Kurseelsorger Pater Rüdiger verlässt Bad Wörishofen

Kraft und Lebenserfahrung, die jeder gespürt hat

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Feierlich wurde Pater Rüdiger Prziklang (vorne rechts) aus Bad Wörishofen verabschiedet. Sein Nachfolger wird Professor Dr. Dr. Adalbert Keller (vorne links).

Bad Wörishofen – Er ist unübersehbar und war ein gewichtiger Faktor in der Kirchenarbeit in Bad Wörishofen: Pater Rüdiger. 14 Jahre lang war der Pater von den Mariannhiller Missionaren Kurseelsorger in der Kneippstadt und hatte immer ein offenes Ohr für die Nöte anderer. Nun verlässt Pater Rüdiger Prziklang die Stadt und kehrt in seinen Orden zurück, neuer Kurseelsorger wird Professor Dr. Dr. Adalbert Keller.

„Lieber Rüdiger, du hast hier wirklich Spuren hinterlassen.“ Damit bezog sich Domdekan Dr. Bertram Meier nicht nur auf die Person Pater Rüdiger, sondern vor allem auf seine Arbeit als Kurseelsorger. „Du warst ein gewichtiger Faktor in der Arbeit“, resümierte der Bischofsvikar das Leben und Wirken des Mariannhiller Missionars, der im hohen Alter von 66 Jahren noch einmal eine neue Aufgabe in der Kneippstadt übernommen hatte. Man merke, so Meier, dass Pater Rüdiger eine stattliche Ordenslaufbahn hinter sich gebracht habe. „Du kannst leiten“, so Meier, aber Pater Rüdiger besitze auch viel Einfühlsamkeit und Empathie. „Du kannst den Menschen helfen, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen“. Dafür wolle man ihm von Seiten der Diözese Augsburg von Herzen danken.

Weggenossenschaft

In der Messe hatte Meier erwähnt, dass die Kurseelsorge nie stehen bleibe, sie einer Wegstrecke gleiche, die man zusammen fortschreite. Und so tue nun Pater Rüdigers Nachfolger, Professor Adalbert Keller seine ersten Schritte in der Kneippstadt, merkte Meier mit Blick auf den Neuen an. Er wünsche sich, und Adalbert Keller, dass er sich gut in Wörishofen einlebe und am Netzwerk Kirche in Wörishofen weiter knüpfe. „Sie bringen hier sehr viel ein“, begrüßte Meier den Theologieprofessor, vor allem seine geistliche Präsenz als ständiger Diakon. Neben diesem geistlichen Wirken bringe Keller auch akademisches Know-how mit Tiefgang und intellektuelle Redlichkeit mit. Niemand müsse also Angst haben, dass es künftig Vorlesungen und eventuell sogar Hörerscheine geben werde. Und schließlich gehe es um die Herzensbildung, so Meier. Womit er seine Worte aus der Eucharistiefeier erneuerte und, an beide gerichtet, meinte: „Fangt niemals an, aufzuhören.“ Damit zwinkere er Pater Rüdiger zu, der eben nicht zum Altenteil gehöre und nun aufhöre. Es fange für ihn eine neue Lebensgemeinschaft (in seinem Orden) an, dort solle er sich gut aufgehoben fühlen. „Und hört niemals auf, anzufangen“, rief Meier beiden zu, wobei er mit Blick auf Keller hinzufügte, dass es doch noch eine schöne Wegstrecke sei, die hier in Bad Wörishofen noch vor ihm liege. Diese Wegstrecke verlange Spannkraft, Energie und Kreativität.

Die Kurseelsorge, schloss Meier seine Begrüßung und seine Worte ab, ist auch Netzwerkarbeit. Nicht zuletzt deshalb habe man zu dem Empfang bzw. der Verabschiedung die Vertreter aus Politik und Tourismus gebeten. Auch weitere Kirchenvertreter konnte Meier begrüßen, insbesondere den evangelischen Vertreter, den Prädikanten Manfred Gittel. Aus Oberstaufen war eigens auch der Diözesanbeauftragte des Bistums Augsburg, Josef Hofmann, angereist. Persönliche Worte wollten schließlich auch Bernhard Ledermann, der Vorsitzende des Pastoralrates und Andreas Hartmann sprechen. Der Ortspfarrer, so Meier, sei ein ganz wichtiger Kooperationspartner für die Kurseelsorge im Ort.

Auch Bürgermeister Gruschka würdigte den beliebten Seelsorger, der vor allem durch sein direktes Wesen bei Gästen wie Einheimischen gleichermaßen gewesen sei. Jeder, der mit Pater Rüdiger zu tun gehabt habe, hätte dessen Kraft und Lebenserfahrung spüren können. Ihm sei immer der Kontakt zum Menschen wichtig gewesen, hob Gruschka hervor, immer habe er ein offenes Ohr für die Anliegen der Gäste gehabt Deshalb sei es ihm eine große Ehre, die Verbundenheit der Stadt mit der Kurseelsorge zum Ausdruck zu bringen. Die Kurseelsorge sei ein echtes Markenzeichen der Stadt Bad Wörishofen geworden, ein im wahrsten Sinn des Wortes Seelsorge, eine Hilfe für die bedrängte Seele, so Gruschka. Deshalb auch seien die Gottesdienste immer gut besucht, nicht streng und todernst, sondern lebendig und Zeichen für einen wachsenden Glaube. Und mit einem schmunzeln musste der Bürgermeister anfügen, dass die (zumeist) älteren Damen nicht nur von den Ausflügen mit Pater Rüdiger sondern auch von ihm schwärmten. Er hoffe, dass Pater Rüdiger die Erfahrungen, die er mit der Stadt und dem Pfarrer Kneipp gemacht habe, nützlich sein werden. „Ich bin dankbar, Sie zu kennen“, schloss Gruschka.

Wichtiger Anlaufpunkt

Auch in den weiteren Reden wurde vor allem eines immer betont: „Sie haben sich wundervoll um die Seele der Menschen gekümmert.“ Insbesondere in einer Welt, in der der Zweitplatzierte immer der erste Verlierer ist, sei es wichtig, dass es einen Anlaufpunkt gibt, wo die Menschen Hilfe, Trost und Unterstützung finden. Dies insbesondere im Urlaub oder in der Kur, wo die Seele Zeit zum „Durchschnaufen“ hat und auch einmal Hilfe brauchen darf, die wir ihr im hektischen Alltag versagen. Oder wie die Kurdirektorin Petra Nocker meinte, die an die Kondratjew-Zyklen erinnerte. Wobei einer der Zyklen, die sich eigentlich um die Wirtschaft drehen, neuerdings mit der Gesundheit – körperlich wie seelisch – verknüpft wird. Das letzte Wort hatte dann Pater Rüdiger selbst. „Ich brauche Menschen um mich. Das bereichert mich“. Diese Menschen hofft der Ordensmann in seinen Glaubensbrüdern zu finden, in deren Mitte er zurückkehrt. 

Oliver Sommer

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