»Halbherzigen Klimawandel kann sich keiner leisten«

Für die Landratswahl nominiert: Daniel Pflügl kandidiert für Unterallgäuer Grüne

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Bei der Nominierung von Landratskandidat Daniel Pflügl (3. v. links): Assad Wardak (Vorstandsmitglied Grüne Unterallgäu, v. links), Sandra Neubauer (Kreissprecherin), Dr. Doris Hofer (Bürgermeisterkandidatin für Bad Wörishofen) und Konrad Lichtenauer (Vorstandsmitglied Grüne Unterallgäu).

Unterallgäu – In seiner Heimatstadt Bad Wörishofen hat sich ­Daniel Pflügl als Kandidat für das Amt des Landrates nominieren lassen. Einstimmig wählten die Mitglieder der Grünen Unterallgäu den 44-jährigen Kriminalpolizeibeamten. Die Ausdauer für das Rennen um das Amt dürfte der Triathlet allemal mitbringen. Als Landrat müsse man hellwach sein, die Entwicklung sei kein Selbstläufer, hier dürfe man nichts „verbummeln“ erklärte Pflügl den Anwesenden.

Seine Interessen auf kommunalpolitischer Ebene sind mindestens genauso breit gestreut wie die Hobbys des 44-Jährigen. So nutzte Pfügl die Gelegenheit, um sich nicht nur politisch vorzustellen, sondern auch den Menschen. Dem einen oder anderen dürfte der Teenager Daniel Pflügl noch als Garagenmusiker in Erinnerung sein oder, wie er mit seinem Hund loszog. Beeindruckend auch die Karriere des Polizeibeamten: Ein Kontrastprogramm, wie Pflügl gestand zu seiner damaligen Weltanschauung. Doch es sei eine spannende Zeit gewesen, als die Polizei in vorderster Front die politischen Entscheidungen aus München oder Berlin zu tragen und manchmal auch zu verteidigen hatte. Demgegenüber aber betonte Pflügl, dass diese Probleme, die die Menschen in Markt Wald oder Bad Wörishofen beschäftigten, bei den politischen Entscheidungsträgern in München oder Berlin ankommen müssten. Deshalb müsse man die Politiker hierher holen. Es sei wichtig, dass man auf Landes- und Bundesebene verstehe, was die Menschen vor Ort beschäftige, was sie ausmache, wie man hier lebe und „was uns wichtig ist“.

Jeder herausgefordert

Aktuell sei er vor Ort unterwegs, höre den Menschen zu und überlege, wie man die Dinge anpacken müsse und dabei gibt es ein Thema, das die Welt im Großen wie im Kleinen beschäftige: Egal, wie man zum Thema Klimawandel stehen mag, so Pflügl, er stelle alle und jeden vor eine Herausforderung. „Und das trifft ganz sicher auch auf das Unterallgäu zu.“ Kein Mandatsträger egal welcher Partei könne es sich leisten, dieses Thema halbherzig anzugehen, resümierte Pflügl, könne es nicht ignorieren oder aussitzen. Das Unterallgäu stehe zwar „tipptopp“ da, doch hinter diesen tollen Zahlen (unter anderem die Arbeitslosenquote von 1,8 Prozent) stünden kleine und mittlere Betriebe und Unternehmen. Und diese seien von der wirtschaftspolitischen Ausrichtung Deutschlands abhängig. Und die Entscheidungsträger, die dafür verantwortlich zeichnen, kämen weder am Thema noch an dem damit verbundenen Druck vorbei.

Wer dann aber wisse, wie viele Arbeitsplätze im Unterallgäu direkt oder indirekt mit der KFZ-Branche verknüpft sind, „der versteht, wovon ich spreche“. Der verstehe vor allem auch, wie hochsensibel dieses gesamte (wirtschaftliche) Konstrukt bei uns im Unterallgäu ist“. Der wirtschaftliche Erfolg und der damit verbundene Wohlstand im Unterallgäu sei nichts, worauf man sich ausruhen könne, betonte Pflügl. „Das ist alles andere als ein Selbstläufer, wir dürfen hier nichts verbummeln.“ Im Unterallgäu, und hier besonders der oberste politische Vertreter „muss hellwach sein“, so Pflügl. Er müsse am Ball sein und wissen, „was in seinem Landkreis los ist“. Und er müsse verstehen, wie sich die Politik aus übergeordneten Ebenen auf seinen Landkreis auswirkt.

Wo sind die Leuchttürme?

Das gelte auch für den Tourismus, so Pflügl. Und es müsse nachdenklich machen, wie die Kur- und Heilbäder, insbesondere bei der Gesundheitsreform, finanziell überfordert seien und ans Limit gebracht würden. So etwas habe Auswirkungen auf die Attraktivität einer Destination, von der über Handel und Handwerk weitere Arbeitsplätze abhängen. Wenn man das alles wisse und drei Kurorte in seinem Landkreis habe, könne man das als Landrat nicht schulterzuckend „zur Kenntnis nehmen“. Man müsse mit den entsprechenden Vertretern reden oder auch selbst Ideen haben. „Vielleicht haben wir auch mal den Mut für etwas Besonderes, Außergewöhnliches“, so Pfügl. Man höre im Stadtrat immer von Leuchtturmprojekten, aber man sehe keins.

Hier fehlten Ideen und der Einsatz auf politischer Ebene ebenso wie beim Thema Landwirtschaft. Denn obwohl dieser Wirtschaftszweig das Unterallgäu seit Jahrhunderten präge, „taucht er in den Statements und Lobesreden unserer Politspitze nicht auf“. Man schwärme immer von der Wirtschaft, erwähne aber die Landwirtschaft mit keinem Wort. Ein Grund, die Landwirtschaft nicht mehr zu erwähnen, sei möglicherweise, „weil‘s der Landwirtschaft eben nicht mehr gut geht“. Dabei nannte Pfügl Stichworte wie Höfesterben, Nachwuchsproblem und Aufgabe. Dreimal habe man „ein fettes Minus beim Thema Image, Ertrag und Arbeitsaufwand“. Wer könne es dem Landwirt verdenken, der sich die Sicherheit einer Anstellung herbeisehnt. Profitieren würde nur der Großbetrieb, eine Entwicklung, die er als Landrat nicht einfach so hinnehmen könne. Er wisse, das er als Landrat weder Bundes- noch-EU-Politik ändern könne. Doch wer dieses Argument bemühe, um die Flinte ins Korn zu werfen, sei fehl am Platz. Es gebe Möglichkeiten, den Landwirten die Wertschätzung zukommen zu lassen und deren Produkte lokal und regional entsprechend zu vermarkten. Womit der Vater von drei fast erwachsenen Kindern auch noch ein leidiges Thema nachschob.

Schon einmal hatte ein Stadtrat in Bad Wörishofen moniert, dass man leichter um zehn Uhr abends nach Augsburg komme als von der City nach Stockheim oder Schlingen. Und es sei einfacher, vom Unterallgäu mit dem Flieger und dem Allgäu-Airport nach Albanien zu kommen als mit dem Bus von Dirlewang nach Mindelheim. Man dürfe als Kreisbehörde keine Risikoprojekte unterstützen, sondern müsse dafür sorgen, dass vor dem Eigenheim einer vierköpfigen Familie vielleicht nur noch ein oder zwei Pkw stehen müssen, mit denen man zur Arbeit oder in die Schule kommen kann und eben nicht jeder aufgrund fehlender Verbindungen sein eigenen Auto haben muss.

Ganzer Landkreis im Blick

Es fehle die Leidenschaft, so Pflügl, der anschließend einstimmig gewählt wurde. Das Unterallgäu, forderte der ­Grünen­-Kreis- und Stadtrat, solle ein lebens- und liebenswertes Fleckchen Bayern bleiben. Dafür aber brauche es Ideen und Engagement und man dürfe eben nicht nur die beiden Städte Mindelheim und Bad Wörishofen sehen, sondern müsse auch die 50 weiteren Dörfer, Marktflecken und Orte betrachten, warb Pflügl für sich. Er habe auf jeden Fall Spaß daran, mit den Menschen zu arbeiten und mit ihnen anstatt über sie, zu sprechen. 

Oliver Sommer

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