Von Mindelheim nach Prag

Floorball-WM: Vor mehreren Tausend "geht schon die Pumpe"

WFC 2018 - Germany v Latvia
1 von 8
Die deutsche Mannschaft singt ihre Hymne vor dem Spiel um Platz 5 gegen Lettland. Ganz rechts: Wochen KURIER-Redaktionsleiter Marco Tobisch.
2 von 8
13.000 Zuschauer sahen sich in der Prager O2-Arena das WM-Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Tschechien an.
3 von 8
Der Videowürfel in der Prager O2-Arena
4 von 8
Vor dem Spiel Deutschland gegen Dänemark.
5 von 8
Bei einem Freundschaftsspiel gegen Polen.
6 von 8
Unser Redakteur in der Prager O2-Arena mit Deutschlands Teammanager Stefan Schmitz
7 von 8
Mit den Red Hocks Kaufering spielt Wochen KURIER-Redaktionsleiter Marco Tobisch (am Ball) in der 1. Floorball Bundesliga.
8 von 8
Mit den Red Hocks Kaufering spielt Wochen KURIER-Redaktionsleiter Marco Tobisch (am Ball) in der 1. Floorball Bundesliga.

Mindelheim/Prag – In Deutschlands Vereinen betreiben offiziell 13.000 Menschen die Sportart Floorball. Ungefähr genauso viele, wie sich zuletzt das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft im tschechischen Prag zwischen Deutschland und den WM-Gastgebern in der O2-Arena angesehen haben – dort ist die Randsportart wesentlich populärer und wird sogar regelmäßig live im Fernsehen ausgestrahlt. Und dort flimmerte auch das Gesicht von Wochen KURIER-Redaktionsleiter ­Marco Tobisch zuletzt immer wieder über den Bildschirm, denn er war als Verteidiger Teil des deutschen WM-Aufgebotes. Im Hausinterview haben wir ihn zu diesem besonderen Erlebnis befragt.

Zuallererst: Was ist denn genau Floorball?

Tobisch: „Das kann man sich ungefähr als Eishockey in der Halle vorstellen. Es wird zu Fuß und mit einem Plastikball gespielt. Die Schläger sind sehr leicht und ähneln denen vom Eishockey.“

Kann man das auch hier in Mindelheim spielen?

Tobisch: „Ich glaube, die nächsten Vereine sind der SV Amendingen und mein Heimatverein, die Red Hocks Kaufering. Hier in Mindelheim habe ich leider noch nichts von einem Floorballverein gehört. Vielleicht sollte ich selbst einen aufmachen.“ (lacht)

Was würdest du sagen: Wo liegen die Unterschiede zwischen einem Spiel in Kaufering und einem Länderspiel bei der Weltmeisterschaft?

Tobisch: „Besonders das Drumherum ist völlig irre. Vor den Spielen wurden wir von einem Bus mit ‚Germany‘-Aufschrift abgeholt, wurden dann in der O2-Arena, sobald die Bustüren aufgegangen sind, von Kamerateams vom Fernsehen empfangen. In Kaufering spielen wir zwar in der 1. Bundesliga aber solch eine mediale Präsenz ist da natürlich nochmal ein ganz neues Niveau. Und in der Halle kommen ständig Kinder und Jugendliche auf dich zu, die sich mit dir fotografieren lassen oder ein Autogramm wollen. Nach dem Spiel ist dann vorgeschrieben, dass man durch die Journalistentraube laufen muss und Interviews auf Deutsch und Englisch gibt. Alles in allem würde ich sagen: In diesen neun Tagen WM gibt es einfach unglaublich viele Momente, die einem das Gefühl geben, ein Star zu sein.“

Und bist du jetzt einer?

Tobisch: „Quatsch, zuhause geht natürlich alles weiter wie sonst auch. In großen Floorball-Ländern wie der Schweiz, wo Floorball immerhin die Sportart mit der zweithöchsten Mitgliederzahl nach Fußball ist oder Schweden und Finnland sieht das vielleicht anders aus: Da sind die Nationalspieler in Werbespots oder Sportsendungen im Fernsehen zu sehen. In Deutschland gibt es dagegen immer noch sehr viele Leute, die noch nie etwas von Floorball gehört haben.“

Was fasziniert dich an der Sportart?

Tobisch: „Es heißt, es wäre die schnellste Hallensportart der Welt. Tatsächlich ist sehr viel Dynamik gefragt. Deshalb ist man auch immer nur etwas weniger als eine Minute auf dem Feld, dann wird im Fünferblock durchrotiert. Wer ein guter Floorballer sein will, muss aber nicht nur Fitness mitbringen sondern in erster Linie auch Köpfchen. Es sind nämlich unglaublich viele Entscheidungen auf dem Feld zu treffen.“

Fallen einem diese Entscheidungen bei einer Weltmeisterschaft schwerer als auf dem gewohnten Terrain im Verein?

Tobisch: „Klar, erstens ist das Niveau natürlich deutlich über dem in der Bundesliga. Und in Kaufering spielen wir meist vor etwa 300 bis maximal 400 Zuschauern. In Prag waren es jetzt im Eröffnungsspiel 13.000 und bei den weiteren mit deutscher Beteiligung rund 4.000. Da geht dann schon die Pumpe, wenn man auf die Ränge hochschaut oder sich selbst auf dem Videowürfel sieht.“

Wie ist die WM sportlich für Euch gelaufen?

Tobisch: „Eigentlich fast perfekt. Nach der Vorrunde haben wir im Achtelfinale Kanada mit 7:2 geschlagen, im Viertelfinale dann nur mit 1:6 gegen den späteren Weltmeister Finnland verloren. Das klingt zwar hoch, war aber wohl unser bestes Spiel bei der Weltmeisterschaft. Vor zwei Jahren haben uns die Finnen übrigens noch mit 23:0 geschlagen. Das war dann wirklich sehr deutlich.“ (lacht)

Und wie ging´s dann weiter?

Tobisch: „Dann haben wir in einem Zwischenspiel Dänemark besiegt. Da ging es darum, ob wir am Ende um Platz 5 oder 7 spielen dürfen. Nachdem wir mit 4:2 gewonnen haben, durften wir gegen Lettland ran, haben da aber knapp verloren und wurden demzufolge am Ende Sechster.“

Wäre mehr drin gewesen oder seid ihr mit der Platzierung zufrieden?

Tobisch: „Wir sind damit definitiv zufrieden. Es ist wohl sogar das insgesamt zweitbeste Abschneiden einer deutschen Mannschaft bei den letzten zehn Weltmeisterschaften.“

Dann war Prag scheinbar ein gutes Pflaster. Und außerhalb vom Sportlichen: Wie habt ihr die Freizeit in der Stadt verbracht?

Tobisch: „Naja, bei sieben Spielen in neun Tagen, viel Essen, Schlafen und Videoanalysen zur Gegnervorbereitung ist gar nicht so viel Freizeit geblieben. Einen freien Tag haben wir zum klassischen Sight­seeing genutzt, da haben wir einiges von der schönen Altstadt gesehen. Und am zweiten freien Tag waren wir in der deutschen Botschaft eingeladen und haben eine Führung bekommen. Es gab also auch außerhalb der Halle spannende Eindrücke!“

Interview: Julia Böcken

Auch interessant

Meistgelesen

Rammingen: "Im Ausnahmezustand" 79-jährige Frau attackiert
Rammingen: "Im Ausnahmezustand" 79-jährige Frau attackiert
Alkohol am Steuer: Unfallfahrer muss ins Gefängnis
Alkohol am Steuer: Unfallfahrer muss ins Gefängnis
Kino unterm Sternenhimmel im Türkheimer Schlosshof
Kino unterm Sternenhimmel im Türkheimer Schlosshof
70 Jahre Sportgeschichte: TSV Zaisertshofen lädt am Wochenende ins Festzelt ein
70 Jahre Sportgeschichte: TSV Zaisertshofen lädt am Wochenende ins Festzelt ein

Kommentare