Chance auch für Kurorte im Unterallgäu

Neues Gesetz: Kuren sind wieder Pflichtleistung für Krankenkassen

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Im Herbst letzten Jahres hatten Wörishofer Hoteliers MdB Stephan Stracke einen offenen Brief mitgegeben, in dem sie die Einführung der Kur als Pflichtleistung forderten. Das wird nun Realität.
  • Marco Tobisch
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Bad Wörishofen/Bad Grönenbach/Berlin - Ist das die Renaissance der Kur? Der Deutsche Bundestag hat heute das Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz beschlossen, womit Kuren zur Pflichtleistung der Krankenkassen werden. Dies gilt sowohl für ambulante Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten als auch für stationäre Präventionsleistungen. Auch für Kurorte wie Bad Wörishofen oder Bad Grönenbach bedeutet das eine große Chance.

In Bayern gibt es 47 Heilbäder und Kurorte, auch Bad Wörishofen und Bad Grönenbach zählen dazu. Wie man im bayerischen Wirtschaftsministerium weiß, sind diese Orte „ein wichtiger Wirtschaftsfaktor überwiegend im ländlichen strukturschwachen Raum, der Arbeitsplätze bietet und positive Konjunktureffekte auf Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel, Handwerk in der Region hat“. Im Jahr 2019 verzeichneten Bayerns Kur- und Heilbäder über 5,7 Millionen Gästeankünfte und über 24 Millionen Übernachtungen. Damit entfallen laut Wirtschaftsministerium 14,3 Prozent aller Gästeankünfte und rund ein Viertel aller Übernachtungen auf diesen Bereich.

Umso bedeutsamer ist nun der Beschluss vom Freitag im Bundestag für die Region zu gewichten, wie auch der Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU) erklärt: „Die Anerkennung von Kuren als Pflichtleistung ist ein langjähriges Anliegen der CSU. Damit stärken wir gezielt die Prävention im Gesundheitsbereich.“ Und da profitiere besonders seine Heimat, erklärt Stracke. „Heilbäder und Kurorte sind ein starker Faktor in der bayerischen Gesundheitswirtschaft, besonders im Allgäu. Mit der Pflichtleistung stärken wir unsere Kurbetriebe. Das ist gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein klares und deutliches Signal für unsere mittelständischen Betriebe“, so der Allgäuer Abgeordnete. 1996, im Zuge der damaligen Gesundheitsreform, waren Kuren als Pflichtleistung aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen worden. Stephan Stracke hatte nun als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für den Bereich Gesundheit, so heißt es in seiner Presseerklärung, das Gesetzgebungsverfahren eng begleitet und mitgestaltet. Ursprünglich sollte das Gesetz schon am 7. Mai 2021 beschlossen werden, der Abschluss hatte sich jedoch verzögert.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek erklärte am Freitag: „Ich freue mich sehr, dass der Bundestag heute endgültig den Weg für die ambulante Badekur als Pflichtleistung frei gemacht hat. Bayern hat lange dafür gekämpft, und die Verabschiedung des Gesetzes kommt zur rechten Zeit. Der Freistaat ist mit seinen Heilbädern und Kurorten Bäderland Nummer 1 – für uns haben Kuren einen ganz besonderen Stellenwert.“

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sieht für Kurorte wie Bad Wörishofen oder Bad Grönenbach nun „ein ganz wichtiges Aufbruchssignal“. Zudem erklärte Aiwanger: „Nach harten Monaten zeichnet sich nun eine optimistische Perspektive für den Gesundheitstourismus ab. Kurorte und Heilbäder erhalten die Chance, das Kurgeschäft als wichtiges wirtschaftliches Basisgeschäft wieder aufzunehmen und auf dieser Basis die Angebote im Selbstzahlermarkt weiter auszubauen.“

Und wie reagiert man in der Kneippstadt auf die frohe Botschaft? Bürgermeister Stefan Welzel ist überzeugt: „Davon wird auch Bad Wörishofen profitieren. Das ist ein sehr ermutigendes Signal für die Gesundheitsstadt Bad Wörishofen, Impulsgeber für die hochqualitativen Kurangebote in der Kneippstadt und motiviert hoffentlich viele Gesundheitssuchende, zu uns zu kommen.“ Für wichtig hält es Welzel nun bei der Umsetzung der neuen Gesetzeslage, dass Kur­anträge so unbürokratisch wie möglich gestellt werden können. „Gerade die Kneipp-Kur hat es verdient, wieder diesen Stellenwert zu bekommen.“

Dass Bad Wörishofen vom neuen Gesetz profitiert, glaub auch Kurdirektorin Petra Nocker – „weil wir hier in Bad Wörishofen eine hohe Anzahl zertifizierter Kurbetriebe haben, die am Rahmenvertrag mit den gesetzlichen Krankenkassen teilnehmen und somit Kuren abgeben dürfen. Das ist ein großer Vorteil unserer hohen Kompetenz vor Ort.“

Im Bundesrat soll das Gesetz am 25. Juni abschließend beraten werden.

wk

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