Bauträger dampft Vorhaben massiv ein

Löwenbräuareal: Planung grundlegend geändert – Verkaufsfläche schrumpft auf ein Zehntel

Löwenbräuareal Bad Wörishofen
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Das Löwenbräuareal mit dem Vorplatz, der so nun in seiner ursprünglichen Planung nicht umgebaut wird. Das Haus links wird ebenso stehen bleiben wie einige Bäume auf der Luerswiese (rechts).

Bad Wörishofen – Die Planungen für das Areal der Löwenbrauerei in Bad Wörishofen haben sich grundlegend geändert: Das zeigte sich schon bei den Einwendungen für die bisherige Planung, die im Stadtrat diskutiert wurden. Das Hotel wurde auf 22 Betten eingedampft, die Verkaufsfläche, einst als Kernstück des Vorhabens gehandelt, schrumpft um 90 Prozent. Auch der Löwenplatz, Bindeglied zwischen dem Areal und der Innenstadt, ist verschwunden.

Noch während die Vertreter des Bauamtes Manfred Pistel und Bernhard Oberstaller gemeinsam mit der Baurechtlerin Sarah Santoni von Sieber Consult die 74 Einwendungen – das Gros davon von Bürgern Bad Wörishofens – durchgingen und einordneten, huschte die Katze klammheimlich aus dem Sack. Schon bei der ersten Stellungnahme, die das Thema Wasserrecht betraf, musste die Rechts­assessorin des Planungsbüros darauf verweisen, dass sich die Planung grundlegend geändert habe bzw. „die Planung verkleinert wurde“, sagte Santoni. Änderungen, die eine erneute Auslegung und Beteiligung der Ämter und Behörden sowie Bürger erforderlich machten und die vorliegenden Einwendungen obsolet werden lassen.

Verkleinerungen, das wurde in der Vorstellung der neuen Pläne deutlich, die das Vorhaben massiv in seinem Erscheinungsbild, aber auch in der Nutzung verändern werden. Durch die neuen Pläne ergebe sich „nur noch ein deutlich verringertes Einzelhandelsaufkommen“, erklärte Bernhard Oberstaller. Von einst geplanten 1.100 Quadratmetern Verkaufsfläche, 800 Quadratmetern Verbrauchermarkt, dazu weiteren kleineren Geschäften, ist nun nur noch ein Einzelhandelsgeschäft mit einer Fläche von 120 Quadratmeter übrig geblieben.

Zuvor schon hatte Stefan Welzel gebeten, bei den Abwägungen, die man im Rahmen der ersten Auslegung durchgehen müsse –„Das ist gelebte Demokratie“– auf Rückfragen zu verzichten. Stattdessen solle man über diesen Punkt en Block abstimmen, so der Bürgermeister.

In den Bedenken und Einwänden der Bürger spiegelte sich vor allem Unverständnis für das eine oder andere Detail wider, Ärger über die geplante Dimension des Vorhabens und teilweise auch Unwissenheit bezüglich des Baurechtes, aber auch über die Besitzverhältnisse. Und wie schon geschildert, blitzten die ersten Details der neuen Planung schon auf in den Abwägungen auf. Denn einhergehend mit der Verringerung der Einkaufsmöglichkeiten, einst im Sinne der „Markthalle“ als zentrales Element gefeiert, wird nun auch die Tiefgarage, wo die Einkäufer ihre Fahrzeuge abstellen sollten, auf eine Ebene reduziert. Betroffen von der Umplanung ist auch das Hotel, das verkleinert wird sowie das Umfeld der geplanten „Erlebnisbrauerei“. Entfällt doch durch die Umplanung die nötige Linksabbiegespur und in der Folge wird es auch keinen Löwenplatz mehr geben – „Licht und Schatten“, wie Doris Hofer (Grüne) später anmerken sollte. Würde doch durch die Verkleinerung der Tiefgarage die Notwendigkeit entfallen, unter dem Schalle-Weg zu bauen und damit auf städtischem Grund.

Neues Hotelchen

Durch den Wegfall des Verbauchermarktes schließlich entfällt auch ein zentraler Kritikpunkt am vorgelegten Konzept, müssen doch keine Lieferfahrzeuge mehr aufwendig vor dem Komplex rangieren, um in die Ladezone zu gelangen, die es künftig so nicht mehr geben wird. Dadurch gewinne das Projekt, so die Stadträtin. Allerdings könne man nicht mehr von einem Hotel reden bei nur noch 22 Betten. Am meisten bedauerte Hofer aber den Wegfall des Löwenplatzes, der allein aus städtebaulicher Sicht, hier hatte sich schon Professor Schirmer im Rahmen des ISEK-Projektes positiv geäußert, wertvoll gewesen wäre, um die Verbindung zwischen Kneippstraße, den Löwenbräu-Arcaden und dem Kurpark zu schaffen.

Doch anstatt den Komplex aufzuwerten, als Entree für die Gäste, würden die Besucher des Löwenbräukomplexes mit der Tiefgaragenzufahrt nun von einem schwarzen Loch empfangen, so Doris Hofer. Im Rahmen des Lärmschutzes musste diese Tiefgaragenzufahrt aufgeteilt werden, nachdem nun auch nicht mehr das, in der Alfred-Baumgartenstraße gegenüberliegende Grundstück, als Lärmschutz fungieren kann. Ein Grundstück im Übrigen, das trotz Überplanung so noch gar nicht im Eigentum des Bauwerbers war.

Auch Joachim Nägele fand anerkennende Worte für die vorgelegten Planungen, insbesondere auch für die Verkehrslösung, wobei Nägele feststellte, dass die gefährliche Tiefgaragenzufahrt entschärft worden sei. Auch Sebastian Dietrich, Baureferent im Stadtrat und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Generation Fortschritt, lobte die Planungen, die aus seiner Sicht zur Belebung des Ortes beitragen würden. Insbesondere mit der Show-Brauerei haben man ein Alleinstellungsmerkmal in der Region, so Dietrich. Man müsse das Projekt nun aber endlich vorantrieben und eine zeitnahe Lösung schaffen, so sein Appell. Ein Punkt, auf den Bürgermeister Stefan Welzel später nochmals zurückkommen sollte, als er anmerkte, dass man seit dem vergangenen Jahr auf den Entwurf des städtebaulichen Vertrages warte, in dem die Eckpunkte – „wer macht was?“– definiert würden. Schon im Spätsommer 2020 hatte man seitens der Verwaltung moniert, dass der Ball nun beim Bauwerber liege und man erst mit dem Entwurf des Vertrages weiterarbeiten könne. Insbesondere war auch Kritik herauszuhören, dass der Stadtrat seinerzeit zu kurzfristig informiert worden war, teilweise waren Pläne erst am Mittag des Sitzungstages eingereicht worden.

In Teilen drehte sich die Diskussion dann noch um die Tiefgaragenzufahrt, aber auch um die ebenfalls geänderten Pläne hinsichtlich der Wohnbebauung. Denn auch hier wurden die Pläne gestutzt, was dem Baumbestand im Bereich der Luerswiese zugute kommt. Dem Antrag Paola Rauschers (Grüne), die Abstimmung in die Teile Löwenbräu und „Wohnen“ aufzuspalten, wurde nicht entsprochen. So votierte denn auch die Mehrheit der Stadträte für die geänderten Pläne hinsichtlich des Löwenbräuareals und der Luerswiese.

Noch immer Leuchtturm

Am 15. März sollen dann die Pläne erneut im Bauausschuss vorgelegt werden, vielleicht bis dahin auch mit den entsprechenden Unterlagen von Seiten des Bauwerbers, vor allem hinsichtlich des Durchführungsvertrages. Immer noch aber, so stellte Paul Gruschka (FW) fest, handle es sich um ein Leuchtturmprojekt, während man mit der alten Löwenbrauerei eine Bauruine vor sich habe. Man habe die Luerswiese „komplett entschärft“, so der frühere Bürgermeister. Und Gruschka zeigte Verständnis, dass der Löwenplatz nun so nicht komme wie geplant. Das wäre „eine gewaltige zusätzliche Belastung“ für den Bauwerber geworden. Auch Stefan Welzel stellte abschließend fest, dass die Gesamtsituation in der Innenstadt durch das Vorhaben attraktiver werde: „Ich freue mich, was hier entstehen kann“, so Welzel.

Oliver Sommer

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