässig eingehalten werden kann. Ansonsten findet dort Wechselunterricht statt.

Dass sich Kinder in der Schule testen lassen, hatte Landrat Eder erst kürzlich öffentlich kritisiert. Der Landrat hält es für „zielführender“, den Schülern die Möglichkeit einzuräumen, sich morgens zuhause zu testen. „Es ist nicht sinnvoll, dass ein Kind im Schulbus zur Schule fährt, sich in die Klasse setzt und dann erst getestet wird“, so Eder. Deshalb schrieb er kürzlich auch an Kultusminister Michael Piazolo, mit einem Test zuhause könne auch einer möglichen Stigmatisierung des Kindes im Falle eines positiven Testergebnisses vorgebeugt und damit psychischer Druck genommen werden. Am Sonntag folgte das Update zu den Bemühungen des Landrates: „Leider war mein Anschreiben an das Kultusministerium diesbezüglich ergebnislos.“

„Tests sollten unbedingt zu Hause stattfinden“

In jenem Facebook-Beitrag skizziert Eder auch durchaus umfangreich die möglichen Folgen, die mit den Tests in der Schule womöglich verbunden sein könnten. Wörtlich schrieb der Landrat:

„Stell dir vor, du bist ein Schulkind. Du fährst morgens mit dem Bus in die Schule und musst dich in der ersten Stunde mit allen anderen gemeinsam vor allen anderen Augen testen lassen. Die Unsicherheit während der 15 Minuten Wartezeit, obwohl du dich gesund fühlst. Stell dir vor, dein Test ist trotzdem positiv. Deine benachbarten Schulkameraden rutschen sofort einen Meter weiter auf Abstand, einer kreischt und sagt, du hast das todbringende Virus, andere lachen dich aus. Die Lehrerin weiß nicht mehr, wie sie mit dir umgehen soll. Du wirst isoliert, in einen eigenen Raum gebracht. Niemand nähert sich dir mehr und du weinst bitterlich, weil du nicht weißt, was das jetzt bedeutet. Niemand kann dich trösten, weil sich niemand traut, dir näher zu kommen. Du kommst alleine in einen Raum, bist in völliger Panik und Verunsicherung und musst warten, bis einer deiner Eltern in die Schule kommt, Hals über Kopf aus der Arbeit zurück, um dich abzuholen. In der Zeit geht dir durch den Kopf, dass du gestern vielleicht deinen Opa angesteckt hast. Dass du vielleicht im Schulbus Freunde angesteckt hast. Niemand ist in dieser Zeit bei dir. Die ganze Klasse redet noch wochenlang davon, dass du derjenige bist, der am Wochenende wahrscheinlich nicht genug aufgepasst hat und nun Andere gefährdet. Diesen Druck sollten wir nicht auf unsere Kinder abladen, die Tests sollten unbedingt zu Hause stattfinden.“

Kritik auch von der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände

Eders Forderungen spiegeln auch die Meinung der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände wieder. Die Vertreter von Bayerischem Philologenverband (bpv), Bayerischem Realschullehrerverband (brlv), Katholischer Erziehergemeinschaft (KEG) und dem Verband der Lehrkräfte an beruflichen Schulen (VLB) schreiben in einer Pressemitteilung, grundsätzlich begrüße man die generelle Testpflicht für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, jedoch lehne man Tests nach dem gemeinsamen Schulweg in den Klassenzimmern ab. „Klassenzimmer sind keine Testzentren. Sie sind Schutzräume und stehen für Sicherheit und Geborgenheit.“ Deshalb müsse es auch möglich sein, Tests in den Schnelltestzentren oder zu Hause durchzuführen, so die Arbeitsgemeinschaft.

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