"Ich könnte die Arbeit von Weirather nahtlos fortsetzen"

Landratswahl 2020: SPD nominiert Kreisrat Michael Helfert

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Gratulierten zur Wahl Michael Helferts (Mitte, mit Blumen): Der Dritte Bürgermeister Mindelheims, Roland Ahne (v. links), die stellvertretenden Vorsitzenden des Unterbezirks Memmingen-Unterallgäu, Susanne Friederich-Scheuerl und Mehmet Yesil (auch Stadtrat in Mindelheim) sowie der Vorsitzende des Ortsvereins Mindelheim Thomas Riederle.

Unterallgäu – Schon einmal stand der Name Michael Helfert auf dem Wahlschein für den Landrat des Unterallgäus. Seinerzeit unterlag der Türkheimer. Nun will es Helfert, Leiter der Kindergärten im Markt, noch einmal wissen. Dabei führte er vor allem die Kontinuität seiner Arbeit und seines Engagements ins Feld.

„Diesmal setze ich nicht Platz, sondern auf Sieg“, so Michael Helfert. Damit spielte der gebürtige Mindelheimer darauf an, dass er sich schon einmal für die Wahl als Landrat beworben hatte. Damals war Helfert in der Wahl mit zehn Prozent Zustimmung dem amtierenden Hans-Joachim Weirather unterlegen. Nun gehe es aber um die Zukunft des Unterallgäus und er habe den Anwesenden einiges zu sagen, vor allem aber, wie es mit dem Landkreis weitergehen solle, sollten die Bürger ihn diesmal wählen. „Ich bleibe dran. Ich will meine Ziele erreichen.“

Helfert war seinerzeit mit 18 Jahren in die Partei eingetreten und hatte erst mit 22 Jahren seine Ausbildung als Erzieher begonnen, wie er den Interessierten im Mindelheimer Forum erklärte. Daran erkenne man, „Stabilität ist mir wichtig“, so der Kreistagsabgeordnete. Wer als Quereinsteiger ohne politischen Hintergrund meine, mühelos langjährige Kommunalpolitiker ersetzen zu können, der unterschätze den Wert kommunalpolitischer Arbeit, sagte Helfert mit Blick auf die Mitbewerber. Manchmal müsse man eben sehr lange und sehr dicke Bretter bohren.

Er habe seine Entscheidung als 18-Jähriger bewusst getroffen, es gehe ihm um die Heimat. Deshalb auch sei er stets in der Kommunalpolitik geblieben, stellte Helfert fest. Es gehe ihm nicht um Karriere. „Um das geht es mir überhaupt nicht, sondern um meine Überzeugung.“ Und er stellte klar, dass er als gebürtiger Unterallgäuer den Landkreis von einem Ende bis zum anderen kenne. Und sich in den vergangenen zwölf Jahren als Kreistags­abgeordneter um den Landkreis kümmere. Er sei hier verwurzelt und wisse, was der ländliche Raum brauche. Diesmal gelte es, wie vor zwölf Jahren, weil der Amts­inhaber aufhöre. Inzwischen aber sei er kein unbeschriebenes Blatt mehr, habe in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen sammeln können. Helfert war 2006 als jüngster Kandidat mit 36 Jahren angetreten. Seinerzeit unterstellte ihm eine Karikatur, dass dem „SPD-Nachwuchs“ der Ball wohl zu groß sei. Nun dürfte Helfert an der Erfahrung und den ihm gestellten Aufgaben gewachsen sein. So sei er in alle Dinge gut eingearbeitet.

Arbeit nahtlos fortsetzen

„Ich könnte die Arbeit von Weirather nahtlos fortsetzen“, ist sich der Kandidat sicher. Die langjährige Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen sei ihm dabei hilfreich. Es sei wichtig, kompromissfähig zu sein und die Menschen zusammenzuführen. Das sei ihm beim Thema Flexibus etwa gelungen, wo er eine parteiübergreifende Mehrheit habe organisieren können. Nicht nur, dass er gut vernetzt sei durch die Arbeit der vergangenen Jahre. Er habe ein offenes und gutes persönliches Verhältnis, parteiübergreifend, mit vielen Kollegen aus dem Kreistag sowie Bürgermeistern im Landkreis. Das sei eine gute Grundlage für eine künftige, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Landrat und Bürgermeistern, befand Helfert. Dabei sei es hilfreich, glaubt der gelernte Erzieher, der seit 1992 die Türk­heimer Kindergärten mit rund 40 ihm unterstellten Mitarbeitern führt, dass er die Mitarbeiter im Landratsamt schon kenne. Als Kreisrat habe er gezeigt, dass er sachlich und konstruktiv arbeiten könne. Und als Fraktionsvorsitzender sei er seit nunmehr neun Jahren in alle weitergehenden Vorgänge im Landkreis eingebunden gewesen.

Mit Blick auf die nächsten Jahre nannte Helfert zehn Schwerpunkte, „was ich bewegen will“. Es gehe ihm dabei darum, den Landkreis zu erhalten, mit viel schöner Natur und Kultur, netten Menschen, guten Arbeitsplätzen und einer guten Verkehrs­anbindung. Auch nannte Helfert das Thema Zukunft der Kliniken. Man sei gut aufgestellt, müsse aber bei Aussagen wie „Akutklinik“ Ottobeuren alarmiert sein. Denn diese Aussagen, die zu hören seien, widersprächen den Kreistagsbeschlüssen. Auch gehe es um die ärztliche Versorgung auf dem Land. In die gleiche Richtung geht das Thema Bildung, mit dem Helfert junge Menschen im Landkreis halten will. Man sei mit Bildungseinrichtungen gut versorgt und up to date. Doch auch die Neuansiedlung von Hochschulen, die den Hightech-Firmen der ­Region entgegenkommen, müsse zur Sprache gebracht werden. Damit im Einklang steht auch das soziale Miteinander im Landkreis, die Vereine und natürlich die Schaffung von bezahlbarem und passenden Wohnraum. Ziel einer Analyse müsse sein, die Menschen in die Ortsmitte zu bekommen und zu halten und weder Wohnraum noch Arbeitsplätze an die Peripherie abzuschieben. Man lebe in einer wunderschönen Vor­alpenlandschaft, wo riesige Gewerbehallen das Panorama störten. Er sei gegen den Flächenfraß, gegen Gewerbegebiete auf der grünen Wiese, die nur mit dem Auto zu erreichen seien. Daher müsse man auf die Kommunen zugehen und neue Konzepte finden. Dazu gehört auch der Öffentliche Nahverkehr und die Zusammenarbeit, etwa der Verkehrsverbünde. Wobei Helfert klar stellte, dass den Menschen die Mobilität wichtig sei und man Lösungen finden müsse, mit Bus und Bahn in die Metropolen wie Ulm, Augsburg oder München zu gelangen.

Nachdem sich das Unterallgäu auch den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben habe, gehe es jetzt darum, ein Controlling zu bekommen, um die gesetzten Ziele zu überprüfen.

Kneipp ist Chefsache

Hatte Helfert mit der Jugend begonnen, so vergaß er auch die älteren und pflegebedürftigen Mitbürger nicht. Auch Themen wie die Landwirtschaft und der Naturschutz gehören zu den Schwerpunkten Helferts, der klarstellte, dass die Landwirte der Schlüssel zur Landschaftspflege seien. Szenen, wie sie aber auf dem Milchhof in Bad Grönenbach zu sehen sind, eben nicht das idyllische Allgäu zeigten, sondern das Versagen, vor allem bei der Kontrolle solcher Betriebe.

Am Schluss seiner Rede zeigte sich Michael Helfert aber nicht nur als überzeugter Unterallgäuer, sondern auch als aktiver Kneippianer. Es gehe darum, den Standort und die Gesundheitsregion Unterallgäu offensiv und attraktiv darzustellen und die Ressource Kneipp entsprechend zu vermarkten, indem man das Gesundheitsbewusstsein der Menschen anspreche. Und es sei klar, so Helfert auf Rückfrage seitens der Bad Wörishofer, dass das Thema Kneipp und dessen Jubiläum 2022 im Landkreis Chefsache sein sollte. Man habe diese einmalige Chance mit dem Jubiläum, das sich nicht nur auf Grönenbach, Ottobeuren und Wörishofen beschränken dürfe.

Fast hundert Prozent

Hatte Helfert Gründe dargelegt, warum ihm sein Landkreis wichtig ist, so legte auch die stellvertretende Vorsitzende des Unterbezirks Memmingen-Unterallgäu Susanne Friederich-Scheuerl nach. Als Memminger darf es „uns nicht egal sein, wer Landrat des Unterallgäus wird“. Nicht nur, dass es um die Zusammenarbeit zwischen der kreisfreien Stadt und dem Landkreis gehe.

Schließlich wurde Helfert mit 33 Stimmen der anwesenden 34 Genossen gewählt. Die Nominierten für den Stadtrat und den Kreistag wählt die SPD am Freitag, 13. Dezember, ebenfalls im Forum.

Oliver Sommer

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