Motive entspringen aus Krankenhaus-Vorhang

Sophie Fiener stellt ihre Gemälde und Skulpturen im „Salon“ aus

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Künstlerin Sophie Fiener stellt ihre Werke im „Salon“ aus.

Mindelheim – Sophie Fiener stellt ihre Werke ab heute abend im Kunstverein Mindelheim „Der Salon“ aus. Noch bis zum 27. Februar kann man ihre Bilder betrachten. Die Künstlerin malt mit Acryl auf Leinwände was ihr in den Sinn kommt. Angefangen mit Frauenfiguren, lässt sie heuer auch Tiere oder einen Zirkus auf einem Gemälde entstehen.

Christel Klemenjak, Vorsitzende des Kunstvereins, betont, dass Fiener noch nicht so lange male, aber schon jetzt ihren eigenen Stil gefunden habe. „Ihr Stil ist vielfältiger geworden und hat sich weiterentwickelt“, erzählt Klemenjak. „Am Anfang hat sie nur Frauenfiguren gemalt. Jetzt hat sich die Thematik enorm geändert.“ Was Klemenjak sehr an Fiener schätzt, ist ihr Markenzeichen: „Sie bleibt sich ihren geschwungenen Linien treu.“

Erst seit vier Jahren ist Fiener, die in Köln geboren wurde, als Künstlerin tätig. Davor war sie jahrelang Reiterin und hatte ihre eigenen Pferde. Doch als sie diese verkaufte, hatte sie so viel Zeit, dass sie erst mit dem Verzieren von Perückenköpfen anfing und dann ins Malen überging. „Bei jedem Bild ist Christel gnädiger zu mir geworden“, lacht die Malerin.

Das künstlerische Talent liegt in ihrer Familie. Bereits die Mutter hat in der Nachkriegszeit Ölgemälde gemalt und ihre Bilder gegen Lebensmittel eingetauscht, um so ihre Familie zu ernähren. Der Vater war mit 17 Jahren in der USA in Kriegsgefangenschaft. Dort musste er erbeutete Maschinenskizzen und Landkarten abzeichnen. Künstlerisch verausgabt hat sich auch ihr Großvater. Als Schneider hat er Puppen mit Gardinen, Nylon­strumpfhosen und Bananen­röckchen versehen. „Leider habe ich nichts mehr davon“, bedauert Fiener. „Da ich nicht gerne nähe, war das keine Alternative für mich, aber mein Sohn näht gerne.“

Kreativ tätig war Fiener nicht erst von heut auf morgen: „Ich habe schon immer gerne gemalt und Flohmarktmöbel aufgehübscht.“ Auch im Atelier stehen solche Möbel, ganz im Stil von Fiener. An den Wänden hängen und auf dem Boden stehen circa 30 Gemälde in unterschiedlichen Größen, vielfältig an Farben und Motiven. Ein eher düster gehaltenes Bild, das von Schwarz dominiert wird, trifft auf einen mit schillerndem Kopfschmuck bestückten Transvestiten.

Manche Bilder erhalten religiöse Elemente, wie zum Beispiel ein Kirchenfenster oder Kreuze. „Meine Eltern waren Atheisten und auch ich bin unreligiös. Solche Elemente kommen einfach ins Bild“, sagt Fiener.

Doch auch Frauenfiguren hängen nach wie vor in dem kleinen Raum. „Frauen sind interessanter als Männer“, erklärt Fiener. Woher die Inspirationen für ihre Motive kommen, ist sehr unterschiedlich. Bei den drei Frauen, die mit dem Rücken dem Betrachter zugewandt sind und sich vor einem blauen Hintergrund befinden, ist die Geschichte dazu banal: „Die Idee zu diesem Bild kam mir, als ich im Mindelheimer Krankenhaus lag. In dem Krankenzimmer gab es blaue Vorhänge mit einem Muster. In diesem Muster habe ich dann diese drei Frauen gesehen und das Bild auf der Rückseite des Speiseplanes skizziert.“

Viele Ideen stammen aber auch aus dem Fernsehen, beispielsweise bei einer Dokumentation, oder im „Cirque du Soleil“ aus dem die Zirkusbilder entsprangen. Oftmals liege sie auch abends im Bett, als ihr plötzlich ein neues Thema für ein Bild einfällt. Die Jahreszeiten wirken sich ebenso auf die Bilder aus. So sind Bilder, die sie im Winter pinselt, düsterer, als welche die im Sommer entstehen.

In der heutigen Welt müsse man sich von anderen abgrenzen. Deshalb male sie auch kaum noch nach Vorlagen. „Die Leute wollen keine perfekten Bilder“, so Fiener. Das würde man mit einem Foto erreichen. „Man muss etwas malen, was man auf einem Foto nicht sehen, also auch nicht fotografieren kann.“

In einer Woche schafft sie drei bis vier Bilder, wenn sie Lust und Ideen dazu hat. „Wenn mir etwas einfällt, sagt mein Mann, dass es wie eine Sucht bei mir sei“, erzählt sie. Dann sei sie für ein paar Stunden in ihr Malzimmer gegangen und habe dort ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Das Malen geht nicht immer so leicht von der Hand. „Manche Bilder haben mich echt Nerven gekostet. Während des Malens denke ich schon, dass das nichts wird. Dann werde ich narrisch“, gibt sie zu. Viele Bilder kann man jedoch während des Entstehungsprozesses noch ändern und somit retten. „Mit einem Schwamm geht das meistens ganz gut weg“, sagt die Künstlerin. Da sie erst den Hintergrund malt und dann die Umrisse ihres Motivs skizziert, kann man leicht überstreichen.

Doch nicht nur Gemälde, sondern auch Skulpturen entwirft sie. So hat sie einen Torso unter dem Aspekt des Schönheitswahns kreiert, bei dem der Po 6.500 Euro kostet und die Brust 5.100 Euro. Damit will sie auf die Schönheitsoperationen aufmerksam machen. Andere Torsi hat sie mit Zeitungspapier eingekleistert. Köpfe bemalt sie, wie damals am Anfang ihrer künstlerischen Tätigkeit auch, immer noch gerne. 

Julia Böcken

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